Fotostrecke

Energiewende: Die Vorschläge von Merkels Atomkommission

Foto: Armin Weigel/ dpa

Energiewende Eon in der Zange

Die Ethikkommission zur Atompolitik hält offenbar den Ausstieg aus der Kernenergie bis zum Jahr 2021 für möglich, und selbst die FDP zieht mit. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle signalisierte bereits Zustimmung. Rund 36.000 Mitarbeiter schauen jetzt auf Eon-Chef Johannes Teyssen.

Berlin - Die Ethikkommission der Bundesregierung hält einen Atomausstieg in Deutschland bis zum Jahr 2021 oder früher für machbar. Das geht aus dem Entwurf für den Abschlussbericht hervor, über den die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet.

Die sieben wegen des Moratoriums der Regierung bis Mitte Juni abgeschalteten Atomkraftwerke sollen für immer vom Netz bleiben, empfiehlt der sogenannte 17-köpfige Rat der Weisen. "Die einstweilige Stilllegung der sieben ältesten Atomkraftwerke zeigt, dass die etwa 8,5 Gigawatt Leistung dieser sieben Kraftwerke und des Atomkraftwerks Krümmel ohne Probleme ersetzt werden kann", heißt es in dem Entwurf.

Die vom früheren Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU) und dem Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Matthias Kleiner, geführte Kommission mit Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und der Kirchen war von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) als Konsequenz aus der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima eingesetzt worden.

Der neue Fraktionsvorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion und noch amtierende Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle hat bereits Unterstützung für die Position der Ethikkommission signalisiert. "Ja, wir wollen noch schneller raus aus der Kernenergie, als wir im Energiekonzept abgesprochen haben", sagte der scheidende Wirtschaftsminister am Mittwoch in der ARD. Es handele sich um das ambitionierteste Konzept, das eine Regierung in der Welt vorhabe. "Wir werden es schneller schaffen", glaubt Brüderle.

Atommoratorium belastete Eon mit 250 Millionen Euro

Neben der Stilllegung der sieben ältesten Reaktoren empfiehlt die Ethikkommission dem Bericht zufolge die Abschaltung der als sicher geltenden Meiler "in der Reihenfolge ihres verbleibenden Risikos und ihrer Bedeutung". Das Jahr 2021 sei ein Datum für den endgültigen Ausstieg aus der Kernenergie. Bestenfalls könne das letzte AKW "schon deutlich eher" abgeschaltet werden.

Im Zuge des dreimonatigen Atommoratoriums musste der Energiekonzern Eon  bereits seine älteren Atomkraftwerke Isar I und Unterweser herunterfahren und beziffert die Belastungen daraus heute auf 250 Millionen Euro. Eon hat im vergangenen Jahr 45 Prozent seiner Stromerzeugung in der Bundesrepublik mit Atomkraftwerken gestemmt.

Entsprechend hoch ist nun die Verunsicherung vieler Beschäftigter des Düsseldorfer Unternehmens, das allein im Inland rund 36.000 Frauen und Männer beschäftigt. Am Mittwoch kassierte Eon-Chef Johannes Teyssen bei der Vorlage des Quartalsberichts bereits die Prognose für das Jahr 2011.

Zu den ökonomischen Konsequenzen des Ausstiegs schwiegen sich Töpfer und Kleiner dem Bericht zufolge aus. So wagten sie offenbar keine Prognose, wie stark der Strompreis durch den AKW-Stopp steigen könnte. Die genannten Szenarien lägen zwischen 0,1 Cent und 5 Cent pro Kilowattstunde, obwohl der Ausstieg aus der Kernenergie für andere Branchen "ein Wachstumstreiber" sei - wenn auch ein stark subventionierter. Die Energiewende biete "enorme technische, ökonomische und gesellschaftliche Chancen für die weitere Profilierung Deutschlands als Exportnation im Hinblick auf nachhaltige Produkte und Dienstleistungen".

Bis zum 28. Mai will die Ethikkommission einen Bericht vorlegen. Dieser soll der Bundesregierung bei ihrer für Juni geplanten Entscheidung darüber helfen, wie viele Atomkraftwerke in Deutschland dauerhaft vom Netz gehen sollen und bis wann der letzte der 17 Meiler abgeschaltet wird. An diesem Wochenende ist eine Klausurtagung des Gremiums geplant.

Überblick: Die Vorschläge von Merkels Atomkommission

kst/dpa
Mehr lesen über Verwandte Artikel