Mittwoch, 27. Mai 2020

Maschinenbau Frauen wegen Fachkräftemangel gesucht

Dringend benötigt: Fachkräfte im Maschinen- und Anlagenbau

2. Teil: "Es ist ein Skandal, was hier passiert"

Damit nicht genug. Die Unternehmen hierzulande leiden nicht nur an einem Fachkräftemangel. Sie laufen zusehends auch Gefahr, ihre Topleute an die ausländischen Wettbewerber zu verlieren, wie das "Handelsblatt" jetzt unter Berufung auf eine Studie der Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young berichtet. Das Interesse an deutschen Ingenieuren und Technikern ist sehr groß, erklärten weltweit 1200 Manager von forschungs- und entwicklungsintensiven Unternehmen in einer Umfrage. Diese Fachkräfte und ihr Wissen sind also in höchstem Maße abwerbegefährdet. Umgekehrt gehen deutsche Unternehmen im Ausland kaum auf Talentsuche. Ausländische Mitarbeiter stellen nach VDMA-Angaben gerade einmal 6 Prozent der Ingenieure hierzulande.

Vor diesem Hintergrund darf es nicht verwundern, dass der neue VDMA-Chef von der Politik fordert, "eine gezielte Zuwanderung von Fachkräften" zu ermöglichen. Sie allein werde indes den Bedarf an benötigten Fachkräften nicht decken können. "Dieser Versuch ist einigermaßen aussichtslos", so Lindner. Die aufstrebenden Schwellenländer bräuchten ihre Fachkräfte selbst.

Deutschland müsse sich verstärkt um die eigenen Potenziale kümmern. Diese Gesellschaft dürfe es nicht hinnehmen, dass nahezu jeder sechste Jugendliche seine Schule, die Lehre oder auch das Studium abbreche. "Das kann und darf nicht sein. Es ist eine Schande, es ist ein Skandal gegenüber der jüngeren Generation, was hier passiert", machte Lindner seiner Enttäuschung Luft. Deutschland setze damit "nicht nur die Zukunft der Unternehmen, sondern auch die unseres Landes aufs Spiel", warnte der neue VDMA-Chef, der die Aus- und Weiterbildung der jungen Menschen als eines der drei wichtigsten Themen für seine Verbandsarbeit in den kommenden drei Jahren identifiziert hat.

VDMA will mehr Frauen für die Maschinenbauindustrie gewinnen

So will Lindner nicht nur mehr Frauen für berufliche Aufgaben in der Maschinenbauindustrie gewinnen, sondern die Politik zugleich zu einem Paradigmenwechsel im Bildungssystem bewegen. Mit mehr Geld und mehr Lehrern allein sei dem Problem nicht beizukommen. Die Vorgehensweise müsse vielmehr ergebnisorientiert sein. "Wir brauchen klare, verbindliche Vorstellungen darüber, welche Ziele mit unserem Bildungssystem verfolgt werden sollen und müssen, damit endlich auf Effizienz geachtet wird."

Aufgabe der Gesellschaft werde es darüber hinaus sein, "die zahllosen intelligenten Personen" mit Migrationshintergrund für die Arbeitswelt zu gewinnen. Gerade der Maschinenbau als internationale Industrie, könnte viele von ihnen in seinem internationalen Netzwerk gebrauchen. "Sie hätten bei uns - vorausgesetzt sie sind bildungswillig - außerordentliche Chancen und Möglichkeiten", warb der neue VDMA-Chef schon fast ein wenig verzweifelt.

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