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Guttenberg tritt zurück: Ende einer Blitzkarriere

Foto: JOHN MACDOUGALL/ AFP

Guttenberg-Rücktritt "Grenzen meiner Kräfte erreicht"

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist zurückgetreten. "Das ist der schmerzlichste Schritt meines Lebens", sagte Guttenberg. Er habe die Grenzen seiner Kräfte erreicht. Damit zieht Guttenberg die Konsequenzen aus der Plagiatsaffäre und der öffentlichen Kritik.

Berlin - Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) tritt knapp zwei Wochen nach Beginn der Plagiatsaffäre als Verteidigungsminister zurück. Das teilte Guttenberg am Dienstag in Berlin mit. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist über diesen Schritt Guttenbergs vorab informiert worden.

Guttenberg sagte, er könne es nicht mehr verantworten, dass die Plagiatsaffäre auf dem Rücken der Bundeswehrsoldaten ausgetragen werde. Die öffentliche und mediale Betrachtung drehe sich nur noch um die Person Guttenberg und die Dissertation. Der Tod und die Verwundung von Soldaten rückten in den Hintergrund. Dies sei eine "dramatische Verschiebung". Für das fordernde Amt des Verteidigungsministers brauche man ungeteilte Konzentration und fehlerfreie Arbeit. Er habe die größte Reform in der Geschichte der Bundeswehr angestoßen, betonte Guttenberg.

Der Verteidigungsminister machte deutlich, dass er sich mit seinem Rücktritt schwer getan habe. Dies sei "unbefriedigend, aber allzu menschlich". Man gebe nicht leicht ein Amt auf, "an dem das Herzblut hängt".

Guttenberg sagte, er ziehe die Konsequenz, die er auch von anderen verlangt habe. Er stehe zu seinen Schwächen und Fehlern. Es sei eine Frage des Anstandes gewesen, zunächst die drei in Afghanistan gestorbenen Soldaten zu Grabe zu tragen. Er werde sich an der Aufklärung der Vorwürfe gegen ihn in Zusammenhang mit seiner Doktorarbeit beteiligen.

Guttenberg: "Die Mechanismen können zerstörerisch sein"

Der Politiker dankte Bundeskanzlerin Merkel für die Unterstützung in den vergangenen Tagen. "Ich war immer bereit zu kämpfen. Aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht." Die mediale Betrachtung seiner Person und die Qualität der Auseinandersetzung sei nicht ohne Auswirkung auf ihn und seine Familie geblieben. Die Mechanismen könnten zerstörerisch sein. Er erwarte aber kein Mitleid.

Merkel, die sich derzeit auf der Cebit in Hannover aufhält, hatte am Vormittag ihren Rundgang auf der Computermesse überraschend unterbrochen und längere Zeit telefoniert. Dem Vernehmen nach stimmte sich die Kanzlerin auch mit FDP-Chef Guido Westerwelle und CSU-Chef Horst Seehofer ab. Erst am Montag hatte sich Merkel erneut demonstrativ hinter Guttenberg gestellt.

Guttenberg wird vorgeworfen, wesentliche Teile seiner Doktorarbeit abgeschrieben zu haben, ohne diese Passagen als Texte anderer Autoren gekennzeichnet zu haben. Der 39-Jährige hatte die Vorwürfe zunächst abgestritten, später aber gravierende handwerkliche Fehler eingeräumt und auf seinen Doktor-Titel verzichtet.

Am Donnerstag vergangener Woche entzog die Universität Bayreuth dem Verteidigungsminister dann offiziell den Doktortitel. Guttenberg habe gegen die wissenschaftlichen Pflichten "in erheblichem Umfang verstoßen", teilte Unipräsident Rüdiger Bormann mit. Ob der CSU-Politiker in seiner Doktorarbeit bewusst getäuscht hat, untersuchte die Kommission allerdings nicht.

Schavan: "Ich schäme mich für Guttenberg"

Trotz heftiger Vorwürfe gerade aus der Wissenschaft hatte Bundeskanzlerin Merkel an dem in der Öffentlichkeit sehr beliebten CSU-Politiker festgehalten und stärkte ihm in den vergangenen Tagen mehrfach den Rücken. Merkel äußerte zugleich Verständnis für die Empörung des Wissenschaftsbetriebs über die Plagiatsaffäre geäußert.

Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) sagte, sie schäme sich für ihn. Bundestagspräsident Norbert Lammert wurde mit der Aussage zitiert, der Fall sei "ein Sargnagel für das Vertrauen in unsere Demokratie".

Trotz dieser Kritik hatte Guttenberg noch am Montag erklärt: "Meine Arbeitskraft, was die Bundeswehr anbelangt, ist vollends gegeben. Ich habe dieses Amt auszuführen und will das auch mit Freuden tun."

Ein Nachfolger für Guttenberg an der Spitze des Verteidigungsministeriums zeichnete sich zunächst nicht ab. In Medienberichten wurde Verkehrsminister Peter Ramsauer genannt, der wie Guttenberg CSU-Mitglied ist. In Medien wurde auch spekuliert, der neue Verteidigungsminister müsse nicht der CSU angehören. In einem Bericht hieß es, Unions-Fraktionsvorsitzender Volker Kauder könnte ins Kabinett wechseln.

mg/dpa-afx/rtr/dapd
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