Mittwoch, 19. Juni 2019

Höhere Löhne Arbeitgeber stellen sich gegen Brüderle

Wer sitzt am längeren Hebel? Auch in der Metallindustrie stehen die Arbeitgeber Lohnforderungen der Arbeitnehmer ablehnend gegenüber

Die Wirtschaft in Deutschland wächst kräftig. Führende Arbeitgebervertreter jedoch lehnen Lohnerhöhungen für die Belegschaften rundweg ab. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle dagegen wirft sich für die Arbeitnehmer in die Bresche und fordert einen spürbaren Aufschlag.

Berlin - In der "Bild"-Zeitung erklärte der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB), Karl Robl, es gebe "keinen Spielraum für Lohnerhöhungen". Zur Begründung sagte Robl: "Am Bauhauptgewerbe ist der Aufschwung noch nicht angekommen. Betriebe müssen höhere Löhne erstmal verdienen. Können sie das nicht, müssen Arbeitsplätze abgebaut werden."

Der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, sagte: "Der Aufschwung hat noch längst nicht alle Sparten und Betriebe der Metall- und Elektroindustrie erfasst". Nach dem bisher tiefsten Absturz müssten erst einmal die Betriebe wieder zu Kräften kommen. "Weder Dividenden noch Lohnsteigerungen stehen jetzt im Vordergrund."

Der Verband der Familienunternehmer (ASU) warnt vor Konjunktureinbußen. ASU-Präsident Patrick Adenauer sagte der Zeitung: "Viele Unternehmen schaffen es gerade erst, die Kurzarbeit zu beenden und wieder Weihnachtsgeld zu zahlen. Insofern sind Lohnforderungen, die völlig undifferenziert gestellt werden, ein Risiko für den Aufschwung."

Auch Beschäftigte im Öffentlichen Dienst (Bundesländer) können in den anstehenden Tarifverhandlungen ab Januar offenbar nicht auf ein Gehaltsplus hoffen. Der Verhandlungsführer der Länder, Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring (CDU), sagte dem Blatt: "Die Länderfinanzen bieten keinen Spielraum für Lohnerhöhungen." Es bestehe auch kein Nachholbedarf. "Das Lohnniveau bei den Ländern ist in den vergangenen Jahren gestiegen während es in der freien Wirtschaft gefallen ist", erklärte Möllring.

Wirtschaftsminister Rainer Brüderle dagegen hofft, dass der gegenwärtige Aufschwung bei den Arbeitnehmern in Form von spürbaren Lohnerhöhungen ankommt. Der FDP-Politiker sagte der "Bild": "Den fleißigen Menschen in unserem Land gehört der Wirtschaftsaufschwung. Er sollte daher nicht an ihnen vorbeigehen. Über die Lohnerhöhungen entscheiden natürlich die Tarifpartner. Das habe ich immer betont. Gleichzeitig gilt aber auch: Leistung muss sich lohnen. Das gehört zur Sozialen Marktwirtschaft. Und das darf sich in guten Zeiten auch in den Tarifabschlüssen niederschlagen."

rei/dpa-afx

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