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Das Objekt der Begierde: Hochtief im Überblick

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Mögliche Übernahme durch ACS Hochtief verstärkt den Abwehrkampf

Hochtief erweitert den Kreis möglicher Unterstützer gegen eine Übernahme durch den spanischen Baukonzern ACS. So hat sich das Bundeskanzleramt inzwischen in die Sache eingeschaltet. Auch Konkurrent Bilfinger Berger bringt sich als Helfer ins Gespräch.

Hamburg/Frankfurt/Main/Düsseldorf - In die Debatte um eine Übernahme des Baukonzerns Hochtief durch den spanischen Konkurrenten ACS ist das Kanzleramt offenbar stärker eingebunden als bislang bekannt. Wie das Hamburger Nachrichten-Magazin "Der Spiegel" am Wochenende berichtete, ist Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter bereits zweimal zu Gesprächen mit Jens Weidmann, dem Wirtschaftsberater von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), zusammengetroffen. Unterdessen haben die Übernahmepläne eine Diskussion über Änderungen des Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetzes ausgelöst.

Laut "Spiegel" erhält Hochtief  auch Unterstützung vom Hauptverband der Bauindustrie (HDB). Vergangene Woche habe sich der HDB-Geschäftsführer Michael Knipper an das Wirtschaftsministerium gewandt und darauf hingewiesen, dass andere Länder Schutzlücken in ihren Gesetzen geschlossen hätten.

Laut Magazin will sich Merkel der Sache annehmen. Zwar stehe das aktuell gültige Wertpapierübernahmegesetz in Einklang mit der entsprechende EU-Richtlinie, sagte ein Regierungsvertreter am Wochenende. "Die Bundesregierung wird jedoch prüfen, ob und inwieweit im Lichte der aktuellen Ereignisse im Übernahmerecht weitere Pflichten eingeführt werden sollten."

Derweil warf der Vorsitzende der IG BAU, Klaus Wiesehügel, Kanzlerin Merkel Untätigkeit in der Sache vor. "Staatliche Hilfe für Hochtief gegen ACS ist überfällig", schrieb er für die "Bild am Sonntag". Habe ACS erst das Sagen, "droht die Zerschlagung eines kerngesunden Unternehmens" sowie der Wegfall der Arbeitsplätze. Verantwortlich für die "brenzlige Lage" sei auch die Gesetzeslage, die zugunsten deutscher Unternehmen geändert werden müsse. Die nordrhein- westfälische Landesregierung unter Führung von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) prüft eine entsprechende Bundesratsinitiative.

Debatte über Übernahmegesetz entbrannt

Für eine Änderung des deutschen Übernahmerechts plädierte auch der Wirtschaftsrechtsprofessor Uwe Schneider. "Fälle wie Hochtief werden wir in Zukunft häufiger erleben, wenn der Gesetzgeber nichts tut", sagte der Darmstädter Professor für internationales Wirtschaftsrecht der "Wirtschaftswoche". In Deutschland gebe es keine Möglichkeiten, "sich gegen Übernahmen wirksam zu wehren".

Als Vorbild empfahl der Experte die Schweiz. Dort seien rund 250 Unternehmen, darunter Nestlé  und Novartis , mit satzungsmäßigen Erwerbsbegrenzungen vor Übernahmen geschützt, sagte er.

Dagegen warnte Unionsfraktionsvize, Michael Fuchs (CDU), vor den Folgen für deutsche Konzerne im Fall einer staatlichen Intervention. "Wenn wir anfangen, den Kauf von Hochtief zu verhindern, wird das Ausland als Vergeltung deutsche Unternehmen blockieren", schrieb er in "Bild am Sonntag".

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Kampf um Hochtief: Die Akteure im Hintergrund

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Auch das ZEW plädierte für Zurückhaltung. "Ein notorischer Abschotter wie Frankreich schadet sich auf lange Sicht selbst", sagt ZEW-Ökonom Friedrich Heinemann der "Welt am Sonntag". "Dort schauen sich Investoren aus den USA oder Asien kaum noch um."

Hochtief bekommt möglicherweise Hilfe von der Konkurrenz. Der Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger Berger  könnte sich einen Einstieg bei Hochtief vorstellen, um eine Übernahme abzuwehren. "Natürlich könnten wir uns vorstellen, auch einen Beitrag zu leisten, wenn es eine entsprechende Initiative gäbe", sagte Bilfinger-Vorstandsvorsitzender Herbert Bodner der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Alleine könnte und würde der Konzern keine Sperrminorität übernehmen. Zugleich erteilte er den Vorschlägen des SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel eine Absage, wonach sich die Bundesregierung aktiv um ein Konsortium zur Übernahme einer Sperrminorität an Hochtief bemühen sollte.

ACS hatte vor vier Wochen seine Pläne für eine Hochtief-Übernahme bekanntgegeben. Das spanische Unternehmen will den Hochtief-Anteilseignern acht eigene Aktien für fünf Hochtief-Papiere anbieten. Schon heute hält ACS knapp 30 Prozent der Hochtief-Aktien. Pläne für eine Zerschlagung des Essener Konzerns bestreiten die Spanier.

nis/dapd/rtr/dpa
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