Samstag, 20. April 2019

Riester-Rente Der Markt versagt

Geld für die Vorsorge: Viel von dem, was Riester-Sparer investieren, bleibt bei den Anbietern als Kosten hängen

Die Riester-Rente hat einen schweren Stand. Die jüngste "Öko-Test"-Analyse stellt der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge ein vernichtendes Zeugnis aus - die Kosten zehren das Gros der Zulagen auf. Verbraucherschützer fordern eine grundlegende Reform und bringen die Bundesfinanzagentur als Anbieter provisionsfreier Policen ins Spiel.

Hamburg - Die Querelen um die staatlich geförderte Riester-Rente entwickeln sich für die Bundesregierung allmählich zum Dauer-Task-Force-Einsatz. Gerade versucht der Gesetzgeber, den Brand im Zulagendschungel zu löschen, damit tausende Riester-Sparer zumindest einen Teil der 500 Millionen Euro einbehaltenen Förderung wieder zurückbekommen, da lodert es schon an anderer Stelle.

Transparenz- und Renditeprobleme der Riester-Rente sind zwar nicht neu. Neue Erkenntnisse der jüngsten Öko-Test-Analyse und die aktuell wieder aufflammende Kritik aber könnten der Funke sein, der zum Flächenbrand für die private Altersvorsorge wird, wenn die Bundesregierung nicht eingreift.

Will Berlin verhindern, dass sich immer mehr enttäuschte Riester-Sparer aus ihrem Vertrag verabschieden oder gar nicht mehr vorsorgen, wie das Umfragen nach dem Zulagendesaster befürchten lassen, dann dürfte es mit ein paar kosmetischen Korrekturen auch nicht getan sein. In einem Positionspapier fordert der Bundesverband Verbraucherzentralen (Vzbv) das Bundesfinanz- und das Bundessozialministerium deshalb zu einer grundlegenden Reform der Riester-Rente und der Altersvorsorge in Deutschland auf.

Im Kern stellt Vzbv-Chef Gerd Billen fest: Der Wettbewerb auf dem privaten Altersvorsorgemarkt als vermeintlich effizientester Weg, die Rentenlücken der Menschen in Deutschland zu schließen, habe versagt. Die Qualität der Produkte und ihr Preis-Leistungsverhältnis spielten wegen des vor allem auf attraktive Provisionen ausgerichteten Vertriebs nur eine nachrangige Rolle.

Kosten, die einen erheblichen Einfluss auf die Ertragsstärke der Produkte haben, würden im Wettbewerb oftmals verschwiegen oder in einer Weise dargestellt, die einen Vergleich für den Kunden nahezu unmöglich macht. Ohne Vergleich aber bleibe der Absatz qualitativ hochwertiger Produkte auf der Strecke.

Kosten zehren die Zulagen zum Großteil auf

Eine neue "Öko-Test"-Analyse scheint diese unter Kritikern weit verbreitete Einschätzung zu untermauern. So können die Kosten vieler Riester-Policen die staatlichen Zulagen teilweise oder bis zu 80 Prozent aufzehren, wie der Experte Axel Kleinlein jetzt nachgerechnet hat. Ein Kunde, der um diesen Nachteil weiß, würde so eine Police vermutlich nie kaufen.

Doch dies verschweigen die Anbieter ihren Kunden. Wer dann aber das Recht auf einen Anbieterwechsel nutze, könne das eingezahlte Kapital nahezu vollständig verlieren.

Für die Verbraucherschützer steht fest: Da es sich bei der Riester-Rente in vielen Fällen nicht um das kleine "Sahnehäubchen oben drauf" handelte, sondern um einen existentiell notwendigen Ausgleich sinkender gesetzlicher Rentenansprüche, steht für sie der "Staat in der Pflicht", dass die Bürger nicht nur zusätzlich vorsorgen, sondern ihnen dafür auch wirtschaftlich effiziente, das heißt kostenschlanke Produkte angeboten werden.

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