Montag, 9. Dezember 2019

Bundesbank-Krise Das große Geld-Theater

Bundesbank: Wer folgt auf Weber?
REUTERS

Mit Axel Weber scheitert nicht nur eine Persönlichkeit auf tragische Weise, sondern auch ein Notenbanker-Typus: der des Anti-Inflations-Falken. Die Aufgabe für seinen Nachfolger wird damit nicht leichter. Denn die Rolle der Notenbanken hat sich fundamental verändert.

Axel Weber geht, zum 30. April wird er als Präsident der Bundesbank abtreten. Die Bundesbank legt Wert darauf, dass ihr Präsident aus freien Stücken geht, nicht auf Druck der Bundesregierung.

Das ändert nicht daran, dass dieser Schritt eine große Entäuschung ist. Nicht nur weil Weber für einen Top-Job bei der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen im Gespräch ist, einer Bank, die er bislang selbst beaufsichtigt. Auch weil er sich in der heißen Phase der Bankenkrise und seit 2004 als Mitglied des Rates der Europäischen Zentralbank (EZB) hohes Ansehen erworben hat.

Doch als es darum ging, Euro-Staaten vor dem Umkippen zu retten, als nicht nur immer weitere Rettungsschirme aufgespannt wurden, sondern auch die EZB mit dem Kauf von Anleihen der Krisenstaaten intervenierte, stand Weber in latenter - und teils öffentlich ausgesprochener - Opposition zum neuen europäischen Mainstream.

Klare Kante statt Konsens - das Scheitern des Falken

Klare Kante statt Konsens, das war Webers Kurs. Aber ohne Konsens und Kompromis läuft nun mal nichts im Euro-Land, schon gar nicht im EZB-Rat mit seinen 23 Mitgliedern. Der nächste Karriereschritt als Notenbanker - die EZB-Präsidentschaft - geriet deshalb für Weber außer Reichweite.

Mit Weber, so muss man es sehen, scheitert nicht nur eine Persönlichkeit auf tragische Weise, sondern auch ein Typus von Notenbanker: der des Anti-Inflations-Falken. In der Tradition der Deutschen Bundesbank, die Weber schon als junger Gelehrter als Institution bewunderte, sah er sich als Hüter der Geldwertstabilität.

Es ist nur so: Die Arbeit des Zentralbankers ist viel schwieriger geworden. Nur das Ziel zu verfolgen, die Inflation niedrig zu halten, wird der komplexen Post-Krisen-Welt nicht mehr gerecht. Geldwertstabilität und sonst nichts - dieses Ziel lässt sich, realistisch gesehen, gar nicht mehr durchhalten.

Was der neue Bundesbankchef können muss

Der künftige Bundesbank-Präsident muss mit dieser neuen Komplexität umgehen können.

Gefragt ist ein Notenbanker, der drei Eigenschaften in sich vereint: Er braucht Prinzipientreue, Pragmatismus und Pioniergeist. Klingt widersprüchlich? In der Tat: So schwierig ist das staatliche Geldmanagement geworden.

Beginnen wir mit der Prinzipientreue: Nach wie vor hat die deutsche Tradition des konservativen Notenbanking ihren Platz. Ja, es sollte sogar an Bedeutung gewinnen. Das Prinzip, wonach die Geldmenge nicht stärker wachsen sollte als die Wirtschaft (plus angepeilter Inflationsrate), gewinnt wieder mehr Anhänger. Denn dass es überhaupt zur Finanzkrise kam, liegt auch an der über viele Jahre übermäßigen Liquiditätsversorgung; ohne diese Abkehr von der Politik des knappen Geldes hätte es weder derart große Bubbles noch einen dramatischen Anstieg der Verschuldung gegeben. Die oft verlachte "Geldmengensteuerung", die die Bundesbank vor Beginn der europäischen Währungsunion verfolgte, hat durchaus ihre Berechtigung.

Aber diese traditionelle deutsche Orthodoxie reicht nicht mehr als Maßstab für Geldpolitik. Gefordert ist auch ein gutes Stück Pragmatismus.

© manager magazin 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung