Samstag, 7. Dezember 2019

Müllers Memo Wir müssen viel besser werden

Studenten in Leipzig: Nur 27 Prozent der 25- bis 64-Jährigen in Deutschland haben einen Hochschulabschluss. Der OECD-Schnitt liegt bei 33 Prozent

Eine Wachstumsstrategie für Deutschland: Wir müssen deutlich mehr Geld für Bildung ausgeben, gerade jetzt. Ertragreichere Investitionen gibt es nicht. Statt dessen versucht der Staat, Hochschulbildung zu bremsen - absurd.

Hamburg - Der Bazar ist eröffnet: Die Konjunktur lahmt, die Angst vor Deflation geht um, und während die Finanzmärkte auf die nächsten geldpolitischen Gehhilfen durch die Europäische Zentralbank (EZB) warten, die am Donnerstag über den weiteren Kurs befindet, streitet das politische Deutschland darüber, ob und wie der Staat gegensteuern soll. Investieren, Sparen, Steuern senken, "Strukturreformen" (was immer damit gemeint ist) - darf's noch etwas mehr sein?

Es ist nur so: All diese Maßnahmen werden wenig bringen, solange die Deutschen eine alternde, mäßig gebildete Gesellschaft bleiben. Ohne ein Upgrading der Demographie und des Arbeitsmarktes wird die Wirtschaftsnation unweigerlich erschlaffen. Sicher, Straßen sind löchrig, Brücken wackelig, Bahntrassen ruckelig. Aber ohne Investitionen in Menschen, in die nächsten Generationen, bleiben Infrastrukturprojekte sinnlose Anhäufungen von Steinen und Beton.

Es braucht eine produktivitätsorientierte Bildungspolitik, als dritte Säule einer Wachstumsstrategie neben einer entschlossenen Integrationsstrategie und einer flexibleren Tarifpolitik.

Nur so lässt haben wir die Chance verhindern, dass der Wachstumspfad Richtung Nulllinie abfällt.

Deutschland hat zu wenig Uni-Absolventen

Woraum es geht? In den meisten westlichen Ländern und in vielen Schwellenländern ist die jüngere Generation viel besser ausgebildet als die ihrer Eltern. Nicht so in Deutschland: Bislang verharrt der Akademikeranteil auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Die Bundesrepublik hinkt auf dem Sonderweg der dualen Berufsausbildung der internationalen Konkurrenz hinterher.

Nur 27 Prozent der 25- bis 64-Jährigen haben einen Hochschulabschluss. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 33 Prozent. Topperformer wie Finnland oder Israel kommen auf weit höhere Werte: 38 Prozent respektive 45 Prozent.

Die OECD, der Club der reichen Länder, hat eine große Zahl von Bildungsindikatoren zusammengetragen. Sie zeigen: Wir sind Durchschnitt, international gesehen. Für eine Volkswirtschaft, die sich selbst an der Spitze wähnt, ist das zu wenig.

Immerhin, inzwischen steigen auch in Deutschland die Studentenzahlen. Aber statt diese gute Entwicklung zu unterstützen, versuchen Bundesregierung und Arbeitgeber gegenzusteuern.

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