EADS Möglicher Daimler-Ausstieg alarmiert Politik

Die Hinweise, dass der Autokonzern Daimler beim deutsch-französischen Luftfahrtriesen EADS aussteigen will, verdichten sich. Noch in diesem Monat soll ein Spitzentreffen in Berlin klären, wie die Machtbalance zwischen Deutschland und Frankreich im Falle eines Daimler-Ausstiegs zu halten ist.
Kanzlerin Angela Merkel auf der ILA: Vertreter von Politik und Daimler beraten über die Zukunft des Luftfahrtkonzerns EADS, zu dem auch die Tochter Airbus gehört

Kanzlerin Angela Merkel auf der ILA: Vertreter von Politik und Daimler beraten über die Zukunft des Luftfahrtkonzerns EADS, zu dem auch die Tochter Airbus gehört

Foto: JOHANNES EISELE/ AFP

Berlin - Eine Spitzenrunde von Ministern soll voraussichtlich am 23. Februar bei Bundeskanzlerin Angela Merkel die Konsequenzen eines Daimler-Ausstieges beim Luftfahrtriesen EADS  beraten. Aus Regierungskreisen verlautete am Dienstag, dieser Termin sei kürzlich am Rande einer Kabinettssitzung von Merkel mit ihren zuständigen Kabinettskollegen Guido Westerwelle, Rainer Brüderle und Wolfgang Schäuble verabredet worden.

Hintergrund seien immer wiederkehrende Signale von Daimler  , dass der Autokonzern sich von seinem Rest-Anteil in Höhe von 15 Prozent an EADS trennen oder diesen weiter reduzieren könnte. Die Stimmrechtsquote von Daimler liegt sogar bei 22,5 Prozent.

Unterdessen berichtete die "Financial Times Deutschland", Daimler wolle sich noch in diesem Jahr von seiner Beteiligung an dem europäischen Luft- und Raumfahrtunternehmen trennen. Die EADS-Aktien sollen danach zwar dem Bund angeboten werden, doch dränge Daimler auf einen Preis, wie ihn auch externe Investoren bereit seien zu zahlen. Interesse dafür gibt es der Zeitung zufolge etwa bei arabischen Beteiligungsfirmen.

Interesse von arabischen Investoren

Daimlers Abkehr von EADS habe auch mit immer wieder aufkommenden Risiken im Geschäft des Luftfahrtkonzerns zu tun. Daimler wolle sich nicht zu dem Thema äußern, sagte ein Sprecher. Damit nähren die Stuttgarter die Spekulationen über die Zukunft des im Jahr 2000 aus der Taufe gehobenen europäischen Konzerns.

In der Bundesregierung wächst offenbar die Sorge, dass der Autobauer demnächst aussteigen könnte. Über die Konsequenzen für einen solchen Fall seien sich die Koalitionspartner aber uneins, hatte am Freitag eine mit dem Thema vertraute Person gesagt. Sollte Daimler seine Beteiligung tatsächlich abgeben, würde die empfindliche Machtbalance zwischen deutschen und französischen Anteilseignern erschüttert.

KfW könnte in die Bresche springen

Als Daimler vor Jahren schon einmal Aktien abgab, war es die Bundesregierung, die mit Banken und Förderinstituten wie der staatlichen KfW neue deutsche Eigner für einen 7,5-prozentigen Kapitalanteil mobilisierte. Dieser Pakt zwischen Daimler und der Regierung wurde im vergangenen Jahr verlängert und könnte das nächste Mal im kommenden Jahr aufgekündigt werden.

Der Autokonzern Daimler hat wiederholt betont, dass die Beteiligung an dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern nicht zum Kerngeschäft des Autobauers gehöre, zumal die Pannen von EADS bei der Entwicklung neuer Flugzeuge in der Vergangenheit auch negativ auf die Bilanz der Stuttgarter durchschlugen. In Daimler-Unternehmenskreisen hieß es, mittelfristig müsse über die künftige Aufstellung und Eigentümerschaft von EADS beraten werden. Entsprechende Signale habe Daimler an die Berliner Regierung gesandt.

la/reuters
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