Erste Dax-Bilanz zu Flüchtlingsjobs 29 Dax-Konzerne stellen insgesamt 4 Flüchtlinge ein

Dieter Zetsche. Der Mercedes-Chef zeigte sich offen für Flüchtlinge - bislang hat sein Konzern aber noch keinen einzigen eingestellt

Dieter Zetsche. Der Mercedes-Chef zeigte sich offen für Flüchtlinge - bislang hat sein Konzern aber noch keinen einzigen eingestellt

Foto: Bongarts/Getty Images

Die Hoffnungen waren riesig, und auch an Motivation schien es nicht zu fehlen. "Die meisten Flüchtlinge sind gut ausgebildet und motiviert. Solche Leute suchen wir", zeigte sich Daimler-Chef Zetsche noch im September zuversichtlich. Und in der Initiative "Wir zusammen"  taten sich 90 Unternehmen zusammen, um die Integration der Neuankömmlinge voranzutreiben.

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Was deren Integration in den 30 Dax-Konzernen angeht, fällt die Bilanz bislang aber ernüchternd aus. Laut einer Umfrage der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" unter den 30 größten Unternehmen haben bislang nur drei Konzerne überhaupt Flüchtlinge angestellt.

Und das auch in eher bescheidenem Ausmaß: Während bei der Deutschen Post (Kurswerte anzeigen) bis Anfang Juni 50 Flüchtlinge unterkamen (viele davon in Sortier-Zentren), brachten es die verbliebenen 29 Dax-Konzerne gerade einmal auf vier Einstellungen.

Jeweils zwei davon beim Walldorfer Software-Konzern SAP (Kurswerte anzeigen) sowie beim Darmstädter Pharmahersteller Merck (Kurswerte anzeigen), wo die beiden Betroffenen Jobs im Lager sowie im Management gefunden haben.

Und das bei einem Kreis von Unternehmen, die zusammen jährlich mehr als 1,1 Billionen Euro umsetzen und rund 3,5 Millionen Menschen beschäftigen.

Als Grund für die ausbleibende Einstellung geben mehrere von manager-magazin.de befragte Unternehmen die mangelnden Deutschkenntnisse vieler Flüchtlinge an. Sowie fehlende formale Berufsqualifikationen der häufig noch sehr jungen Menschen aus den Kriegs- und Krisengebieten.

Drei von vier Flüchtlingen ohne formale Berufsausbildung

Selbst für die Aufnahme einer Ausbildung ist nach Einschätzung vieler Konzerne zunächst noch Vorarbeit nötig. "Die sofortige Aufnahme einer dualen Berufsausbildung ist für die meisten Flüchtlinge nach unserer Erfahrung nicht realistisch, da sowohl das Sprachvermögen als auch die schulischen Vorkenntnisse dafür in der Regel nicht ausreichen", heißt es beispielsweise bei Bayer.

Bislang hat der Leverkusener Konzern nach eigenen Angaben aktuell noch keinen einzigen Flüchtling eingestellt. Allerdings haben sich mittlerweile 9 Flüchtlinge für eine Ausbildungsvorbereitung qualifiziert. Auch andere Konzerne setzen auf entsprechende Ausbildungsvorbereitungen - allerdings in ähnlich übersichtlichem Ausmaß.

Auch Praktika werden von vielen Dax-Konzernen angeboten - als möglicher Weg für die Geflüchteten, später vielleicht doch noch einen festen Job im Unternehmen zu ergattern.

So bietet Daimler in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit beispielsweise so genannte Brückenpraktika an, bei denen die Teilnehmer neben einem Einblick ins Berufsleben auch jeden Tag mehrere Stunden Deutsch lernen.

Zwei Absolventen dieser Praktika werden bei Daimler im Herbst eine Ausbildung beginnen, teilte der Konzern mit. Zudem will der Konzern 50 zusätzliche Ausbildungsplätze einrichten, da die Teilnehmer der Brückenpraktika sich als "sehr wissbegierig und motiviert" erwiesen hätten.

Kürzlich hatte die Bundesagentur für Arbeit erstmals eine eine Statistik zur Arbeitssituation unter Flüchtlingen  vorgelegt. Demnach waren im Juni 297.000 Geflüchtete als arbeitsuchend registriert. Viele von Ihnen allerdings in Integrationskurse oder Fortbildungen involviert. Als offiziell arbeitslos wurden 131.000 geführt.

Der Großteil der arbeitsuchenden Flüchtlinge ist demnach männlich (76 Prozent) und zu einem großen Teil jünger als 30 Jahre (47 Prozent). Rund ein Viertel der Arbeitssuchenden (26 Prozent) hat demnach keinen Hauptschulabschluss. 74 Prozent haben keine formale Berufsausbildung. Abitur beziehungsweise eine Hochschulreife können 26 Prozent der Arbeitssuchenden nachweisen, 9 Prozent zudem eine akademische Ausbildung.

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