Donnerstag, 27. Juni 2019

E10-Chaos Ölindustrie gibt Autobauern die Schuld

Ladenhüter E10: Die Verbraucher sind angesichts der unterschiedlichen Expertenmeinungen verunsichert

Der Streit um den Biokraftstoff E10 geht weiter: BMW stellt nach kritischen Aussagen eines Managers klar, dass der Konzern die Einführung unterstützt. Für die Mineralölwirtschaft sind dennoch die Autobauer Schuld an dem Informationschaos. Die FDP fordert nun eine Verschiebung der Einführung.

Berlin/München - "BMW unterstützt die Einführung von E10-Superkraftstoff in Deutschland". stellte BMW nach dem Interview des Leiters der BMW-Mechanikentwicklung klar. An den technischen Bewertungen, die während des Gesetzgebungsverfahren für Europa und Deutschland getroffen wurden, habe sich nichts geändert, teilte BMW-Sprecher Bernhard Ederer mit.

"Die Aussagen von Herrn Brüner zum Thema E10-Verwendung für BMW-Fahrzeuge bezogen sich ausdrücklich nicht auf Länder mit Kraftstoffqualitäten wie die in der EU verwendeten, sondern auf Länder mit deutlich minderwertigen Kraftstoffqualitäten", zitierte Ederer Klaus Draeger, Entwicklungsvorstand von BMW Börsen-Chart zeigen Grou. Die "Welt am Sonntag" hatte Thomas Brüner mit dem Verdacht zitiert, dass Motoren durch E10 stärker als bisher bekannt in Mitleidenschaft gezogen werden könnten. Daher könne es sein, dass Ölwechselintervalle verkürzt werden müssten.

Draeger betonte dagegen erneut, "dass grundsätzlich in allen BMW-Pkw-Modellen sämtlicher Baujahre der unbedenkliche Einsatz von E10 Kraftstoffen möglich ist". Einige wenige ältere BMW-Fahrzeuge benötigten aus Gründen der Klopffestigkeit den Kraftstoff Super Plus ROZ 98. Diese eigneten sich daher unabhängig vom Ethanolgehalt nicht für Superkraftstoff. Eine entsprechende Aufstellung habe der ADAC am 1. März veröffentlicht.

Jeder gibt jedem die Schuld

Unterdessen streiten die Beteiligten Parteien über die Schuldfrage angesichts des Chaos bei der E10-Einführung. Die Mineralölwirtschaft hat den Autobauern die Schuld am Informationschaos gegeben. "Was die Information angeht, haben wir immer gesagt: Wir können nur den Kontakt zwischen Autofahrer und Hersteller herbeiführen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV), Klaus Picard, dem Bayerischen Rundfunk. Die Tankstellen könnten keine "kompetente Auskunft" über die Verträglichkeit von E10 für bestimmte Autos geben. "Der Autobauer hat das Auto hergestellt, und er kennt es", betonte Picard.

Der neue Kraftstoff E10, der einen Anteil von 10 Prozent Bioethanol hat, ist seit einigen Wochen an vielen Tankstellen zu haben. Viele Autofahrer tanken statt E10 bislang trotz eines großen Preisunterschieds jedoch lieber Super Plus mit niedrigem Ethanol-Gehalt. Grund ist vor allem die Verunsicherung über die Verträglichkeit - denn rund 10 Prozent der Autos in Deutschland dürfen E10 nicht tanken

Angesichts der Verwirrung um die Verträglichkeit fordert Picard die Abschaffung der Strafzahlung bei Nichterfüllung der Bio-Quote. "Niemand darf dafür bestraft werden, dass Autos kein E10 vertragen und deshalb die Bio-Quote einfach nicht erfüllt werden kann", sagte Picard der "Bild"-Zeitung.

Röttgen beharrt auf E10-Einführung

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hält dagegen an der Tauglichkeit des Bio-Sprits fest. "Fast alle Autos vertragen das neue Benzin", sagte er der "Saarbrücker Zeitung". Außerdem habe die Bundesregierung dafür gesorgt, "dass die rund 7 Prozent älteren Modelle, die es nicht vertragen, unbefristet weiter das alte E5 tanken können", betonte Röttgen. Beim Benzin-Gipfel am Dienstag gehe es darum, "die Verunsicherung beim Verbraucher gemeinsam abzubauen".

Auch nach Ansicht des FDP-Verkehrspolitikers Patrick Döring müssen die Verbraucher bei Thema E10 zunächst "Klarheit und Sicherheit bekommen". Er sprach sich im Berliner "Tagesspiegel" deshalb dafür aus, die Einführung des Kraftstoffs um einige Monate zu verschieben. Dann würden die Menschen den neuen Kraftstoff auch kaufen. "Auf ein paar Monate mehr oder weniger" komme es beim Verkaufsstart des mit 10 Prozent Ethanol aus Weizen, Zuckerrüben und Mais versetzten Biosprits nicht an, argumentierte Döring.

ADAC ebenfalls gegen einen E10-Stopp

Die Grünen forderten Röttgen auf, Konsequenzen zu ziehen: "Es geht nicht nur um eine katastrophale Informationspanne der Bundesregierung, sondern es geht auch darum, dass das E-10-Konzept der Bundesregierung gescheitert ist", sagte Grünen-Parteichef Cem Özdemir der "Rheinischen Post". Er bedauerte, dass der nötige Beitrag des Verkehrs zum Klimaschutz nun ausfalle. E10 sei eine unausgegorene Antwort gewesen.

Der ADAC ist gegen einen Stopp des umstrittenen Biosprits E10. "Wenn wir alle gemeinsam jetzt die nötigen Schritte tun, müssen wir keinen Rückzieher machen", sagte der Leiter des ADAC Technikzentrums, Reinhard Kolke, am Montag im ZDF-"Morgenmagazin". Stattdessen solle das Kraftfahrtbundesamt allen Besitzern von Benzinern verbindlich mitteilen, ob ihr Auto den neuen Kraftstoff vertrage. Eine solche "Anschreibeaktion" wolle der Autoclub beim Benzingipfel am Dienstag durchsetzen, sagte Kolke.

Pauschale Warnungen vor der Unverträglichkeit des neuen, mit 10 Prozent Bioethanol versetzten Benzins wies er zurück. Da würden "die wildesten Geschichten erzählt", was "einfach nicht seriös" sei, sagte der Experte. Die Sorge der Autofahrer vor Motorschäden sei unbegründet, sofern der Hersteller ihres Fahrzeug nicht explizit vor einer Unverträglichkeit warne.

mg/dpa-afx/afp

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