Umstrittene Minister-Geste Mittelfinger wird für Varoufakis zum Test der Glaubwürdigkeit

Von mm-newsdesk
Varoufakis in dem umstrittenen Youtube-Video: Der ausgestreckte Mittelfinger sei hineinmontiert worden, behauptete der griechische Finanzminister bei Günther Jauch.

Varoufakis in dem umstrittenen Youtube-Video: Der ausgestreckte Mittelfinger sei hineinmontiert worden, behauptete der griechische Finanzminister bei Günther Jauch.

Ein "Stinkefinger" als Glaubwürdigkeitstest: Griechenlands Finanzminister Giannis Varoufakis ist auch am Montag bei seinem Vorwurf geblieben, ein in der Talkshow "Günther Jauch" gezeigtes Video der obszönen Geste von ihm gegen Deutschland sei eine Fälschung. Während Jauchs Team keinen Zweifel an der Echtheit des Films hat, wirft der streitbare Minister der Redaktion böse Absichten vor.

Der aus Athen live zugeschaltete Varoufakis war Sonntagabend bei Jauch zum ersten Mal Gast in einer deutschen Talkshow. 5,22 Millionen Menschen in Deutschland schauten laut ARD dabei zu. Ein Einspielfilm über Varoufakis' Werdegang und Positionen zeigte eine nach Angaben von Moderator Jauch im Jahr 2013 entstandene Aufnahme des seit Januar amtierenden griechischen Finanzministers bei einer Konferenz in Zagreb.

Darin sagte Varoufakis, Griechenland solle Deutschland den Finger zeigen und sagen, "ihr könnt das Problem selbst lösen". Bei diesen Worten ist Varoufakis mit der obszönen Geste des ausgestreckten Mittelfingers zu sehen.

Varoufakis sagte in der Live-Sendung, der Finger sei in das Video montiert worden, "ich habe so etwas nie gemacht". Dagegen bekräftigte Jauchs' Firma I&U nach ersten Prüfungen am Montag, sie halte den Beitrag für echt. Es gebe bisher "keinerlei Anzeichen", dass das in der Sendung am Sonntagabend gezeigte Video mit der obszönen Geste wie von Varoufakis behauptet eine Fälschung sei. Mehrere Internetexperten prüften aber weiterhin die Echtheit des Videos. Wann mit einem abschließenden Ergebnis zu rechnen ist, ließ das Team Jauchs offen.

Varoufakis erneuert Fälschungsvorwurf

In einem Gespräch mit "Spiegel online" erneuerte Varoufakis am Montag den Fälschungsvorwurf. "Das Video wurde ohne jeden Zweifel gefälscht." Dabei unterstellte er der Jauch-Sendung böse Absicht. "Es ist der beklagenswerte Versuch, eine TV-Show zu torpedieren, in der ich versucht habe, dem deutschen Publikum eine Hand der Freundschaft anzubieten." Außerdem warf der Minister Jauch vor, mit Absicht auf gefälschte Bilder zugegriffen zu haben. "Es ist unvorstellbar, dass sie nicht wussten, dass das Video gefälscht wurde."

Dagegen wies auch Alessandro Del Prete, der einen sechsminütigen Beitrag mit der strittigen Szene bei Youtube veröffentlicht hatte, den Fälschungsvorwurf über den Kurznachrichtendienst Twitter zurück. Es sei absolut keine Fälschung. Er habe aus 57 Minuten Material einen sechsminütigen Beitrag geschnitten. Termin der Äußerungen sei der 15. Mai 2013 gewesen, schrieb Del Prete.

Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU), der zu den Teilnehmern der Talkrunde gehörte, sagte der Online-Ausgabe des "Handelsblatt", er vertraue der Recherche der Redaktion von Jauch. "Das würde bedeuten, dass Herr Varoufakis offensichtlich im deutschen Fernsehen die Unwahrheit gesagt hat." Dies wäre ein Problem der Glaubwürdigkeit für die gesamte griechische Regierung. "Es wird jeden Tag schwieriger, Herrn Varoufakis noch als seriösen Verhandlungspartner zu akzeptieren."

Varoufakis hatte in der Sendung außerdem die Finanznöte seines Landes als "unbedeutende kleine Liquiditätsprobleme" bezeichnet und dafür geworben, den zuletzt scharfen Umgangston in der Schuldenkrise wieder zu entspannen. "Europa ist unser Haus", sagte er mehrfach.

More Money, more Problems - wer hat´s gesagt?

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.