19.059 Corona-Neuinfektionen in Deutschland Bund und Länder bereiten sich auf den Notfall vor

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Deutschland steigt erstmals über 19.000 am Tag - in den USA springt sie über die Marke von 100.000. Bund und Länder vereinbaren, im Notfall Covid-19-Intensivpatienten deutschlandweit zu verteilen.
Ein Mitarbeiter eines Corona-Testzentrums auf dem Messegelände in Marburg nimmt von einem Autofahrer durch das Fahrerfenster einen Abstrich

Ein Mitarbeiter eines Corona-Testzentrums auf dem Messegelände in Marburg nimmt von einem Autofahrer durch das Fahrerfenster einen Abstrich

Foto: Boris Roessler / dpa

Noch Ende September hatte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gewarnt, dass es zu Weihnachten 19.200 Neuinfektionen am Tag geben könnte, nun könnte die Schwelle von 20.000 schon an diesem Wochenende erreicht werden: Das Robert Koch-Institut meldete am Samstag von den Gesundheitsämtern 19.059 regstrierte Neuinfektionen. Die veröffentlichte Zahl ist die bislang höchste seit Ausbruch des Coronavirus. Die Werte sind allerdings nur begrenzt mit denen vom Frühjahr vergleichbar, da damals weitaus weniger Tests gemacht wurden.

Insgesamt haben sich dem RKI zufolge seit Beginn der Pandemie bundesweit 518.753 Menschen mit Sars-CoV-2 infiziert (Stand: 31.10., 00.00 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus stieg bis Samstag um 103 auf insgesamt 10.452.

Bei einer starken Zunahme von Intensivpatienten mit einer Covid-19-Erkrankung wollen Bund und Länder bei knappen Kapazitäten künftig zwischen den Bundesländern verteilen. "Entwickelt sich eine Lage, die eine Verlegung über die Nachbarländer beziehungsweise angrenzende Regionen hinaus erforderlich macht, findet ein sogenanntes Kleeblattprinzip Anwendung", heißt es im Konzept des Bundesinnenministeriums, das den Zeitungen der Funke Mediengruppe vorliegt.

Bund und Länder wollen Intensivpatienten zur Not deutschlandweit verteilen

Demnach würde Deutschland dazu in fünf Großregionen aufgeteilt, die sich gegenseitig bei der Übernahme von Patienten per Rettungswagen oder Hubschrauber unterstützen sollen. Im Norden haben sich laut Konzept Hamburg, Bremen, Niedersachen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern zusammengeschlossen. Im Osten sind es Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Im Südwesten sollen sich Hessen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und das Saarland gegenseitig unterstützen. Die bevölkerungsreichsten Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Bayern bilden demnach eigene Großregionen.

Sollte sich in einem Bundesland oder einer Region eine starke Beanspruchung abzeichnen oder sogar eine Überlastung eintreten, werde über zentral eingerichtete Stellen in den Regionen der überregionale Patiententransport in aufnahmefähige Regionen organisiert. Auf diese Weise würden Patienten auch bei einer starken Belastung der Kliniken die bestmögliche medizinische Versorgung erhalten. Wie ein Sprecher des Bundesinnenministeriums erklärte, seien Bund und Länder in der Lage, das Konzept jederzeit zu starten.

Der Anteil an Covid-19-Patienten, die intensivmedizinisch behandelt werden müssen, liege mit 7 bis 8 Prozent aller Infizierten relativ hoch, heißt es im Konzept des Innenministeriums. "Daher werden bei steigenden Fallzahlen die Kapazitätsgrenzen in der Intensivmedizin als erstes überschritten." In den vergangenen Tagen hatten bereits die ersten Kliniken Alarm geschlagen und vor einer baldigen Überlastung gewarnt.

CDU schließt weitere Einschränkungen nicht aus

Bund und Länder hatten sich am Mittwoch auf massive Kontaktbeschränkungen verständigt, um die rasche Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen. Ab Montag müssen Gastronomie sowie Freizeit-, Kultur- und Sporteinrichtungen schließen. Der Handel sowie Schulen und Kitas sollen geöffnet bleiben. Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus schließt eine Verschärfung der Corona-Maßnahmen allerdings nicht nicht aus. Zwar sei der Plan, dass es vor Weihnachten wieder zu Lockerungen komme, sagte der CDU-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstag). Garantieren könne das aber niemand. "Viel wird davon abhängen, ob alle mitziehen." Dann habe man eine gute Chance, auf weitere Verschärfungen verzichten zu können. "Wenn aber flächendeckend die Leute ihr Ding machen, dann kriegen wir ein Problem", sagte der Politiker.

USA verzeichnen mehr als 100.000 Neuinfektionen am Tag

In den USA liegt die Zahl der neuen Positiv-Tests erstmals über der Marke von 100.000, wie Reuters-Berechnungen ergeben. Demnach fielen Corona-Tests in 100.233 Fällen positiv aus. Tags zuvor lag die Zahl noch bei 91.000. Der bisherige weltweite Höchstwert wurde im September in Indien erfasst mit 97.894 neuen Fällen binnen 24 Stunden. In den USA beläuft sich die Gesamtzahl der Positiv-Tests mittlerweile auf mehr als neun Millionen, wie Berechnungen auf Basis offizieller Daten zeigen. Dies entspricht fast drei Prozent der Gesamtbevölkerung. Fast 230.000 Menschen starben, die positiv auf das Virus getestet wurden.

rei/dpa-afx/afp/Reuters
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