IAB-Prognose Niedrigste Arbeitslosigkeit seit 20 Jahren

Japankrise und hohe Ölpreise machen Wirtschaftsprognosen zur Zeit schwierig. Arbeitsmarktforscher sind dennoch optimistisch. Sie rechnen in diesem Jahr mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit seit 20 Jahren. Wegen voller Auftragsbücher komme es zu Neueinstellungen.
Experten sagen für das laufende Jahre weniger Arbeitslose voraus. Im Schnitt könnte ihre Zahl auf 2,93 Millionen sinken

Experten sagen für das laufende Jahre weniger Arbeitslose voraus. Im Schnitt könnte ihre Zahl auf 2,93 Millionen sinken

Foto: ddp

Nürnberg/Berlin - Trotz Japan-Krise und rasant steigender Ölpreise könnte die Arbeitslosigkeit in diesem Jahr 2011 nach Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) noch weiter zurückgehen als bisher erwartet und auf den niedrigsten Wert seit 1991 fallen. In seiner am Dienstag vorgelegten Prognose geht das Nürnberger Institut von einem Rückgang der Arbeitslosenzahl im Vergleich zu 2010 um durchschnittlich rund 320.000 auf 2,93 Millionen aus. Bisher waren 2,96 Millionen Arbeitslose erwartet worden. Der aktuellen Prognose wird ein Wachstum des realen Bruttoinlandsproduktes um 3,0 Prozent zugrunde gelegt.

"Die kräftige Erholung der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes im Jahr 2010 setzt sich 2011 fort", prognostizierten die Autoren. Die Dynamik werde zwar im Lauf des Jahres etwas nachlassen. Dennoch werde die Zahl der Erwerbstätigen mit 40,84 Millionen - 360.000 mehr als im Jahr 2010 - so hoch sein wie nie zuvor im geeinten Deutschland.

Bundesarbeitsministerin: "Deutschland startet stark durch"

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sprach von einer ermutigenden Prognose. "Die Krise ist überwunden. Und Deutschland startet stark durch. Ausruhen geht jetzt überhaupt nicht. Die Herausforderung liegt jetzt immer stärker darin, die stetig wachsende Zahl offener Stellen passgenau zu besetzen", sagte sie am Dienstag in Berlin.

"Außergewöhnlich hohe wirtschaftliche Risiken" könnten nach IAB-Einschätzung allerdings den Jobaufschwung gefährden. So könnte eine gedrosselte Ölförderung in den arabischen Staaten die Ölpreise in die Höhe treiben. Weitere Risikofaktoren seien die schwierige Haushaltslage einiger EU-Staaten und die Katastrophe in Japan. Sollte die deutsche Wirtschaft im laufenden Jahr deshalb nur um 1,75 Prozent wachsen, würde die Arbeitsloslosigkeit nur noch auf knapp 3 Millionen sinken.

Ölpreis und Schuldenkrise der Euro-Länder bleiben ein Risiko

Trotz des erwarteten Rückgangs der Arbeitslosenzahlen rechnen die Arbeitsmarktforscher zunächst nicht mit einem flächendeckenden Fachkräftemangel, wohl aber in einigen Berufen. "Folglich besteht kein Anlass zur Beunruhigung, wohl aber zur Vorbereitung von Strategien, wie man dem mittelfristig sinkenden Arbeitskräfteangebot begegnen will", heißt es in der IAB-Studie. Dies könnten Lohnanreize ebenso sein wie Weiterbildungsangebote für Beschäftigte.

Entlastet werde der Arbeitsmarkt im laufenden Jahr von der demografischen Entwicklung: Das IAB geht davon aus, dass dem Arbeitsmarkt 200.000 Menschen weniger zur Verfügung stehen werden. Zu zwei Dritteln könnte dieser Rückgang durch die steigende Erwerbsbeteiligung von Frauen und Älteren sowie durch die stärkere Zuwanderung aus den acht mittel- und osteuropäischen EU-Staaten ausgeglichen werden, für die zum 1. Mai die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit gelte.

rei/dpa/dpad
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.