Mittwoch, 13. November 2019

EU-Gutachten Zahl der Ehec-Erkrankten wird noch steigen

Krankenpfleger mit einem mit dem Ehec-Erreger erkrankten Patienten: Die Welle der von Ehec ausgelösten gefährlichen Durchfallerkrankungen ist noch nicht vorüber

So viele Deutsche wie nie zuvor haben sich mit Ehec infiziert, zeigt eine EU-Analyse. Die Zahl der an Ehec Erkrankten dürfte weiter steigen. Verbraucherschutzministerin Aigner warnt vor dem Verzehr von Rohkost. Auch in Tschechien sind mit Ehec kontaminierte Gurken in den Handel gelangt.

Der Ausbruch der gefährlichen Darmerkrankung mit dem Erreger Ehec in Deutschland ist der europäischen Gesundheitsbehörde zufolge einer der größten seiner Art weltweit. In einem Gefahren-Gutachten geht das Europäische Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention in Stockholm (EDCD) am Samstag zudem davon aus, dass "die Quelle der Infektionen noch aktiv ist", da die Zahl der Erkrankten weiter steige.

Überdies seien die Vorfälle außergewöhnlich, da hauptsächlich Erwachsene an dem von dem Ehec-Erreger ausgelösten hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) erkrankten. "Gewöhnlich wird HUS bei Kindern unter fünf Jahren festgestellt. Dieses Mal sind 87 Prozent der Betroffenen Erwachsene und hauptsächlich Frauen (68 Prozent)", teilte die Behörde am Samstag mit. Es handele sich nicht nur um einen der größten Ausbrüche der Krankheit weltweit, sondern auch um den größten jemals in Deutschland.

Die Zahl der an einer Infektion mit Ehec-Bakterien gestorbenen Menschen ist mit dem Tod einer 86-Jährigen in Lübeck auf zehn gestiegen. Die Frau sei am Samstag dem hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) erlegen, teilte ein Sprecher des Universitätsklinikums in Lübeck am Sonntag mit. Auch ihr Mann werde in der Klinik behandelt. Insgesamt lägen im Klinikum rund 70 Patienten mit HUS. Pro Tag werde mit zehn neuen Fällen gerechnet.

Nach Angaben des Robert-Koch-Institutes (RKI) ist derzeit von rund 300 gemeldeten HUS-Fälle auszugehen. Die Zahl der ohne lebensgefährliche Komplikationen mit dem Ehec-Erreger angesteckten Menschen sei um ein Vielfaches höher.

Aigner hält Warnung vor dem Verzehr von Rohkost aufrecht

Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner hält an der Warnung vor dem Verzehr roher Gurken, Blattsalate und ungekochter Tomaten fest. "Solange es den Experten in Deutschland und Spanien nicht gelungen ist, die Quelle des Erregers zweifelsfrei zu benennen, haben die allgemeinen Warnhinweise für Gemüse weiterhin Bestand", sagte die CSU-Politikerin der Zeitung "Bild am Sonntag" (Onlineausgabe).

Zur Kritik von Bauernverbänden und Lebensmittelhändlern an der Warnung des Robert-Koch-Instituts sagte Aigner, der Schutz der Verbraucher habe immer Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen. "Deshalb war es richtig, dass die deutschen Fachbehörden frühzeitig gewarnt haben", sagte sei.

Außerdem trat die Ministerin dem Eindruck von Unstimmigkeiten zwischen Deutschland und Spanien über die Herkunft des Erregers entgegen. "National und international arbeiten die zuständigen Behörden mit Hochdruck an der Aufklärung des Falls", versicherte sie. Ein Ministeriumssprecher sagte dem Blatt, von einem Streit mit dem spanischen EU-Partner könne keine Rede sein.

Auch in Tschechien sind mit dem Darmkeim EHEC kontaminierte Gurken in den Handel gelangt. Noch wisse man aber nicht, ob die gesundheitsschädliche Ware auch bereits an Endverbraucher verkauft worden sei, teilte die tschechische Lebensmittelinspektion SZPI nach einem Bericht der Nachrichtenagentur CTK vom Sonntag mit. Dies könne erst durch Überprüfungen im Laufe des Sonntags festgestellt werden.

Nach den Worten von SZPI-Sprecher Michal Spacil sei eine Sendung von Bio-Salatgurken aus Spanien betroffen, die "im Laufe der vergangenen Tage" nach Tschechien geliefert worden sei. Die Information darüber habe die tschechische Behörde zunächst über das Frühwarnsystem der Europäischen Union erhalten und sofort ein Verkaufsverbot für die bedenkliche Ware erlassen.

wed/dapd/rtr/dpa

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