Aufschwung 2011 Dickes Lohnplus für alle erwartet

Weil die Wirtschaftskrise nahezu wettgemacht ist, können Deutschlands Angestellte mit deutlichen höheren Löhnen im laufenden Jahr rechnen. Manager der größten hiesigen Konzerne wollen deutlich in die Kassen ihrer Unternehmen greifen - abhängig davon, wie gut es den einzelnen Firmen tatsächlich geht.
Einkaufen in Düsseldorf: Mehr Geld für viele Angestellte in diesem Jahr zu erwarten

Einkaufen in Düsseldorf: Mehr Geld für viele Angestellte in diesem Jahr zu erwarten

Foto: Frank Augstein/ AP

Hamburg - Führende deutsche Manager sprechen sich angesichts der guten Konjunktur für spürbare Lohnerhöhungen aus. "Wir müssen die Arbeitnehmer selbstverständlich im Rahmen der Möglichkeiten am Aufschwung beteiligen", sagte Deutsche-Post-Chef Frank Appel der "Welt am Sonntag". Dabei könne es jedoch nicht in allen Branchen dieselben Zuschläge geben: "Nicht überall läuft es gleich gut", sagte Appel.

BASF-Chef Jürgen Hambrecht sagte der Zeitung: "Natürlich besteht die Forderung nach mehr Geld für die Mitarbeiter, und sie ist auch berechtigt." In den meisten Unternehmen gebe es erfolgsabhängige Prämien, und die würden je nach Branche zwischen 20 und 50 Prozent höher ausfallen als im Vorjahr.

Beide Manager warnten allerdings vor zu hohen Forderungen der Gewerkschaften. "Der große Schluck aus der Pulle ist mit Vorsicht zu genießen", sagte Hambrecht mit Blick auf die Sicherung der Arbeitsplätze. "Wir dürfen nicht aus dem Auge verlieren, dass wir mit dem Aufschwung 2010 gerade einmal den Einbruch von 2009 wettgemacht haben", sagte Appel.

Klares Bekenntnis zum Euro

Der Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, geht ebenfalls von Lohnerhöhungen in diesem Jahr aus. "Lassen Sie die drei vor dem Komma stehen, um den Spielraum abzustecken", sagte Hüther dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Wochenendausgabe). Da die Preise stabil seien, "wird dieses Jahr mit Sicherheit real etwas bei den Arbeitnehmern ankommen", so der Ökonom. Die Euro-Krise werde dem keinen Strich durch die Rechnung machen. Die Gemeinschaftswährung sei "stabiler als die D-Mark sowohl nach innen wie nach außen", sagte Hüther. Statt einer Währungskrise handele es sich bei den derzeitigen Turbulenzen um "eine Krise des politischen Handelns in der Europäischen Währungsunion".

Ein klares Bekenntnis zum Euro gaben auch die Konzernchefs ab. "Natürlich müssen die EU-Staaten ihre Schulden künftig besser im Griff haben. Aber zum Euro gibt es einfach keine Alternative", sagte der Vorstandsvorsitzende des Konsumgüterherstellers Henkel, Kasper Rorsted, der "Welt am Sonntag". Hambrecht betonte, Europa stehe durch den Euro wesentlich stabiler da als vorher. Allerdings verschlossen die Unternehmenschefs auch nicht den Blick vor dem Preis, den Deutschland dafür zu zahlen hat: "Die Sozialisierung der fiskalischen Probleme ist nicht mehr zu verhindern, wir können diese Sozialisierung nur noch minimieren", sagte Hambrecht. Appel ergänzte: "Was immer die Rettung kosten wird, es wird weniger sein als das, was der Euro Deutschland und Europa gebracht hat und weiter bringen wird."

kst/rtr/dpa