Russland Auch Sputnik-Impfstoff zu 92 Prozent wirksam

Ein zweiter Corona-Impfstoff hat sich in der klinischen Studie bewährt. Dieses Zwischenergebnis meldet zumindest der russische Staatsfonds für sein Projekt "Sputnik V".
Impfkampagne läuft: Medizinisches Personal wird wie hier im russischen Tver im Oktober bereits mit "Sputnik V" geimpft.

Impfkampagne läuft: Medizinisches Personal wird wie hier im russischen Tver im Oktober bereits mit "Sputnik V" geimpft.

Foto: TATYANA MAKEYEVA / REUTERS

Nur zwei Tage nach dem Corona-Impfstofferfolg der Pharmafirmen BioNTech und Pfizer  hat Russland ebenfalls Daten für seinen Impfstoff "Sputnik V" vorgelegt. Dieser zeige eine 92-prozentige Wirksamkeit beim Schutz vor Covid-19, teilte der russische Staatsfonds RDIF am Mittwoch unter Berufung auf Zwischenergebnisse einer Studie mit. "Wir haben einen sehr wirksamen Impfstoff", sagte Kirill Dmitriev, Leiter des Staatsfonds, der die Forschung finanziert.

Russland hatte mit "Sputnik V" bereits im August als weltweit erstes Land einen Corona-Impfstoff zugelassen und damit die Kritik von Experten auf sich gezogen, da dieser erst weniger als zwei Monate an Menschen getestet worden war. Nun ziehen die Russen im Rennen um den Corona-Impfstoff fast demonstrativ gleich.

Um die Wirksamkeit der neu entwickelten Impfstoffe bewerten zu können, werden sie in umfangreichen klinischen Studien untersucht. Die Sicherheit und Dosierung der Mitteln ermitteln Forscher dabei in frühen Studien mit wenigen Probanden, später folgen dann die Massenstudien. BioNTech und Pfizer hatten am Montag als weltweit erstes Unternehmen positive Zwischenergebnisse aus einer entscheidenden Studie dieser Phase III verkündet, an der insgesamt knapp 44.000 Probanden teilnehmen. Demnach bot ihre Impfung einen mehr als 90-prozentigen Schutz vor Covid-19.

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Diese Impfstoffprojekte gegen Covid-19 sind am weitesten

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Russland veröffentlichte nun Zwischenergebnisse einer großen Studie, die im September gestartet war. Laut RDIF basieren sie auf den Daten von 16.000 Probanden, die zwei Dosen des Impfstoffs erhielten. Die Zwischenanalyse erfolgte, nachdem 20 Teilnehmer der Studie Covid-19 entwickelt hatten. Das ist deutlich weniger als die 94 Fälle, auf denen die Zwischenergebnisse von BioNTech und Pfizer beruhten. Statistisch bergen kleinere Fallzahlen höhere Unsicherheiten. So waren auch BioNTech und Pfizer schon in die Kritik geraten, weil sie ursprünglich bereits nach 32 Probanden eine erste Zwischenanalyse vermelden wollten.

Experten: "Das ist kein Wettbewerb"

In beiden Fällen können außenstehende Wissenschaftler die Ergebnisse nur anhand der Pressemitteilungen beurteilen, da die Datensätze der Studie nicht öffentlich sind. Im Fall von BioNTech und Pfizer aber ist immerhin das Studiendesign transparent.

Experten bezeichneten die russischen Daten als ermutigend. Sie wiesen aber darauf hin, dass sie nur auf einer kleinen Anzahl von Studienteilnehmern beruhten. "Es gab sicher politischen Druck, nach den Pressemitteilungen von Pfizer und BioNTech Anfang der Woche jetzt mit eigenen Zahlen nachzuziehen", sagte Bodo Plachter, stellvertretender Direktor des Instituts für Virologie an der Universität Mainz. "Man braucht sicherlich eine längere Beobachtungsdauer, um valide Aussagen sowohl über die Wirkung als auch die Nebenwirkungen machen zu können." Das gilt nach Plachters Einschätzung aber auch für die Daten von Pfizer und BioNTech.

Da die zahlreichen Impfstoffkandidaten zwar unterschiedliche Techniken verwenden, aber oft die gleiche Stelle des Virus angreifen - das sogenannte Spike-Protein - ist nach Einschätzung mancher Experten auch eine ähnliche Wirksamkeit zu erwarten. Wenn sich die Zwischenergebnisse der Studien bestätigen, bestünde also Hoffnung auf mehrere gleichermaßen wirksame Impfstoffe.

Wissenschaftler appellierten, die verschiedenen Impfstoffkandidaten nicht gegeneinander zu stellen. "Das ist kein Wettbewerb. Wir müssen alle Versuche nach den höchstmöglichen Standards durchführen", sagte Eleanor Riley, Professorin für Immunologie und Infektionskrankheiten an der Universität von Edinburgh. "Alles andere riskiert einen öffentlichen Vertrauensverlust in alle Impfstoffe. Das wäre eine Katastrophe."

Lieferabkommen mit mehreren großen Staaten

Die Studie mit dem russischen Impfstoff, der vom staatlichen Gamaleja-Institut in Moskau entwickelt wurde, soll insgesamt rund 40.000 Teilnehmer umfassen. Bislang wurden laut RDIF keine ernsten Nebenwirkungen festgestellt. Vor dem Start der Studie hat Russland allerdings bereits 10.000 Menschen aus Hochrisikogruppen mit "Sputnik V" geimpft. Aus PR-Gründen hatte auch Wladimir Putins (68) Tochter Katerina Tichonowa (34) eine Impfung erhalten. Weitere Studien laufen in Belarus, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Venezuela und Indien. Mit einigen großen Schwellenländern wie Brasilien, Indien, Mexiko und Argentinien hat Russland bereits Lieferabkommen geschlossen.

Präsident Putin hatte bereits angekündigt, er rechne damit, bis Jahresende mit Massenimpfungen starten zu können. Zwei weitere Impfstoffprojekte laufen. Der Name des Impfstoffs "Sputnik V" ist eine Referenz an den ersten Satelliten im Weltraum. Die damalige Sowjetunion hatte damit ihren Vorsprung vor den USA im Wettlauf um die Vorherrschaft im All demonstriert. Am Mittwoch meldete Russland mit 432 Virus-Toten an einem Tag einen neuen Höchstwert.

ak/reuters
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