Mittwoch, 13. November 2019

Ehec-Erreger Spanien beschwert sich über Deutschland

Ehec: Zahl der Krankheitsfälle in Deutschland steigt
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Für die spanischen Behörden ist nicht sicher, ob Gurken bei der Herstellung in Spanien mit Ehec-Erregern befallen wurden. Madrid beklagte sich bei der EU über die Informationspolitik Deutschlands. Während die Zahl der Erkrankungen in Deutschland rapide zunimmt, melden Landwirte Umsatzeinbußen von täglich zwei Millionen Euro.

Berlin/Hamburg/Madrid - Spanien hat bei der Europäischen Union und der Bundesregierung eine Beschwerde gegen deutsche Berichte über einen Befall spanischer Gurken mit EHEC-Erregern eingelegt. Dies gab das Madrider Agrarministerium am Freitag bekannt.

Deutschland habe gegen die EU-Regeln verstoßen, sagte Staatssekretär Josep Puxeu. Die deutschen Behörden hätten zuerst die Presse unterrichtet und nicht - wie vorgeschrieben - die Instanzen der EU. Dadurch drohten der spanischen Landwirtschaft große Verluste.

Die spanischen Gesundheitsbehörden leiteten Untersuchungen ein. Inspektoren des Gesundheitsministeriums der Region Andalusien stellten in zwei Agrarbetrieben in den Provinzen Málaga und Almería, die ihnen von den deutschen Stellen genannt worden waren, mehrere Paletten mit Gurken sicher und untersagten den Verkauf des Gemüses.

Nach Ansicht des Präsidenten der Behörde für Nahrungsmittelsicherheit (Aesan), Roberto Sabrido, könnten die Gurken auch auf dem Transport oder bei der Verarbeitung mit den Bakterien verunreinigt worden seien. Sabrido betonte: "In Spanien gibt es bisher keinen EHEC-Krankheitsfall."

"Nicht auf dem Gebiet von Spekulationen bewegen"

Agrarstaatssekretär Puxeu warnte davor, spanische Agrarprodukte global unter Verdacht zu stellen. "Wir dürfen uns nicht auf dem Gebiet von Spekulationen bewegen", sagte er. Spanien sei im Bereich der Obst- und Gemüse-Herstellung weltweit führend. Die Kontrollen funktionierten gut. Es stehe keineswegs fest, ob die Gurken bei der Herstellung in Spanien mit dem Erreger befallen worden seien.

Der Verband für ökologische Landwirtschaft (CAAE) meinte sogar, der Befall von Gurken mit EHEC-Erregern bei der Herstellung in Spanien sei "praktisch ausgeschlossen". In den Gewächshäusern, in denen die Salatgurken in Südspanien angebaut werden, könnten die Erreger aufgrund der Hitze und der Bewässerungssysteme nicht überleben, sagte der CAAE-Generaldirektor José Luis García Melgarejo.

600.000 Tonnen Gurken pro Jahr

Der Verband kontrolliert die Betriebe der ökologischen Landwirtschaft. Der Öko-Betrieb Frunet Bio in der Provinz Málaga ist eines von zwei spanischen Unternehmen, aus denen nach deutschen Information die befallenen Gurken stammen könnten. Firmen-Geschäftsführer Antonio Lavao berichtete, alle Bestellungen seien storniert worden. "Wir können unsere gesamte Produktion auf den Müll werfen", sagte er dem staatlichen Rundfunk RNE.

Der spanische Bauernverband COAG warnte davor, dass der spanischen Landwirtschaft "irreparable Schäden" entstehen könnten. Der Obst- und Gemüsesektor mache fast 40 Prozent der Agrarproduktion aus.

Spanien stellt im Jahr mehr 600.000 Tonnen Gurken her. Davon werden etwa zwei Drittel exportiert. Die wichtigsten Abnehmer sind Deutschland und Großbritannien. In dieser Jahreszeit sind die Exporte jedoch gering, weil die Staaten in Mitteleuropa sich mit Gurken aus den Niederlanden und aus eigener Produktion versorgen.

Deutsche Bauern beklagen herbe Umsatzeinbußen

Die deutschen Bauern haben wegen der Warnung des Robert-Koch-Instituts vor Obst und Gemüse nach eigenen Angaben hohe Verluste. Die Umsatzeinbußen beliefen sich auf täglich zwei Millionen Euro, sagte ein Sprecher des Deutschen Bauernverbandes am Freitag auf dapd-Anfrage. Das RKI und das Bundesamt für Risikobewertung haben wegen der EHEC-Welle den Verzicht auf rohe Tomaten, Salatgurken und Blattsalate insbesondere in Norddeutschland empfohlen.

Die norddeutschen Gemüsebauern erklärten in Bremen, Absatz und Verbrauch von in Deutschland angebauten Gurken, Tomaten und Salaten sei um 90 Prozent eingebrochen. Es sei völlig unverantwortlich, dass alle Gemüseanbauer weiterhin unter Generalverdacht gestellt würden, nachdem die Quelle offenbar gefunden worden sei, hieß es.

EHEC-Erreger waren in Hamburg an vier Gurken entdeckt worden, von denen drei aus Spanien und eine vermutlich aus den Niederlanden stammten. Ob es sich bei dem Erregerstamm um jenen handelt, der für den aktuellen Ausbruch der Infektion verantwortlich ist, war aber noch unklar.

la/dpa/dapd

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