Donnerstag, 9. April 2020

Maschinenbau Frauen wegen Fachkräftemangel gesucht

Dringend benötigt: Fachkräfte im Maschinen- und Anlagenbau

Der deutsche Maschinenbau befindet sich auf Wachstumskurs. Der Fachkräftemangel könnte die deutsche Schlüsselindustrie aber zurückwerfen, warnt der neue VDMA-Präsident Thomas Lindner. Zuwanderung allein werde das Problem nicht lösen. Deutschland müsse seine eigenen Potenziale heben.

Hamburg/Frankfurt am Main - Ein wenig gleichen die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer dem berüchtigten Phoenix aus der Asche. Nach dem beispiellosen Absturz im vergangenen Jahr platzen die Auftragsbücher der Branche in diesem Jahr aus allen Nähten. Auch wenn sich das Tempo zuletzt ein wenig verlangsamte, zweistellige Wachstumsraten hat die deutsche Schlüsselindustrie auch im September verbucht.

Mit Blick auf das dritte Quartal schlägt bei den Auftragseingängen nun ein Plus von 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu Buche. Dabei kletterten die Inlandsaufträge um 34 Prozent und die Auslandsaufträge um 43 Prozent, wie der Branchenverband VDMA am Dienstag mitteilte.

Derlei rasantes Wachstum könnte Begehrlichkeiten wecken, etwa bei den mehr als 900.000 Beschäftigten nach mehr Lohn. Doch dafür sieht der neue Verbandspräsident Thomas Lindner nur wenig Spielraum. "Wir haben eine extrem unterschiedliche Situation in den Branchen und auch in den einzelnen Unternehmen", mahnte Linder am Dienstag während seiner ersten Pressekonferenz in Richtung IG Metall.

Zwar laufen die Tarifverträge der Metallindustrie noch bis März 2012. Die Gewerkschaft allerdings fordert die Betriebe auf, wegen der guten Konjunktur die Lohnerhöhungen vorzuziehen. Bosch wird genau das machen und die im Vertrag vereinbarte Option, den Arbeitnehmern 2,7 Prozent mehr zu gewähren, bereits zwei Monate früher einlösen. Andere Unternehmen aus der Automobilindustrie erklärten, dem Beispiel zu folgen.

Bereits wieder 5000 offene Stellen, Bedarf an Ingenieuren wächst

Viele Unternehmen der überwiegend mittelständisch geprägten Branche hätten mit Blick auf die Produktion noch nicht das Vorkrisenniveau des Jahres 2008 erreicht, sagte hingegen Lindner, der am 8. Oktober Vorgänger Manfred Wittenstein an der Verbandsspitze abgelöst hat. Unternehmen, Beschäftigte, Betriebsräte und auch die Gewerkschaft hätten während der Krise viel Flexibilität gezeigt, um über Kurzarbeit und Arbeitszeitkonten so viel qualifizierte Beschäftigte wie möglich für den kommenden Aufschwung in den Firmen zu halten, diese Politik gelte es fortzusetzen. Der neue Verbandschef appellierte daher an die Mitglieder, auch im Aufschwung nach individuell betrieblichen Lösungen zu suchen.

In der vorletzten Krise, vor etwa zehn Jahren, hatten die Unternehmen nicht davor zurückgeschreckt, Ingenieure massenhaft vor die Tür zu setzen. Ein Umstand, der die Begeisterung für Ingenieursstudiengänge nicht gerade beflügelt haben dürfte. Umso lauter beklagt die Branche gerade jetzt im Aufschwung einen Mangel an hoch qualifizierten Mitarbeitern. "Der Fachkräftemangel ist keine Schimäre, er konkretisiert sich aktuell", sagte Lindner. Trotz der zurückliegenden Krise hätten allein die VDMA-Mitglieder schon wieder 5000 offene Ingenieurstellen zu besetzen.

Und der Bedarf dürfte noch weiter zunehmen. Nach einer aktuellen Verbandsumfrage beabsichtigten drei Viertel der Unternehmen in den kommenden beiden Jahren Ingenieure für Forschung, Entwicklung und Konstruktion einzustellen. 58 Prozent der Firmen benötigten Ingenieure für den Vertrieb und gut ein Viertel formulierten Fachkräftebedarf für die Produktion.

Gleichzeitig aber befürchteten der Umfrage zufolge knapp zwei Drittel der Unternehmer, die Fachkräfte einstellen wollen, dass sie keine geeigneten Bewerber finden werden. Bei Betrieben, die Ingenieure für eine Auslandstätigkeit suchen, erwarteten gar rund drei Viertel, dass sich nicht genügend Bewerber für die Stellen finden. Das Angebot an Fachkräften werde für die Branche mittlerweile zum limitierenden Faktor, warnte Lindner. "Und zwar in der Produktion selbst aber auch für Forschung und Entwicklung.

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