Mittwoch, 13. November 2019

Warnung vor Sojaspossen Ehec-Infektionsherd in Uelzen vermutet

Intensivstation des Krankenhauses Hamburg-Eppendorf (UKE): Zahl der Ehec-Opfer steigt deutlich

Die Situation wird dramatischer: Mittlerweile sind 22 Menschen an der besonders schwer verlaufenden Ehec-Infektion gestorben, Hospitäler geraten in Engpasslagen. Jetzt wollen Forscher eine Quelle der Ehec-Infektion in einem Gartenbaubetrieb in Uelzen gefunden haben - und warnen vor Sojasprossen.

Hamburg - Die niedersächsischen Behörden sind auf der Suche nach der Ursache der Ehec-Darminfektionen nach eigenen Angaben auf eine "starke Spur" gestoßen. Ein Gartenbaubetrieb aus dem Landkreis Uelzen könnte nach Angaben der Behörden wohl eine Quelle für die Ehec-Darminfektionen sein. Der definitive Labornachweis dafür fehle bisher zwar, bei einer Mitarbeiterin sei indes eine Ehec-Infektion nachgewiesen worden, sagte Niedersachsens Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU).

Die Firma aus Uelzen vertreibe Sprossensorten, teilte das Landesverbraucherministerium am Sonntag in Hannover mit. Die Indizienlage sei auch ohne Laborbeweis so eindeutig, dass das Ministerium empfiehlt, derzeit auf den Verzehr von Sprossen zu verzichten. "Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die mit dem Ehec-Erreger kontaminierte Ware bereits vollständig verarbeitet und verkauft wurde", hieß es dann auch aus dem Ministerium.

Bei den betroffenen Sprossen handelt es sich um solche, die aus verschiedenen Saatgutmischungen hergestellt wurden. "Die Sprossen wurden direkt oder über Zwischenhändler an Einrichtungen in Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Hessen und Niedersachsen geliefert", gaben Niedersachsens Behörden am Sonntag Abend an. Bislang ging man von rohen Tomaten, Gurken und Blattsalat als mögliche Ehec-Infektionsursache aus.

Wegen der großen Zahl der Infektionen gibt es in manchen Krankenhäusern in Norddeutschland bereits Engpässe, wie Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr sagte. "Wir haben bei der Krankenversorgung eine angespannte Lage", sagte Bahr. Man könne dies aber bewältigen, indem fehlende Kapazitäten - etwa in den Städten Hamburg und Bremen - durch freie Plätze in den umliegenden Krankenhäusern ausgeglichen würden.

Bahr besuchte am Nachmittag das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), um sich vor Ort einen Überblick über die Versorgung der Ehec-Patienten verschaffen. Kritik am Krisenmanagement wies der FDP-Politiker zurück. "Ich habe miterlebt, wie die Mitarbeiter in den Behörden mit Hochdruck daran gearbeitet haben und auch frühzeitig die Bürger mit Transparenz informiert haben", sagte Bahr.

Die Opposition hatte die Einrichtung eines Krisenstabes gefordert und die Bundesregierung kritisiert. Im Zusammenhang mit der Ehec-Erkrankungswelle ist am Mittwoch ein Treffen der Gesundheits- und Verbraucherschutzminister von Bund und Ländern geplant.

Immer mehr Staaten verzichten derweil lieber auf Gemüse aus Deutschland. Zuletzt hat das Emirat Katar die Einfuhr verboten.

kst/dpa/rtr/dapad/afp

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