Samstag, 7. Dezember 2019

Bundesbankchef Webers Rückzug düpiert die Kanzlerin

Bundesbank: Wer folgt auf Weber?
REUTERS

Bundesbankchef Axel Weber will offenbar nicht mehr für eine zweite Amtszeit kandidieren und sich spätestens 2012 aus der Bundesbank zurückziehen. Kreisen zufolge will er zur Deutschen Bank wechseln. Dass Weber im November auf EZB-Chef Jean-Claude Trichet nachfolgt, ist nun sehr unwahrscheinlich.

Frankfurt am Main - - Bundesbank-Präsident Axel Weber ist bei der Suche nach dem künftigen Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) offenbar aus dem Rennen. "Die EZB-Kandidatur Webers hat sich erledigt", sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Bundesbank wollte keinen Kommentar abgeben. Eine Person aus dem direkten Umfeld Webers sagte zu Reuters, der aus der Pfalz stammende Ökonom sehe seine Aufgabe bei der Bundesbank nach sieben Jahren im Amt "als weitgehend erfüllt" an. "Damit naht der geeignete Zeitpunkt, die Bundesbank auch personell für das neue Jahrzehnt aufzustellen. Dies geschieht in engster Abstimmung mit der Bundeskanzlerin. Die Bundesbank wird als geordnetes Haus an einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin übergeben."

Offenbar Verzicht auf zweite Amtszeit - Weidmann als Nachfolger?

Für eine zweite Amtszeit an der Spitze der Bundesbank stehe Weber nicht zur Verfügung, heißt es in Finanzkreisen. Nach Informationen der "Bild-Zeitung" will Weber bereits im Sommer gehen. Als aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge gilt der Ex-Bundesbanker und Wirtschaftsberater von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Jens Weidmann.

Webers Amtszeit endet offiziell im April 2012, die des jetzigen EZB-Chefs Jean-Claude Trichet am 31. Oktober dieses Jahres.

Der Bundesbank-Chef galt lange Zeit als Kandidat für den EZB-Chefposten, wenngleich die Bundeskanzlerin sich dazu bislang nicht öffentlich geäußert hat. Am Mittwochvormittag habe es ein vertrauliches Telefonat zwischen Merkel und Weber gegeben, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Angaben zu den Inhalten des Gesprächs wollte er nicht machen.

Rennen um Trichet-Nachfolge für Weber wahrscheinlich gelaufen

Weber galt neben Italiens Zentralbankgouverneur Mario Draghi bis dato als aussichtsreichster Kandidat für den Top-Job - wenngleich vor allem aus Frankreich Widerstand laut wurde. Zuletzt hatte es auch Meldungen gegeben, der finnische Notenbankchef Erkki Liikanen könne Nachfolger Trichets werden, sollten weder Weber noch Draghi international durchsetzbar sein.

In Finanzkreisen verdichteten sich am Mittwoch Spekulationen, Weber könnte zur Deutschen Bank wechseln, um dort Konzernchef Josef Ackermann zu beerben. Ackermann hört spätestens zur Hauptversammlung 2013 auf. Dass Weber als möglicher Nachfolger von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann gehandelt wird, darüber hatte manager magazin bereits im Januar berichtet.

In hochrangigen Frankfurter Finanzkreisen hieß es, es gebe bis dato keine Vereinbarung zwischen der Bank und Weber. Weiter hieß es, denkbar sei auch, dass Weber nach einer gewissen Übergangsfrist Aufsichtsratschef des Instituts würde.

Wechsel zur Deutschen Bank?

Zu einem möglichen Wechsel Webers zur größten deutschen Bank wollten sich weder die Bundesbank noch die Deutsche Bank äußern. Weber selbst verzichtete auf eine persönliche Erklärung zu seiner beruflichen Zukunft.

Weber ist eine der einflussreichsten Stimmen im EZB-Rat, der über die Geldpolitik für die Euro-Zone entscheidet. Er gilt zugleich als geldpolitischer Hardliner, der in der Hochzins-Tradition der Bundesbank steht. Weber ist bekannt als Freund klarer Worte, der auch den Konflikt nicht scheut. So fing er sich beispielsweise mit seiner harschen öffentlichen Kritik an dem auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise in Griechenland beschlossenen Ankaufprogramm für Staatsanleihen eine öffentliche Rüge Trichets ein.

An den Finanzmärkten sorgte die Nachricht kurzfristig für einen Rückgang des Euro-Kurses. Die europäische Gemeinschaftswährung gab auf 1,3614 Dollar nach, erholte sich im späten Handel aber wieder.

Überblick: Die aussichtsreichsten Kandidaten für den Chefposten der Deutschen Bank

la/reuters

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