Mittwoch, 13. November 2019

Ehec-Epidemie Österreich und Tschechien stoppen Gurkenverkauf

Gurken in einer Kiste auf dem Großmarkt Hamburg: Tschechien und Österreich nehmen spanische Biogurken aus den Regalen

Zehn Tote haben die vom Erreger Ehec ausgelösten Durchfallerkrankungen bisher in Deutschland gefordert. Nun reagieren auch die Nachbarländer. Tschechien und Österreich nehmen spanische Biogurken aus den Regalen. Verbraucherschutzministerin Aigner ruft Bund und Länder zum Krisentreffen.

Hamburg - Die lebensgefährlichen Durchfallerkrankungen durch Ehec-Erreger sind weiter auf dem Vormarsch. Am Wochenende starben in Deutschland vier Frauen, nachdem sich die Infektionen bei ihnen zum sogenannten hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) ausgeweitet hatten. In Hamburg starb eine 87-Jährige, in Kiel eine 38-Jährige, im Süden Schleswig-Holsteins eine 84-Jährige und in Lübeck eine 86-Jährige. Alle erlagen dem HUS, das mit blutigem Durchfall, Nierenversagen und dem Zerfall der roten Blutkörperchen einhergeht. Damit erhöhte sich die Zahl der Ehec-Toten auf zehn.

Nun reagieren auch die Nachbarländer auf die Gefahr, die von dem Bakterium enterohämorrhagische Escherichia coli (Ehec) ausgeht. 120 aus Spanien kommende Bio-Gurken, die möglicherweise mit dem gefährlichen Darmerreger EHEC verseucht sind, sind in Tschechien aus den Regalen der Lebensmittelläden genommen worden. Nach Angaben der tschechischen Landwirtschafts- und Lebensmittelaufsicht gingen Gurken aus derselben Lieferung der spanischen Betriebe, die über deutsche Großhändler bezogen wurde, auch nach Österreich, Ungarn und Luxemburg.

Auch Österreich startete eine Rückrufaktion für die spanischen Gurken. Der Rückruf betreffe neben einer geringen Anzahl an Gurken auch Tomaten und Auberginen des spanischen Erzeugers Frunet, teilte die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit am Sonntag mit. Da nicht ausgeschlossen werden könne, dass einige der Produkte bereits verkauft worden seien, rate man Verbrauchern, diese bei Verdacht wegzuwerfen. Hinweise auf Erkrankungen gab es in den betroffenen Ländern nicht, in Österreich waren lediglich zwei deutsche Urlauber positiv auf den Keim getestet worden.

In Schweden waren in den vergangenen zwei Wochen mehr als ein Dutzend Menschen nach einer Infektion mit dem Ehec-Erreger ins Krankenhaus eingeliefert worden. Sie alle waren zuvor in Deutschland gewesen. Auch in Dänemark wurde an acht Menschen eine Infektion diagnostiziert, die mit dem Ehec-Ausbruch zusammenhängen könnte.

Viele offene Fragen bei Ehec-Bakterium

Nach wie vor rätseln die Experten über die genaue Herkunft des Ehec-Bakteriums. Offen ist auch, warum hauptsächlich Frauen betroffen sind und die Erkrankungen in Norddeutschland grassieren, im übrigen Bundesgebiet aber eher vereinzelt auftreten.

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner riet zum Verzicht auf rohe Gurken, Blattsalate und ungekochte Tomaten. Nach Angaben des Robert-Koch-Institutes (RKI) stieg die Zahl der gemeldeten HUS-Fälle auf rund 300. Die Zahl der ohne lebensgefährliche Komplikationen mit dem Erreger angesteckten Menschen sei um ein Vielfaches höher. Mit einem weiteren Ausbreiten der Infektionen ist zu rechnen. Der Sprecher des Universitätsklinikums in Lübeck sagte Reuters, pro Tag würden zehn neue HUS-Fälle erwartet.

Vor allem in Hamburg werden die Plätze für die Behandlung der schweren Fälle knapp. Das Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf hat nach Angaben einer Sprecherin bereits weniger schwer erkrankte Patienten an andere Krankenhäuser überstellt.

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