Bundesweite Demonstrationen Mehr als 100.000 marschieren gegen Atomkraft

Der Druck auf Energiekonzerne und Bundesregierung wächst: Etwa 120.000 Menschen haben am Ostermontag für einen raschen Ausstieg aus der Kernenergie demonstriert. In Biblis musste die Innenstadt wegen Überfüllung gesperrt werden. Die Protestwelle erfasst inzwischen auch Frankreich.
Anti-Atom-Demonstration in Grohnde (Anfang April): Der Druck auf Regierung und Energieversorger wächst

Anti-Atom-Demonstration in Grohnde (Anfang April): Der Druck auf Regierung und Energieversorger wächst

Foto: dapd

Berlin - Weit mehr als 100.000 Menschen haben an den Osterfeiertagen für den Ausstieg aus der Atomkraft und gegen Krieg demonstriert. An Kundgebungen anlässlich des 25. Jahrestages der Katastrophe von Tschernobyl und dem Unfall im japanischen Fukushima beteiligten sich nach Veranstalterangaben am Montag über 120.000 Menschen. Mehrere zehntausend waren nach Veranstalterangaben bei den diesjährigen Ostermärschen mit dabei.

Jeweils 10.000 Demonstranten oder mehr nahmen am Montag an Demonstrationen in Biblis, Gundremmingen, Krümmel, Grafenrheinfeld und Grohnde teil, wie die Veranstalter mitteilten. Die Innenstadt von Biblis habe wegen Überfüllung gesperrt werden müssen, hieß es in einer Erklärung.

Auch in Brunsbüttel, Philippsburg und Salzgitter versammelten sich demnach mehrere tausend Demonstranten. In ganz Deutschland fuhren den Angaben zufolge Menschen mit Bussen, Autos, Fahrradkonvois und Treckern zu den Demonstrationen.

Auf der Rheinbrücke zwischen Straßburg und Kehl forderten 700 Deutsche und Franzosen laut Polizei ein Ende der Atomkraft und gedachten der Tschernobyl-Katastrophe vor 25 Jahren. Viele schwenkten ukrainische und japanische Fahnen in Anlehnung an das Reaktorunglück in Tschernobyl 1986 sowie an die Katastrophe von Fukushima.

Französisches AKW Cattenom im Visier der Demonstranten

"Nach Fukushima kann die Bundesregierung die atomaren Gefahren nicht mehr ignorieren", erklärte Dirk Seifert von der Umweltschutzorganisation Robin Wood. "Atomenergie ist nichts anderes als eine Brücke in die Katastrophe." Deswegen müssten alle Akw sofort abgeschaltet werden. "Wir brauchen ein Abschaltgesetz und ein Gesetz zur massiven Verkürzung der Laufzeiten, sagte IG-Metall-Vize Detlef Wetzel in Brunsbüttel.

Nach Angaben des Friedensratschlages in Kassel fanden von Freitag bis Montag 80 Ostermärsche in insgesamt 100 Städten statt.

Die Proteste der Atomkraftgegner reichten auch über Deutschland hinaus. Mit einer grenzüberschreitenden Brückenaktion an elf Standorten entlang dem Ober- und Hochrhein machten zahlreiche Umweltverbände, darunter das "Aktionsbündnis Fessenheim stilllegen jetzt!", gegen das älteste Kraftwerk Frankreichs mobil. Nach Angaben der Veranstalter beteiligten sich rund 20.000 Menschen an diesen Protesten. Sie forderten einen Ausstieg aus der Atomenergie und eine schnelle Stilllegung des Kraftwerks Fessenheim.

Mehrere tausend Demonstranten haben sich am Ostermontag nach Veranstalterangaben zudem zu einer Demonstration gegen das französische Atomkraftwerk Cattenom versammelt. "Wir wollen ein klares Zeichen für den Atomausstieg setzen", sagte eine Sprecherin der Initiatoren.

Seit der Atomkatastrophe in Japan hat der Widerstand gegen das nahe Deutschland und Luxemburg gelegene Atomkraftwerk neuen Auftrieb bekommen. AKW-Gegner und Politiker wie Saar-Ministerpräsident Peter Müller (CDU) und der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker fordern eine möglichst schnelle Abschaltung der insgesamt vier Reaktoren. Mit der Demonstration in Cattenom solle auch an den 25. Jahrestag der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl erinnert werden, sagte die Sprecherin.

nis/afp/dpa
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