Mittwoch, 13. November 2019

Ehec-Erreger Spanischer Gurkenhersteller weist Schuld zurück

Lieber vermeiden: Das Robert-Koch-Institut warnt weiter vor dem Verzehr von Gurken, Tomaten und Blattsalaten

Nach der Identifizierung des Ehec-Erregers an Gurken aus Spanien setzt sich der Hersteller gegen Vorwürfe zur Wehr und schiebt die Schuld zurück nach Deutschland. Derweil breitet sich der gefährliche Keim weiter in Europa aus, die Zahl der Todesfälle steigt.

Berlin/Hamburg/Madrid - Das spanische Gesundheitsministerium hat sich mit zwei Agrarbetrieben in den Provinzen Málaga und Almería in Verbindung gesetzt, aus denen die kontaminierten Gurken stammen könnten. Allerdings könne aber auch nicht ausgeschlossen werden, dass die Gurken in Deutschland verunreinigt worden seien, so das Ministerium.

Einer der Betriebe, aus dem eine der belasteten Gurken stammen soll, setzte sich gegen die Vorwürfe zur Wehr. "Ich habe das Gefühl, wir müssen als Sündenbock herhalten", sagte der Geschäftsführer in Málaga. Nach seinen Worten gehöre die Gurke zu einer Lieferung, die auf dem Hamburger Großmarkt zu Boden gestürzt sei. Möglicherweise sei die Gurke dabei verunreinigt worden.

Das Hamburger Hygieneinstitut hatte am Donnerstag festgestellt, dass Gurken aus Spanien Träger des Ehec-Erregers waren. "Es ist allerdings nicht auszuschließen, dass auch andere Lebensmittel als Infektionsquelle infrage kommen", teilte Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) mit. Nach Angaben der EU-Kommission werden vor allem Gurken aus den Niederlanden untersucht.

Bislang werden in Deutschland fünf Todesfälle mit dem Darmbakterium in Verbindung gebracht. Bei einem in Hamburg tot aufgefunden Mann hatte am Donnerstag die Obduktion ergeben, dass der 38-Jährige an einer Durchfallerkrankung gelitten hat. Die Zahl der Infektionen in Deutschland steigt.

60 neue HUS-Fälle an einem Tag

Laut Robert-Koch-Institut (RKI) erkrankten von der zweiten Maiwoche bis 25. Mai insgesamt 214 Menschen am gefährlichen Hämolytisch-Urämischen Syndrom (HUS), das Nierenschäden verursacht. Normalerweise treten in Deutschland jährlich bis zu 60 HUS-Fälle auf. Auch in anderen Ländern Europas haben sich Menschen mit dem Bakterium infiziert. Schweden meldete zehn Erkrankungen, Dänemark vier, Großbritannien drei und die Niederlande eine.

RKI-Präsident Reinhard Burger, gab daher auch noch keine Entwarnung. "Der Ausbruch geht weiter, von Donnerstag auf Freitag sind 60 neue HUS-Fälle - also schwere Verläufe der Ehec-Infektion - dazugekommen", sagte Burger am Freitag dem ARD-"Morgenmagzin". Es müssten jetzt weiterhin die Infektionsketten aufgeklärt werden, um zu sehen von welchem Lebensmittel der Erreger stamme und in welchem Bereich der Produktion, der Auslieferung oder der Verpackung der Erreger auf das Lebensmittel gekommen sei. Das RKI warnt weiter vor dem Verzehr von Salatgurken, Blattsalaten und rohen Tomaten insbesondere in Norddeutschland gewarnt.

Deutschland erlebt laut RKI derzeit den stärksten je registrierten Ehec-Ausbruch. Es gebe so viele Erkrankte pro Woche wie sonst in einem Jahr. Das Bakterium - eine besonders gefährliche Form des Darmbakteriums Escherichia coli - sei hochinfektiös.

Derweil haben Wissenschaftler der Universität Münster den Darmkeim Ehec genau identifiziert. Es handele sich um eine seltene und veränderte Variante des Erregers, die gegen viele Medikamente resistent sei, berichtete der Mikrobiologe Helge Karch.

mg/dpa/dapd

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