Konjunktur Aufschwung drängt Schwarzarbeit zurück

Der Wirtschaftsaufschwung in Deutschland drängt die Schattenwirtschaft zurück. Die Schwarzarbeit ist im Jahr 2010 auf den niedrigsten Stand seit 15 Jahren gefallen und soll auch in diesem Jahr weniger Schaden anrichten. Dennnoch macht sie noch rund 14 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus.
Putzen nach Dienstschluss: Die Schwarzarbeit in Deutschland ist rückläufig

Putzen nach Dienstschluss: Die Schwarzarbeit in Deutschland ist rückläufig

Foto: Ralf_Hirschberger/ picture-alliance / dpa/dpaweb

Tübingen - Das Tübinger Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) geht davon aus, dass in der Schattenwirtschaft 2010 rund 347,6 Milliarden Euro umgesetzt wurden - das waren 13,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. So niedrig war der Anteil der Schattenwirtschaft zuletzt 1995.

Durch den Aufschwung hätten viele Menschen einen regulären Arbeitsplatz gefunden. Dadurch sei die Schattenwirtschaft um 4,2 Milliarden Euro zurückgegangen, teilte das IAW am Montag mit. 2011 soll diese Entwicklung anhalten.

Unter Schattenwirtschaft verstehen die Experten vor allem Schwarzarbeit, aber auch alle kriminellen Aktivitäten. In diesem Jahr soll die Schattenwirtschaft in Deutschland noch einmal um 1,8 Milliarden Euro schrumpfen, prognostizieren das IAW und Schattenwirtschaftsexperte Friedrich Schneider von der Universität Linz in ihrer Modellrechnung.

Umsätze in der Schattenwirtschaft sind selbstverständlich nicht direkt messbar, schließlich finden sie im Verborgenen statt. Deshalb orientieren sich die Experten des IAW an bekannten Faktoren, die Auswirkungen auf die Schwarzarbeit haben. So führen etwa Steuererhöhungen zu einem Anstieg der Schwarzarbeit, denn sie machen eine reguläre Beschäftigung teurer und Schwarzarbeit somit attraktiver.

Illegale Beschäftigung könnte auch in diesem Jahr zurückgehen

Für dieses Jahr machen die Experten folgende Rechnung auf: Das Bruttoinlandsprodukt steigt um 2 Prozent. Weil dadurch mehr Menschen einen regulären Arbeitsplatz finden, sinkt das Volumen der Schattenwirtschaft um 2,95 Milliarden Euro. Ferner gehen die Experten davon aus, dass in der Zeitarbeitsbranche ein Mindestlohn von 6,65 Euro in Ost- und 7,60 Euro in Westdeutschland eingeführt wird. Weil eine reguläre Beschäftigung also teurer wird, wächst die Schwarzarbeit um 300 Millionen Euro.

Die Beitragserhöhungen bei den gesetzlichen Krankenversicherungen zum 1. Januar 2011 lassen die Schattenwirtschaft laut Berechnung um 650 Millionen Euro steigen, die höhere Arbeitslosenversicherung noch einmal um 200 Millionen Euro. Insgesamt ergebe das einen Rückgang der illegalen Tätigkeiten um 1,8 Milliarden Euro auf 345,8 Milliarden Euro oder 13,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Welche Auswirkungen die Freizügigkeit für Arbeitnehmer aus acht osteuropäischen EU-Staaten ab dem 1. Mai 2011 haben werde, lasse sich im Moment kaum abschätzen, schreiben die Experten. Denkbar sei, dass bislang illegale Tätigkeiten etwa in der Pflegebranche legalisiert würden.

Unter den OECD-Ländern stehe Deutschland mit einer Schattenwirtschafts-Quote von 13,7 im Mittelfeld. In den USA ist der Modellrechnung zufolge die Schattenwirtschaft mit 7,0 Prozent am niedrigsten, in Griechenland mit 25,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts am höchsten.

rei/dpa-afx
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