Atomausstieg Netzbetreiber warnen vor Blackouts

Nur noch vier Atomreaktoren sind in Deutschland am Netz, dennoch gibt es bisher keine Engpässe bei der Versorgung. Im Winter könne sich dies ändern, warnen nun die Netzbetreiber. Die Industrie bekundet dennoch ihren Willen zum Ausstieg und stellt Bedingungen.
Atomkraftwerk Brokdorf: Eine von vier am Netz verbliebenen Meilern

Atomkraftwerk Brokdorf: Eine von vier am Netz verbliebenen Meilern

Foto: Carsten Rehder/ dpa

Karlsruhe - Die vier großen Stromnetzbetreiber in Deutschland haben vor "großflächigen Versorgungsausfällen" durch den Ausstieg aus der Atomenergie gewarnt. Während der Sommermonate werde die Situation wohl noch beherrschbar sein, im Winter sei aber vor allem in Süddeutschland eine stabile Stromversorgung nicht mehr gewährleistet.

Das teilten die Gesellschaften EnBW Transportnetze AG (Karlsruhe), 50hertz (Berlin), Amprion (Dortmund) und Tennet (Bayreuth) am Sonntag mit. Der Chef der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, hatte zuletzt hingegen Sorgen vor einem "Blackout" zurückgewiesen.

Die Stromnetze seinen "fernab von jedem operativen Normalbetrieb", warnten die Netzbetreiber. Schon jetzt müssten Kraftwerksrevisionen sowie dringende Arbeiten zur Instandhaltung und zum Ausbau der Netze verschoben werden, weil die Netze sonst noch unstabiler würden.

"Trotz all dieser Maßnahmen steigt aber das Risiko für Netzstörungen, da die Reserven und Eingriffsmöglichkeiten der Netzbetreiber nahezu aufgezehrt sind", hieß es. Wenn im Winter noch die Energieerzeugung durch Photovoltaikanlagen zurückgehe, könne es besonders in den Abendstunden zu Problemen kommen, betonten die Netzbetreiber.

Das deutsche Stromnetz ist derzeit stärker belastet, weil die Erzeugungskapazität der Mehrzahl der Atomreaktoren fehlt. Acht der Meiler sind wegen des Atom-Moratoriums der Bundesregierung vom Netz, das diese nach der Katastrophe von Japan verhängte. Weitere fünf Reaktoren sind wegen Wartungsarbeiten und aus anderen technischen Gründen derzeit außer Betrieb.

Im Netz fehlen 8000 Megawatt Erzeugungskapazität

Das Stromnetz muss nun größere Schwankungen aushalten, weil der Strom aus Wind- und Sonnenkraft nur schwer kalkulierbar ist. Viel Strom muss von Norden nach Süden transportiert werden. Durch das Moratorium fehlt derzeit 8.000 Megawatt an gesicherter Erzeugungskapazität.

Die deutsche Industrie hat unterdessen verdeutlicht, dass sie das Ende der Atomkraft akzeptiert. "Wir tragen den Ausstieg aus der Kernkraft mit", sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel, dem "Tagesspiegel" (Montagausgabe). Gleichzeitig forderte er ein Abrücken von den angekündigten CO2-Einsparungen zum Klimaschutz.

"Wenn Deutschland an seinen Klimazielen festhält, steigen die Kosten exponentiell. Oder wir passen die Klimaziele an", sagte Keitel dem Bericht zufolge. In den kommenden Jahren "werden wir mehr Strom aus Gas und Kohle haben als ursprünglich geplant. Das bedeutet aber eben auch einen größeren CO2-Ausstoß", sagte der BDI-Präsident.

Dagegen warnte der frühere Siemens-Chef Klaus Kleinfeld vor Risiken eines schnellen Atomausstiegs. "Eine radikal veränderte Energiepolitik kann zum Risiko für die industrielle Entwicklung in Deutschland werden", sagte der heutige Vorstandschef des Aluminiumkonzerns Alcoa der "Welt am Sonntag". "Die Industrie wird nur dahin gehen, wo sie verlässliche Rahmenbedingungen vorfindet."

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) peilt einen Atomausstieg um das Jahr 2022 herum an. Die CDU-Chefin begrüßte am Wochenende die entsprechende Festlegung der Schwesterpartei CSU. Bei einer CSU-Klausur im oberbayerischen Kloster Andechs sprach sie vom "richtigen Zeitraum", nannte aber selber noch keine konkrete Jahreszahl. Die Kanzlerin will erst die Ergebnisse der Ethikkommission abwarten, die Ende Mai vorliegen. Die Opposition pocht auf einen früheren Ausstieg und wirft der schwarz-gelben Bundesregierung vor, beim Atomausstieg nicht konsequent zu sein.

nis/dpa/dapd
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