Samstag, 28. März 2020

Arbeitsmarktprognose Deutschland droht Wachstumseinbruch durch fehlende Fachkräfte

Schweißer in Hamburg: Vielen Regionen gehen die Arbeitskräfte aus

Schon in 15 Jahren könnten Arbeitskräfte zur Mangelware geworden sein. Eine neue Studie zeigt, was das für einzelne Bundesländer bedeutet. Besonders düster sind die Aussichten für Thüringen.

Deutschland droht in naher Zukunft ein Mangel von fast acht Millionen Arbeitskräften, der zu wirtschaftlichen Einbußen von bis zu 550 Milliarden Euro führen könnte. Selbst bei optimistischen Grundannahmen könnte das Wirtschaftswachstum im Verhältnis zu Vergangenheitswerten von durchschnittlich 1,3 auf nur noch 0,5 Prozent pro Jahr sinken. Das geht aus einer Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting Group hervor, die am Freitag veröffentlicht wird.

In der Untersuchung werden verschiedene Szenarien für den deutschen Arbeitsmarkt und die damit verbundene wirtschaftliche Entwicklung berechnet. Schon im vergleichsweise optimistischen Basisszenario wartet auf Deutschland im Jahr 2030 eine Arbeitskräftelücke von 6,1 Millionen.

"Vor allem in den neuen Bundesländern wird der Mangel zum großen Problem werden", sagt Rainer Strack, CG-Senior- Partner und einer der Autoren der Studie. "Den Verlust von bis zu einem Fünftel der Arbeitskräfte werden diese Regionen kaum verkraften, ohne in ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit erheblichen Schaden zu nehmen."

Am größten wäre die Lücke in Thüringen: Dort könnten 28 Prozent der eigentlich benötigten Arbeitskräfte fehlen, die Wirtschaftsleistung würde um rund zehn Milliarden Euro gedrückt.

Um den Fachkräftemangel zu bekämpfen, fordern die Autoren eine deutliche Ausweitung der Erwerbsquoten von Älteren, Frauen und Migranten. Zudem müssten mehr als doppelt so viele Zuwanderer in Deutschland aufgenommen werden wie bislang. Strack zufolge sollten Firmen ihre Versorgung mit qualifizierten Mitarbeitern künftig ähnlich intensiv überwachen wie ihre Finanzen. "Wir brauchen eine langfristige Personalplanung - das gilt für Unternehmen wie auch für Deutschland."

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