Putins Tochter bereits geimpft Russland lässt weltweit ersten Covid-Impfstoff zu

Wladimir Putin gibt den Pionier: Ein in Moskau entwickelter Covid-19-Impfstoff wurde als erster weltweit zugelassen - vorbei am etablierten Prüfverfahren.
Forschung an Corona-Impfung in Labor der Biotech-Firma Biocad in Sankt Petersburg

Forschung an Corona-Impfung in Labor der Biotech-Firma Biocad in Sankt Petersburg

Foto: Anton Vaganov/ REUTERS

Russland hat nach den Worten von Präsident Wladimir Putin (67) den weltweit ersten Corona-Impfstoff zugelassen. Das Mittel, das das Moskauer Gamaleja-Institut entwickelt hatte, habe die Freigabe des Gesundheitsministeriums erhalten, sagte Putin. Seine Tochter sei bereits geimpft worden. Er hoffe, dass die Massenproduktion bald gestartet werden könne. Der Impfstoff wurde nach weniger als zwei Monaten Erprobung am Menschen zugelassen.

Das Vorpreschen der Russen ist umstritten, weil es vom anerkannten Verfahren abweicht. Üblich sind klinische Tests in drei Phasen, um zu prüfen, ob Impfstoffe wirken, wie sie zu dosieren sind und welche Nebenwirkungen sie haben. Vor allem die abschließenden Phase-III-Studien mit einer großen Zahl von Teilnehmern gelten als wichtig, um die Wirkung auf Patienten verschiedenen Alters und Gesundheitszustands zu prüfen, bevor ein Impfstoff für die Allgemeinheit zugelassen wird.

Mehrere Forscherteams weltweit arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff gegen Covid-19, einige sind bereits in Phase III fortgeschritten. In der Pharmaindustrie gibt es unterschiedliche Ansichten, ob eine Zulassung noch in diesem Jahr zu schaffen ist.

Philippinen hoffen auf Gratisdeal mit Russland

Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte (75) lobte Russlands Vorgehen. "Ich werde Putin sagen, dass ich hohes Vertrauen in ihre Studien habe und glaube, dass der von ihnen produzierte Impfstoff wirklich gut für die Menschheit ist", erklärte er am Montagabend im Fernsehen. Die schwer von der Corona-Pandemie getroffenen Philippinen haben sich bereits mit Russland auf eine Lieferung des Impfstoffs noch im August und eine Massenproduktion vor Ort geeinigt. Die Philippinen stünden auch für Studien bereit, um die Sicherheit des Mittels nachträglich zu bestätigen. "Ich kann der Erste sein, mit dem sie experimentieren", versprach Duterte. Er äußerte die Hoffnung, dass sein Land gratis mit dem Impfstoff versorgt werde.

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Foto: Gonzalo Fuentes / Pool / Reuters / AP / dpa

Die Entwicklungsländer, wo inzwischen die weitaus meisten Infektionen gezählt werden, fürchten bei der Verteilung der weltweit gefragten Impfstoffe leer auszugehen. Mehrere reiche Staaten haben mit Pharmakonzernen und Biotechfirmen bereits milliardenschwere Lieferverträge für deren Impfstoffkandidaten geschlossen. Die Preise haben eine weite Spanne. Laut dem italienischen Gesundheitsministerium kostet eine Dosis des von der Universität Oxford entwickelten und von Astra Zeneca vermarkteten Impfstoffs 2,50 Euro. Die US-Biotechfirma Moderna verlangt bis zu 74 Dollar pro Person, sieht das aber als wohltätige Aktion mit einem Preis "deutlich unter Wert" an.

ak/Reuters