Ex-Briten-Premier David Cameron beriet Greensill für 40.000 Dollar am Tag

Sein Mitwirken im Pleiteskandal der Finanzfirma Greensill Capital hat David Cameron bereits einen ordentlichen Imageschaden zugefügt. Jetzt wird bekannt, welch fürstliches Honorar Großbritanniens Ex-Premier dabei kassierte.
Lobbyist für Pleitefirma: Ex-Premier David Cameron kassierte bei Greensill groß ab

Lobbyist für Pleitefirma: Ex-Premier David Cameron kassierte bei Greensill groß ab

Foto: HANNAH MCKAY / REUTERS

Erst kommt die Politkarriere, dann das große Geldverdienen, mit Vortrags- oder Buchhonoraren, Beraterverträgen, Jobs in der Wirtschaft und ähnlichem - diese Abfolge haben bereits viele (ehemalige) Spitzenpolitiker vorexerziert. Der frühere britische Premierminister David Cameron (54) macht da keine Ausnahme - im Gegenteil: Einem Bericht der "Financial Times " zufolge hatte Cameron einen überaus lukrativen Beratervertrag mit der britisch-australischen Finanzfirma Greensill Capital, die inzwischen zusammengebrochen ist.

Cameron betrieb für die Firma bis zu deren Kollaps Lobbyarbeit in London. Dabei ging es vor allem um ein Hilfsprogramm der britischen Regierung für Unternehmen, die von der Corona-Krise getroffen wurden. London stellte solchen Firmen im großen Stil Hilfskredite zur Verfügung - und Cameron nutzte seine politischen Kontakte, um auch Greensill als Verteiler solcher Kredite ins Spiel zu bringen.

Diesen Job ließ sich der Ex-Premier laut "FT" großzügig von dem Finanzunternehmen vergüten. Mehr als eine Million Dollar pro Jahr habe Cameron von Greensill kassiert, zitiert die Zeitung zwei mit der Sache vertraute Quellen. Da in dem Vertrag ein Einsatz von 25 Arbeitstagen für den Berater vereinbart worden sei, habe Camerons Tagessatz bei stattlichen 40.000 Dollar gelegen.

David Cameron ist durch seine Verbindung zu Greensill ohnehin in einen umfangreichen Lobby-Skandal geraten. Die Enthüllung seiner großzügigen Salärs dürfte sein Bild in der Öffentlichkeit kaum verbessern. Zumal auch seine Erfolge für Greensill zweifelhaft erscheinen: Zwar gelang es Cameron, Greensill in das Corona-Hilfsprogramm der britischen Regierung zu lotsen. Allerdings durfte die Firma ausschließlich Kredite an große Unternehmen verteilen, nicht an kleine und mittlere.

Was tat also die Firma des australischen Finanzunternehmers Lex Greensill (44)? Sie verteilte ihr komplettes, von Steuerzahlern besichertes Kreditvolumen von 400 Millionen Pfund an Unternehmen des indischen Stahl- und Bergbaumagnaten Sanjeev Gupta (50). Guptas Konglomerat befindet sich Medien zufolge in finanziellen Schwierigkeiten - unklar also, wie viel von ihren Darlehen die Briten am Ende wiedersehen werden.

Cameron ist indes laut "FT" zwar der höchstbezahlte Mann auf Greensills Lohnliste, aber keineswegs der einzige prominente Ex-Politiker. Auch die frühere australische Außenministerin Julie Bishop (64) lobbyierte demnach für die Finanzfirma - zu einem Honorar von hochgerechnet ebenfalls beachtlichen mehr als 600.000 Dollar im Jahr.

cr
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.