Karl-Theodor zu Guttenbergs Rücktritt Von sich selbst geblendet

Die Lichtgestalt in der Bundesregierung ist weg. Am Ende hielt Karl-Theodor zu Guttenberg dem Druck nicht mehr stand, sein eigenes Umfeld brachte ihn zu Fall. Doch der Verteidigungsminister verantwortet das Aus allein. Seine Popularität verstellte ihm den aufrichtigen Blick auf sich selbst.
Abgang eines Hoffnungsträgers: Karl-Theodor zu Guttenberg konnte seine eigenen Ansprüche nicht erfüllen

Abgang eines Hoffnungsträgers: Karl-Theodor zu Guttenberg konnte seine eigenen Ansprüche nicht erfüllen

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Die Geschichte hatte von Anfang an etwas Märchenhaftes. Von seiner Burg in den fränkischen Wäldern steigt ein Baron in die Niederungen der deutschen Politik herab. Alles an Karl-Theodor zu Guttenberg ist anders. Sein Vermögen macht ihn unabhängig. Er redet gewandt wie kaum ein zweiter im Parlament. Er sieht gut aus, hört AC/DC und hat seine Frau auf der Love Parade kennen gelernt.

Seine Umgangsformen sind perfekt. Seine Worte haben nicht dieses Boshafte, das bei anderen Politikern immer wieder mitschwingt. Das Parteiengezänk scheint ihm zuwider. Seine Popularität verdankt er keiner radikalen Meinung. Seine Ausstrahlung, seine Glaubwürdigkeit wecken Hoffnung in allen Lagern: Der macht das nicht für sich oder eine Klientel. Der macht das wirklich für uns alle. Deshalb vertrauen wir uns ihm an.

Dieser Traum ist geplatzt. Und es ist gut, dass er jetzt und nicht später geplatzt ist.

Die hohen Zustimmungsraten für Karl-Theodor zu Guttenberg waren stets eine Wette auf die Zukunft: Wer so ist wie er, kann und soll es zum Kanzler schaffen. Er wird Erfolg haben, er wird es gut machen. So dachte womöglich auch Angela Merkel. Sie verlor die Wette wie alle anderen, die auf ihn setzten.

Eine Wette war es auch, weil der Minister bis zu seinem Rücktritt politisch weniger geleistet hatte als es seine Beliebtheit nahe legte. Als Wirtschaftsminister sprach er sich im Kampf um Opel gegen Staatshilfen für den Autobauer aus. Damit lag er zwar richtig, doch die Kanzlerin konnte er nicht umstimmen. Ansonsten nutzte er die Sache vor allem für glamouröse Pressefotos in New York.

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Guttenberg tritt zurück: Ende einer Blitzkarriere

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Die militärische Auseinandersetzung in Afghanistan nannte er als erster Verteidigungsminister "Krieg", immerhin eine rhetorische Leistung. Das Ende der Wehrpflicht zu verkünden, war eine politische Zäsur. Doch blieb zu Guttenberg angesichts des Spardrucks wenig Anderes übrig. Die ersten Schritte der Reform ließen zudem nichts Gutes über ihren Erfolg ahnen.

So glichen die Popularitätswerte des Ministers letztlich dem Aktienkurs eines überbewerteten Unternehmens. Das schreibt zwar keinen Gewinn, aber sämtliche Analysten sagen ihm eine glänzende Zukunft voraus. Denn es verfüge über ein unschlagbares Geschäftsmodell, das sich irgendwann auszahlen würde.

Das Geschäftsmodell von Karl-Theodor zu Guttenberg hat sich zuletzt in Luft aufgelöst. Es bestand darin, sich als Überflieger selbst zu inszenieren. Diese Strategie war mit seiner Person immer enger verbunden als irgendein politischer Inhalt. Die eigene Person und ihre Glaubwürdigkeit zur Schau zu stellen, wurde aber unmöglich, als bekannt wurde, dass der Minister sich seinen Doktortitel erschlichen hatte.

Guttenberg wollte "weiter als Vorbild" dienen

Guttenberg konnte einem Leid tun, wie er trotz seines Vergehens an seinem Erfolgsrezept festhielt. Er wolle "weiter als Vorbild" dienen, das sagte er allen Ernstes im Bundestag, und lobte sich, einen "Fehler" eingestanden zu haben. Guttenberg versuchte seinen offensichtlichen Betrug als menschliche Schwäche darzustellen. Er wollte tatsächlich von ihm profitieren. Die Sache gipfelte schließlich, als der Minister leugnete, "absichtlich getäuscht" zu haben.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt war Guttenberg von sich selbst geblendet. Dachte er wirklich, dass er damit durchkommt? Dass sich seine enorme Popularität verselbstständigen würde? Dass ihm die Leute Unmögliches zutrauen? Dass sich seine Doktorarbeit quasi von allein geschrieben hat? Die Wahrscheinlichkeit, dass der Minister im Bundestag die Wahrheit gesagt habe, liege bei Null, sagte auch ein Regierungsberater gegenüber manager magazin.

Mit seinem Rücktritt trägt zu Guttenberg deshalb seinem eigenen Handeln Rechnung. Sicher, die Opposition ist teilweise in ehrabschneidender Manier über den angeschossenen Minister hergefallen - beseelt von dem Gedanken, den Star des politischen Gegners zu versenken. Auch manche Medien trieben zu Guttenberg unverhohlen aggressiv vor sich her. Auch wenn es die Mehrheit der Bevölkerung anders sah - in der Sache hatten sie Recht.

Deshalb wurden schließlich auch die Angriffe aus Guttenbergs heimischem Lager schärfer. Diesen Attacken aus der eigenen Partei, der eigenen Universität und aus der der gebildeten Oberschicht hielt der Minister nicht mehr Stand.

Den meisten Doktoranden, Professoren und konservativen Politikern, die sich zuletzt äußerten, ging es nicht mehr um Parteipolitik. Ihnen ging es um Wahrheit und Aufrichtigkeit. Sie und all die Internetnutzer, die Guttenbergs Doktorarbeit sezierten, haben die Sache im besten Sinne des Wortes "aufgeklärt" - und das Blendwerk eines von den eigenen Ansprüchen überforderten Märchenprinzen entlarvt.

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