Montag, 17. Juni 2019

Städteranking "Der Ruhrie existiert"

Installation an der Zeche Zollverein in Essen während der RUHR.2010: "Wir haben das Ruhrgebiet einfach zur Metropole erklärt"
Getty Images
Installation an der Zeche Zollverein in Essen während der RUHR.2010: "Wir haben das Ruhrgebiet einfach zur Metropole erklärt"

Kulturhauptstadt-Chef Fritz Pleitgen über die Geburt eines neuen Menschentyps und verpasste Chancen in knapp einem Jahr "Ruhr 2010".

mm: Herr Pleitgen, woran werden sich die Menschen länger erinnern, an das Ruhrgebiet als Standort der Kulturhauptstadt oder der Loveparade-Katastrophe?

Pleitgen: Außerhalb der Region wird es wohl leider die Loveparade sein, befürchte ich. Aber das ändert nichts am großen Erfolg des Projekts Kulturhauptstadt - denn für die Menschen hier ist sie von größerer Bedeutung.

mm: Aber hat nicht auch die Kulturhauptstadt seit dem Unglück - das ja schließlich Teil der Ruhr 2010-Kampagne wahr - einen ziemlich schalen Beigeschmack?

Pleitgen: Das glaube ich nicht. Die Loveparade war eine eigenständige Veranstaltung, die wir nur aufgrund der zeitlichen Koinzidenz in die Kampagne eingebunden haben. Dennoch hat uns das Unglück ein gutes Stück Unbedarftheit genommen. Wir tun uns seitdem schwer, Superlative zu postulieren. Gerade das hat uns vorher stark gemacht.

mm: Auffallen durch Übertreibung?

Pleitgen: In gewisser Weise war das unser Konzept. Wir haben das Ruhrgebiet einfach zur Metropole erklärt - und erst später gemerkt, dass das tatsächlich den Charakter der Region trifft. Das hat eine enorme Wirkung gehabt und nicht nur die Kooperation auf Seiten der Stadtverwaltung sondern auch den Enthusiasmus der Bürger geweckt.

mm: Aber was verbindet das Ruhrgebiet mit Städten wie Berlin oder Paris - außer der Einwohnerzahl?

Pleitgen: Auf den ersten Blick wenig, sicher. Es handelt sich beim Ruhrgebiet ja auch nicht um eine klassische Metropole mit einem klar definierten Innenstadtkern und viel Peripherie. Das Ruhrgebiet ist polyzentrisch, es hat kein einzelnes Zentrum an dem sich alles orientiert, sondern viele. Auf der anderen Seite fehlen ihm jedoch auch so periphere Lagen, wie man sie an den Rändern europäischer Hauptstädte findet, auch die Unterzentren sind hier sehr lebendig. Das macht den Reiz aus.

mm: Aber hätte man die Kulturhauptstadt nicht trotzdem dazu nutzen müssen, der Region wenn nicht eins, so zumindest einige wenige eindeutige Zentren zu geben?

Pleitgen: Das wäre weder politisch durchsetzbar noch im Sinne der Organisation gewesen. Uns war es ja gerade wichtig zu zeigen, dass die Metropole Ruhr deshalb kulturell interessant ist, weil es hier in der Fläche so viel kulturelles Leben gibt. Das haben vor allem unsere "local heroes" gezeigt, wo wir jede Woche eine andere Stadt in den Vordergrund stellen. Das ist Wahnsinn, was da an Veranstaltungen auf die Beine gestellt wurde.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung