EEG Ökoabgabe für Strom steigt noch jahrelang weiter

Ab Januar 2011 müssen Verbraucher für ihren Strom deutlich mehr bezahlen. Die vier Netzbetreiber haben eine Erhöhung der Ökostromumlage um rund 70 Prozent beschlossen. Die Entscheidung hat heftigen Streit über die hohe Förderung ausgelöst - zumal die Umlage noch jahrelang weiter steigen wird.
Erneuerbare-Energien-Gesetz: Seit zehn Jahren werden Produzenten von Wind-, Solar- und Biomassestrom gefördert

Erneuerbare-Energien-Gesetz: Seit zehn Jahren werden Produzenten von Wind-, Solar- und Biomassestrom gefördert

Foto: Conergy

Berlin - Die von allen Stromverbrauchern zu zahlende Ökostrom-Umlage werde 2011 um rund 70 Prozent auf 3,530 Cent je Kilowattstunde steigen, teilten die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, EnBW Transportnetze und Tennet am Freitag mit. Grund sei vor allem der massive Zubau im Bereich der Solarenergie.

Für eine vierköpfige Familie mit einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden Strom könnten dadurch Mehrkosten von rund 70 Euro pro Jahr anfallen. Für 2011 wurde eine Einspeisevergütung in Höhe von 16,7 Milliarden Euro ermittelt, die über die Umlage von den Verbrauchern zu tragen ist.

Während Bundesumweltminister Norbert Röttgen und Umwelt- sowie Ökostrom-Branchenverbände auf Vorteile der erneuerbaren Energien verwiesen, forderten kommerzielle Energie-Abnehmer ein Ende der Sonderförderung für alternative Energien.

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das vor zehn Jahren von der rot-grünen Bundesregierung beschlossen wurde, garantiert Produzenten von Wind-, Solar- und Biomassestrom 20 Jahre lange feste Einspeisevergütungen, die deutlich über den derzeitigen Marktpreisen für Strom liegen. Die Mittel dafür werden über die EEG-Umlage von den Stromkunden aufgebracht.

Abgabe wird noch jahrelang weitersteigen

Der Bundesverband der Energie-Abnehmer (VEA) verlangte die Abschaffung der Ökostromumlage. "Die Bundesregierung muss das Erneuerbare-Energien-Gesetz abschaffen oder den Ausbau der Erneuerbaren Energien wenigstens deckeln", sagte das geschäftsführende Vorstandsmitglied Manfred Panitz. Sein Verband vertritt vor allem Stromkunden aus dem Bereich mittelständischer Firmen und öffentlicher Einrichtungen. Die Subventionen für den Ausbau der Erneuerbaren Energien verteuerten unnötig den Strompreis, ohne in gleichem Maße den Kohlendioxid-Ausstoß zu verringern.

Der energiepolitische Sprecher der Unionsfraktion Thomas Bareiß, warnte in der "Financial Times Deutschland", die Verbraucher dürften nicht zu stark belastet werden, sonst verlören die Erneuerbaren Energien an Akzeptanz.

Doch die Belastung wird sich so schnell nicht verringern. "Die Umlage wird noch einige Jahre weiter steigen", sagte der Experte für erneuerbare Energien beim Umweltbundesamt, Harry Lehmann gegenüber manager magazin. Erst in etwa zehn Jahren, wenn die Förderung für die ersten Solaranlagen auslaufe, werde die Umlage sinken.

Allerdings hätten gerade Firmen es in der Hand, etwas gegen steigende Kosten zu tun. "Die Unternehmen werden reagieren und in den kommenden Jahren in stromsparende Anlagen investieren." Unterm Strich seien zudem die Belastungen durch Atomenergie für die Bevölkerung weit größer. "Die Gesamtkosten für die Atomenergie belasten die Bürger deutlich stärker als die erneuerbaren Energien." Mindestens zwei Drittel der Strompreissteigerungen der vergangenen zehn Jahre hätten mit der EEG-Umlage nichts zu tun.

Auch Bundesumweltminister Röttgen verteidigte die Förderung. "Der ökonomische Wert der erneuerbaren Energien übersteigt die Kosten bei Weitem", sagte er der "Financial Times Deutschland". Er stelle sich auch hinter die Solarförderung, die ganz besonders von der Umlage des Erneuerbare-Energien-Gesetzes profitiert.

"Langfristig brauchen wir alle verfügbaren Technologien, um eine sichere und klimaschonende Energieerzeugung zu erreichen." Röttgen forderte die Branche zugleich zu Innovationen, Kostensenkungen und die forcierte Erschließung von Auslandsmärkten auf.

Netzagentur rät zum Anbieterwechsel

Die Bundesnetzagentur forderte, die Verbraucher sollten nicht in vollem Umfang mit der erhöhten EEG-Umlage belastet werden. Dafür gebe es auch ökonomische Argumente. Netzagentur-Präsident Matthias Kurth rief die Verbraucher auf, die Angebote am Strommarkt genau zu prüfen und gegebenenfalls zu einem günstigeren Anbieter zu wechseln.

Ähnlich äußerte sich auch der Bundesverband Neuer Energieanbieter (BNE). "Wem seine Stromrechnung zu hoch ist, der kann inzwischen einfach und problemlos zu einem neuen, günstigeren Stromanbieter wechseln". Es sei ein Fortschritt, dass die Öko-Umlage, die von den Betreibern der Übertragungsnetze berechnet werde, nun klar und transparent veröffentlicht werde.

mg/dpa-afx/rtr/dapd