Konjunktur IWF sieht Deutschland als Aufschwung-Treiber

Der Internationale Währungsfonds sieht Deutschland weiter als wirtschaftliches Zugpferd in der Euro-Zone. Die Wachstumsprognose für die Bundesrepublik hebt der IWF an. Es bleibe jedoch beim Aufschwung der "zwei Geschwindigkeiten": Japan und den USA drohe ein Dämpfer.
Autoproduktion in Wolfsburg: Autoindustrie und Maschinenbauer sind Antreiber des Aufschwungs - doch auch der Binnenkonsum in Deutschland zieht an

Autoproduktion in Wolfsburg: Autoindustrie und Maschinenbauer sind Antreiber des Aufschwungs - doch auch der Binnenkonsum in Deutschland zieht an

Foto: KAI-UWE KNOTH/ AP

Washington - In ihrer am Montag in Washington vorgestellten Prognose für die Weltkonjunktur sagen die IWF-Experten für dieses Jahr ein Wachstum von 2,5 Prozent in Deutschland voraus, für 2012 rechnen sie mit 2,1 Prozent. Die Erholung der Weltwirtschaft setzt sich dem IWF zufolge fort, für die USA und Japan stufte die Organisation ihre Wachstumsprognosen allerdings zurück.

Die Fachleute des IWF hoben die Wachstumserwartung für Deutschland im Vergleich zu den letzten Zahlen vom Januar um 0,3 Prozentpunkte für 2011 an. Mit seiner Prognose liegt der IWF leicht unter den Erwartungen der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute, die von einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 2,8 Prozent in diesem Jahr ausgehen. Die Bundesregierung legt ihr Frühjahrsgutachten am Donnerstag vor.

Gegenüber 2010 fällt das Wirtschaftswachstum in der Bundesrepublik den IWF-Zahlen zufolge dieses Jahr um einen Prozentpunkt geringer aus, was die Organisation mit dem Auslaufen von Konjunkturprogrammen und weniger Nachfrage nach deutschen Gütern im Ausland begründete.

Euro-Zone: Rückgang in Griechenland und Portugal

In der Euro-Zone liegt Deutschland mit seinem Wachstum in der Spitzengruppe. Die Wirtschaftsleistung der 17 Staaten mit der Gemeinschaftswährung wird laut IWF im laufenden Jahr um 1,6 Prozent und im kommenden Jahr um 1,8 Prozent wachsen - mit großen regionalen Unterschieden.

Für das hoch verschuldete Griechenland sagt der IWF für 2011 ein Minus von 3,0 Prozent voraus, ehe für 2012 ein schwacher Aufschwung von 1,1 Prozent erwartet wird. Die Wirtschaft Portugals, das als drittes Land unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfte, soll in diesem Jahr um 1,5 Prozent und im kommenden Jahr um 0,5 Prozent schrumpfen.

Trotz insgesamt günstiger Aussichten für die Weltwirtschaft hat der IWF die Europäer und die USA gemahnt, die Finanzstabilität voranzutreiben. Die EU-Länder hätten zwar einiges getan gegen eine Zuspitzung der Schuldenkrise in einigen Euro-Ländern. "Aber es sind weitere mutige Schritt nötig, um die Finanzstabilität zu sichern, die Probleme im Bankensektor zu lösen, das EU-Rahmenwerk zu reformieren und das Wachstum wiederzubeleben."

USA droht Haushaltsdefizit von 11 Prozent

Die USA müssen laut IWF angesichts eines sich abzeichnenden Haushaltsdefizits von fast 11 Prozent in diesem Jahr dringend etwas tun, um eine mittelfristige Strategie zur Sanierung ihrer Staatsfinanzen zu entwickeln.

Die weltwirtschaftlichen Aussichten beurteilt der IWF insgesamt günstig. Der Aufschwung habe an Breite und Dynamik gewonnen und sei zunehmend selbsttragend geworden. Das Risiko eines von manchen befürchteten schnellen Rückfalls in die Rezession sei geschwunden.

Dennoch bleibe es beim Aufschwung "der zwei Geschwindigkeiten" in der Welt - mit einem starken Wachstum und Überhitzungsgefahren in manchen Schwellenländern und eher schleppenden Wachstumsraten in traditionellen Industrieländern.

China bleibt Wachstumstreiber weltweit

Für die gesamte Weltwirtschaft erwartet der Fonds unverändert 4,4 Prozent mehr Wirtschaftsleistung für 2011 und 4,5 Prozent mehr für 2012. Die USA dürften demnach 2011 mit 2,8 Prozent nicht ganz so stark zulegen wie noch jüngst mit 3,0 Prozent geschätzt.

Die stärkste Wachstumslokomotive bleibe China mit unveränderten Zuwächsen von 9,6 Prozent in diesem und 9,5 Prozent im kommenden Jahr.

Ein neues Wachstumsrisiko bildeten die zuletzt stark gestiegenen Rohstoffpreise, auch in Hinblick auf politische Turbulenzen in Nordafrika und Nahost. Angesichts von Überhitzungserscheinungen und hohen Kapitalimporten in einigen Schwellenländern empfiehlt der Fonds, zeitweise Kapitalkontrollen zu erwägen und sich nicht mit aller Kraft gegen Aufwertungen ihrer Währungen zu stemmen.

la/afp/reuters
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