Sieg im Honorarstreit Kassenärzte handeln Milliardenplus aus

Die Versicherten sollen das riesige Finanzloch bei den Krankenkassen stopfen, auf der anderen Seite stehen die Gewinner: die Kassenärzte. Sie haben sich mit ihrer Forderung nach deutlich höheren Honoraren durchgesetzt - und bekommen insgesamt über eine Milliarde Euro mehr.
Hausarzt mit Patient: Deutlich mehr Geld für 150.000 niedergelassene Ärzte

Hausarzt mit Patient: Deutlich mehr Geld für 150.000 niedergelassene Ärzte

Foto: AP

Berlin - Der Bundesregierung mangelt es kaum an umstrittenen Vorhaben, doch eines stand besonders im Kreuzfeuer der Kritik: die kürzlich verabschiedete Gesundheitsreform, die vor allem den Beitragszahlern Opfer für die Sanierung der maroden Krankenkassenfinanzen abverlangt. Das Ergebnis der jüngsten Honorarverhandlungen von Krankenkassen und Ärzten dürfte den Unmut über die höheren Belastungen für Versicherte jetzt weiter steigern. Die rund 150.000 niedergelassenen Ärzte in Deutschland sollen im kommenden Jahr über eine Milliarde Euro mehr verdienen, teilte der Kassenverband mit.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung wies die Summe als irreführend zurück. "Das stimmt nicht", sagte ein Sprecher. Am kommenden Montag sollen weitere Details geklärt werden. Namentlich nicht genannte Teilnehmer sagten aber, das Honorar steige sogar um bis zu 1,3 Milliarden Euro.

In den Verhandlungen ging es vor allem um die regionale Verteilung der Ärztehonorare. Wegen der zuletzt im Vergleich geringeren Zuwächse in Süd- und Westdeutschland forderten die Ärzte aus diesen Regionen einen größeren Aufschlag. Die Bundesregierung hatte beide Seiten zu einem Ergebnis gedrängt. Ärzte in Bayern, Baden-Württemberg und dem Rheinland sollen nun 500 Millionen mehr bekommen werden.

"Ärzte bekommen Rekordhonorar"

Die Kassen seien in der Sitzung überstimmt worden, erklärte ein Teilnehmer der Verhandlungen. In ihrem Gremium - dem Erweiterten Bewertungsausschuss - kann der unabhängige Sachverständige Jürgen Wasem mit einer Seite stimmen und so den Ausschlag geben, wenn es kein Einvernehmen gibt. Genau dies scheint nun geschehen zu sein.

Die Ärzte hatten mehr als zwei Milliarden Euro zusätzlich verlangt, die Kassen forderten eine Nullrunde. Bereits 2009 war das Honorar der Praxisärzte nach Kassenangaben im Vergleich zum Vorjahr um 6,3 Prozent auf 30,8 Milliarden Euro gestiegen.

Die Kassen wurden in der Sitzung überstimmt und reagierten enttäuscht. "Die Ärzte stehen 2011 wieder vor einem Rekordhonorar und die Beitragszahler müssen das über die von der Bundesregierung beschlossene Beitragserhöhung finanzieren", kritisierte der Sprecher des Kassenverbands, Florian Lanz. Sein Fazit: "Das ist eine Lösung im Interesse der Ärzte und nicht im Interesse der Beitragszahler."

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