Lokführer Ab Dienstag wohl wieder Streiks bei der Bahn

Die Lokführergewerkschaft stimmt über unbefristete Streiks ab. Sehr wahrscheinlich werden sich die Mitglieder für den Ausstand entscheiden - dann kommt es ab Dienstag wieder zu erheblichen Behinderungen im öffentlichen Verkehr.
Bitte warten: Ab Dienstag könnte es auf deutschen Bahnsteigen wieder eng werden

Bitte warten: Ab Dienstag könnte es auf deutschen Bahnsteigen wieder eng werden

Foto: Roland Holschneider/ dpa

Berlin - Zugreisende in Deutschland müssen voraussichtlich ab Dienstag erneut mit massiven Beeinträchtigungen des Schienenverkehrs rechnen. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) wird am Montagnachmittag (voraussichtlich ab 14.00 Uhr) das Ergebnis der Urabstimmung im Tarifkonflikt mit der Deutschen Bahnen (DB) und sechs privaten Schienenverkehrsbetrieben bekannt geben.

GDL-Chef Claus Weselsly sagte am Wochenende, er erwarte, dass über 90 Prozent der Lokführer bei der Urabstimmung für einen Arbeitskampf stimmen. Bereits am Freitag hatte er angekündigt, dass die Streiks anschließend ausgedehnt würden. "Allerdings mehr zulasten des Güterverkehrs, damit uns die Reisenden nicht vorwerfen können, dass wir das nur auf ihrem Rücken austragen."

Ex-Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) hat unterdessen der Lokführergewerkschaft GDL angeboten, im festgefahrenen Tarifstreit mit den Bahn-Arbeitgebern zu vermitteln. "Wenn man mich bittet, noch einmal zu schlichten, wäre ich dazu bereit", sagte er dem Berliner "Tagesspiegel". Er halte es für geboten, dass die GDL das Angebot der Deutschen Bahn und der sechs Privatbahnen, sich an einen Tisch zu setzen, annehme. Dann sollte sie auf der Grundlage des bereits erzielten Branchentarifvertrags weiter verhandeln.

Eine Rückkehr an den Verhandlungstisch setze voraus, dass sich die Arbeitgeber bewegen, sagte Gewerkschaftschef Weselsky. Von den sechs großen Schienenpersonennahverkehrsunternehmen erwartet er, dass sie mit der GDL über den Flächentarifvertrag verhandeln, von der Bahn ein verbessertes Angebot.

Die GDL fordert in der seit Sommer 2010 andauernden Tarifrunde einheitliche Löhne und Gehälter für alle 26.000 Lokführer in Deutschland, egal ob sie Fern-, Nah- oder Güterzüge fahren. In einem Flächentarifvertrag soll ein Entgelt festgeschrieben werden, das bei 105 Prozent des Niveaus der Deutschen Bahn liegt.

Bislang hat die GDL die Lokführer zu drei Warnstreiks aufgerufen. Nach dem bisher letzten mehrstündigen Ausstand am Freitag hatten sich die Fronten im Tarifstreit verhärtet. Während Hunderttausende Reisende unter Verspätungen und Ausfällen von rund 75 Prozent der Personenzüge litten, warfen Arbeitgeber und Gewerkschaft einander Provokation und Falschinformation vor. Die sechs bestreikten Privatbahnen sind nicht länger bereit, über einen branchenübergreifenden Rahmentarifvertrag mit der GDL zu verhandeln.

cr/dapd
Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.