Trotz des Krieges Deutsche Industrie hält 2,5 Prozent Exportwachstum für möglich

Die deutsche Industrie zeigt sich vor Beginn der Hannover-Messe zuversichtlich, trotz des Krieges in der Ukraine in diesem Jahr wieder ein Exportwachstum zu schaffen. Allerdings nur unter zwei Bedingungen.
Deutsche Industrie: Exportwachstum möglich

Deutsche Industrie: Exportwachstum möglich

Foto: Hendrik Schmidt/DPA

Trotz des Ukraine-Krieges hält die deutsche Industrie in diesem Jahr ein Exportwachstum von 2,5 Prozent für möglich. Allerdings gebe es dafür zwei Voraussetzungen, sagte der Präsident des Branchenverbandes BDI, Siegfried Russwurm, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Lieferkettenprobleme müssten in der zweiten Jahreshälfte deutlich abnehmen.

Weitere Bedingung: "Es gibt kein Gasembargo. Das würde unser Wachstum abwürgen und die Wirtschaft in die Rezession schicken", sagte Russwurm. Das Wachstum werde bereits durch den Krieg, gestörte Lieferketten und teure Rohstoffe geschwächt.

Kurz vor Eröffnung der internationalen Industrieschau Hannover-Messe am Sonntagabend zeigte sich Russwurm insgesamt optimistisch. «Ich blicke einigermaßen zuversichtlich in die Zukunft, obwohl ich weiß, dass dieser Krieg nicht nur eine menschliche Tragödie ist, sondern auch unsere Unternehmen vor gewaltige Herausforderungen stellt.» Im Ideenaustausch vieler Menschen auf einer Messe liege eine große Kraft.

Maschinenbauer senken Produktionsziele für 2022

Deutschlands Maschinenbauer senken unterdessen zum zweiten Mal ihre Produktionsziele für 2022. "Wir müssen die Jahresprognose wohl erneut korrigieren", sagte der Präsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Karl Haeusgen, der "Welt am Sonntag". Es sei schon extrem, wie schnell sich die Lage eingetrübt habe. "Zum Jahreswechsel hatten wir mit sieben Prozent Wachstum für 2022 gerechnet, das mussten wir dann im März auf vier Prozent korrigieren", erläuterte Haeusgen im Interview. "Aber selbst das lässt sich nicht mehr halten."

Haeusgen begründete den Schritt mit vielen Risiken - vom Ukraine-Krieg über den Lockdown in China bis hin zur Inflation und gestörten Lieferketten. "Uns trifft vor allem der Materialmangel", sagte der VDMA-Chef vor der am Sonntag beginnenden Hannover Messe, der weltweit größten Industrieschau. "Den Unternehmen fehlen Halbleiter und etliche andere Elektronik-Bauteile." Aber auch bei Metallen und Kunststoffen spitze sich die Lage wieder zu. "Und da hat der China-Lockdown für uns wesentlich heftigere Auswirkungen als der russische Angriffskrieg." Der notwendige Nachschub aus Asien komme nicht in den Betrieben an, dazu würden die dort festsitzenden Container an allen Ecken und Enden fehlen.

la/dpa
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