Volle Freizügigkeit IW-Chef sieht einmalige Chance für Deutschland

Viele Bundesbürger sind in Angst vor Lohndumping, Ökonomen aber sehen eine Chance für Deutschland: Die Schätzungen über das Maß der Zuwanderung in die Bundesrepublik nach dem 1. Mai gehen weit auseinander. Jetzt hat das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) eine verblüffende Prognose erstellt.
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Neue Völkerwanderung: Experten sehen vor allem Vorteile der vollen Freizügigkeit innerhalb der EU

Neue Völkerwanderung: Experten sehen vor allem Vorteile der vollen Freizügigkeit innerhalb der EU

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Köln - Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) sieht in der Freizügigkeit für Arbeitnehmer aus osteuropäischen Ländern eine "möglicherweise einmalige" Chance für Deutschland. Dass Polen, Tschechen und andere ab Mai in Deutschland leichter einen Job annehmen können als bisher, sei "der richtige Schritt zur richtigen Zeit", sagte IW-Chef Michael Hüther am Dienstag in Berlin. Wegen der guten Konjunktur und des demografischen Wandels brauche die Wirtschaft hierzulande zusätzliche Arbeitskräfte.

Das arbeitgebernahe Kölner Institut schätzt auf der Grundlage einer eigenen Studie, dass bis Ende 2012 bis zu 800.000 zusätzliche Arbeitskräfte aus Osteuropa nach Deutschland kommen. In den folgenden Jahren werde die Zahl deutlich sinken, so dass bis zum Jahr 2020 per Saldo rund 1,2 Millionen Menschen hierhin zöge - und damot überraschend wenige. Zum vergleich: Allein Insgesamt bleibe die erwartete Zuwanderung damit vergleichweise gering. In den 90er Jahren seien etwa 3,3 Millionen Menschen in die Bundesrepublik eingewandert.

Die sogenannte volle Arbeitnehmerfreizügigkeit kann Deutschland nach Worten von IW-Direktor Michael Hüther doppelt helfen. "Gerade während des aktuellen Aufschwungs werden zusätzliche Arbeitskräfte gebraucht." Gut qualifizierte Experten aus Ost- und Mitteleuropa könnten den wachsenden Mangel an Fachkräften in Deutschland etwas mildern. Viele Beschäftigte hierzulande sind nach einer IW-Umfrage aber skeptisch. Insgesamt 40 Prozent aller Befragten befürchten, dass sich die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit auf den eigenen Arbeitsplatz negativ auswirken wird.

Am 1. Mai fällt die letzte Schranke zum deutschen Arbeitsmarkt: Sieben Jahre nach ihrem Beitritt zur Europäischen Union (EU) dürfen die Bürger aus acht Staaten in Ost- und Mitteleuropa (Estland, Litauen, Lettland, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn) ohne jede Einschränkung zum Arbeiten nach Deutschland kommen. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg wie auch EU-Arbeits- und Sozialkommissar László Andor mit etwa 100.000 Arbeitnehmern, die in den kommenden Jahren jährlich ihr Glück in Deutschland suchen werden.

Während Gewerkschaften mit Teilen der SPD vor Lohndumping durch Billigarbeitskräfte warnen, sehen Forscher und Wirtschaft vor allem Möglichkeiten, Fachkräfte anzuwerben. Auch Frank-Weise, der Chef der Bundesagentur für Arbeit hatte die Bundesbürger am Wochenende beruhigt, vor allem den Gewinn für Deutschland herausgestrichen und an die Gastfreundschaft der Bundesbürger appelliert.

kst/rtr/dpa/apd
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