Donnerstag, 12. Dezember 2019

Managerinnen Ostdeutsche Frauen häufiger in Spitzenjobs

Managerinnen: Frauen in deutschen Unternehmen
JIM RAKETE

In Ostdeutschland schaffen es Frauen häufiger in Topjobs als im Westen, wie eine Studie zeigt. Bundeskanzlerin Angela Merkel, die am Dienstag über familienfreundliche Arbeitszeiten diskutierte, lehnt eine gesetzliche Frauenquote weiter ab.

Berlin - Vor allem im öffentlichen Dienst in Ostdeutschland bekleiden Frauen zunehmend Führungspositionen, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Studie des Forschungsinstituts der Bundesagentur für Arbeit (IAB) hervorgeht. "In den letzten Jahren konnten Frauen ihre Beteiligung an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst geringfügig ausbauen", sagte Studien-Autorin Corinna Kleinert.

Bei Spitzenkräften in der privaten Wirtschaft stieg der Frauenanteil seit 2000 um drei Prozentpunkte und lag 2007 bundesweit bei 24 Prozent, im Osten bei 29 Prozent. Im öffentlichen Dienst gab es ein Plus von vier Punkten auf 33 Prozent, im Osten sogar von sechs Punkten auf 45 Prozent.

Insgesamt aber bleibe der Anteil von Frauen in Spitzenpositionen noch deutlich hinter dem Anteil der beschäftigten Frauen zurück, betonte die IAB-Arbeitsmarktforscherin. Frauen arbeiten nicht nur häufiger als Männer im öffentlichen Dienst und im Gesundheits- und Sozialwesen, sondern auch häufiger in Kleinbetrieben. Dort sind ihre Karrierechancen allerdings wesentlich geringer - im Osten wie im Westen.

Die Forscherin macht aber auch klare Unterschiede aus: "Im Westen unterbrechen Frauen häufiger ihre Erwerbstätigkeit für längere Zeit, um Kinder zu betreuen, und sie reduzieren nach ihrem Wiedereinstieg vielfach ihre Arbeitszeit." Dies schmälert ihre Chancen, in hohe Positionen aufzusteigen.

Frauen im Osten profitieren zudem von einer besseren Infrastruktur bei der Kinderbetreuung. Ferner sind sie laut Studie bei der Geburt ihres ersten Kindes im Schnitt jünger, so dass sich die intensiven Kinderbetreuungs- und Karrierephasen zeitlich etwas entzerren. "Hier könnten wesentliche Ursachen für die höheren Anteile von ostdeutschen Frauen an Führungspositionen liegen", sagte die IAB-Expertin.

Spitzengespräch: Merkel lehnt Frauenquote weiter ab

Vertreter der Bundesregierung und der Wirtschaft berieten am Dienstag in einem Spitzengespräch über familienfreundliche Arbeitszeiten. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) lehnt eine staatlich vorgeschriebene Frauenquote in Führungsetagen der Wirtschaft weiter ab. Sie stellt sich damit gegen einen Vorschlag von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU).

Allerdings will Merkel die Chefs in der Wirtschaft gegebenenfalls persönlich dazu drängen, den Frauenanteil in ihren Führungsetagen zu erhöhen. Womöglich sei ergänzend zu einem Treffen von Ministern mit den Arbeitsdirektoren der großen Börsenunternehmen noch ein Gespräch mit den Unternehmenschefs zu diesem Thema nötig, sagte Merkel am Dienstag in Berlin bei einem Spitzengespräch der Initiative "Familienbewusste Arbeitszeiten". "Ich nehme mich der Sache vielleicht auch noch mal persönlich an."

Zugleich machte Merkel noch einmal deutlich, dass sie eine gesetzliche Frauenquote derzeit ablehnt. "Ich glaube, dass wir mehr Frauen in Führungspositionen brauchen", sagte Merkel. Sie halte es für einen ziemlichen Skandal, dass in den 200 größten Unternehmen des Landes der Frauenanteil in Spitzenpositionen zwischen 3und 4 Prozent liege. Die Selbstverpflichtung der Wirtschaft, hieran etwas zu ändern, habe in zehn Jahren wenig bewirkt.

Sie wolle der Wirtschaft aber doch noch eine Chance geben. Dabei verwies sie auf den Stufenplan von Familienministerin Kristina Schröder. Es müsse eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie geschaffen werden, wenn man mehr Frauen in Spitzenpositionen in der Wirtschaft bringen wolle. Nur wenn man hier die Lage verbessere, könnten mehr Frauen in Führungspositionen gelangen. Hier gebe es großen Handelungsbedarf. "Ich ermuntere sie alle, gehen sie neue Wege", warb die Kanzlerin für flexiblere, familiengerechte Arbeitszeiten in den Unternehmen.

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la/reuters

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