Plagiatsaffäre FDP-Politikerin Koch-Mehrin tritt zurück

Gut zwei Monate nach Karl-Theodor zu Guttenberg ist auch Silvana Koch-Mehrin wegen massiven Plagiatsvorwürfen zurückgetreten. Die vor allem in Brüssel tätige FDP-Politikerin zieht sich mit sofortiger Wirkung von allen politischen Ämtern zurück.
FDP-Politikerin Koch-Mehrin: "Ich will verhindern, dass meine gesamte Familie durch die öffentliche Diskussion weiter belastet wird

FDP-Politikerin Koch-Mehrin: "Ich will verhindern, dass meine gesamte Familie durch die öffentliche Diskussion weiter belastet wird

Foto: dapd

Berlin - Silvana Koch-Mehrin teilte in einer knappen schriftlichen Erklärung mit, sie wolle mit diesem Schritt verhindern, dass ihre gesamte Familie durch die öffentliche Diskussion weiter belastet werde. Die 40-jährige FDP-Politikerin legte ihr Amt als Vorsitzende der FDP im Europäischen Parlament, als Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments und als Präsidiumsmitglied der FDP nieder.

In einer ersten Reaktion äußerte sich FDP-Generalsekretär Christian Lindner reserviert: "Wir haben die Entscheidung von Silvana Koch-Mehrin zur Kenntnis genommen und danken ihr für den langjährigen Einsatz für die liberale Sache", sagte Lindner den Zeitungen der "WAZ"-Gruppe.

Die Universität Heidelberg prüft derzeit Vorwürfe, Koch-Mehrin habe in ihrer im Jahr 1999 eingereichten Dissertation an mehreren Stellen abgeschrieben. Die FDP-Politikerin forderte für sich in ihrer Rücktrittserklärung eine vertrauliche Untersuchung der Vorwürfe. "Ich möchte, dass diese Prüfung nun vertraulich, fair, nach rechtsstaatlichen Maßstäben und ohne Ansehen der Person durchgeführt und nicht dadurch belastet wird, dass ich herausgehobene Ämter innehabe", erklärte sie.

Die einstige liberale Hoffnungsträgerin ist der zweite Spitzenpolitiker, der über seinen Doktorhut stolpert. Am Mittwoch hatte die Universität Bayreuth ausführlich begründet, warum sie Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg den akademischen Titel entzogen hatte. Die Untersuchungskommission wirft dem ehemaligen CSU-Politiker in ihrem Bericht vor, vorsätzlich getäuscht zu haben.

Der Promotionsausschuss der Uni Heidelberg prüft seit einigen Tagen, ob Koch-Mehrin die Doktorwürde entzogen werden muss. Ihr war dazu eine Frist für eine Stellungnahme gesetzt worden. Die Universität will die Prüfung Ende Mai oder Anfang Juni abschließen. Koch-Mehrin hatte die Dissertation "Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik. Die Lateinische Münzunion zwischen 1865 und 1927" im Jahr 2001 veröffentlicht.

mg/rtr
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