COP27 Ende der Weltklimakonferenz: Staaten einigen sich auf Abschlusserklärung

Länder, die besonders vom Klimawandel betroffen sind, sollen durch einen Entschädigungsfonds finanziell unterstützt werden. Ein Ausstieg aus fossilen Brennstoffen findet sich allerdings nicht im Dokument.
Bundesaußenministerin Annalena Baerbock: Ist nicht zufrieden mit dem Ergebnis der Weltklimakonferenz

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock: Ist nicht zufrieden mit dem Ergebnis der Weltklimakonferenz

Foto: Christophe Gateau / dpa

Nach einem nächtlichen Verhandlungsmarathon hat die Weltklimakonferenz ein Scheitern abgewendet und eine Einigung  erzielt. Die rund 200 Teilnehmerstaaten verständigten sich am Sonntag in Scharm el-Scheich darauf, einen Fonds zur finanziellen Unterstützung ärmerer Länder einzurichten, die von Folgen der Erderwärmung besonders hart betroffen sind. Bekräftigt wurde zudem die Vorgabe, die Kohlenutzung herunterzufahren. Der von einigen Ländern geforderte Abschied von sämtlichen fossilen Brennstoffen, also auch von Öl und Gas, floss in den Abschlusstext jedoch nicht ein.

Zahlreiche Teilnehmer und Beobachter lobten das Bekenntnis zu dem Entschädigungsfonds, auch wenn die Klärung strittiger Fragen, wie etwa wer in den Topf einzahlen soll, auf kommendes Jahr verschoben wurde. Doch es wurde auch deutliche Kritik laut, weil sich die Konferenz (COP27) nicht darauf einigen konnte, die Staaten bei der Reduzierung klimaschädlicher Treibhausgase stärker in die Pflicht zu nehmen. "Dies ist das entscheidende Jahrzehnt, aber was uns vorliegt, ist kein ausreichender Schritt nach vorne für die Menschen und den Planeten", sagte der Vizepräsident der EU-Kommission, Frans Timmermans (61).

Baerbock: Die Welt verliert kostbare Zeit

"Beim Ergebnis liegen Hoffnung und Frustration nahe beieinander", erklärte Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (41). Bei der Klimagerechtigkeit habe man nach Jahren des Stillstands einen Durchbruch geschafft. Aber: "Dass aufgrund der Blockade von einigen Staaten überfällige Schritte zur Emissionsminderung und zum Ausstieg aus fossilen Energien verhindert wurden, ist mehr als frustrierend."

Die Welt verliere dadurch kostbare Zeit, das Ziel zu erreichen, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen. "Europa und die am meisten betroffenen Länder haben sich für deutlich mehr Verbindlichkeit eingesetzt. Eine Allianz vor allem von ölreichen Staaten und großen Emittenten hat das verhindert und uns unnötige Steine in den Weg Richtung 1,5 Grad gelegt."

UN-Generalsekretär Antonio Guterres (73) erklärte, dass der angestrebte Fonds wichtig sei. "Aber er ist keine Antwort darauf, wenn die Klimakrise einen kleinen Inselstaat von der Landkarte spült – oder ein ganzes afrikanisches Land in eine Wüste verwandelt." Die Welt müsse ihre Klimaambitionen deutlich verstärken.

Finanzierung eines Entschädigungsfonds für ärmere Länder steht noch nicht fest

Die zweiwöchige Konferenz im ägyptischen Badeort Scharm el-Scheich sollte eigentlich nur bis Freitag dauern, wurde aber kurzfristig verlängert, weil es den Teilnehmern nicht gelungen war, rechtzeitig einen gemeinsamen Beschluss zu fassen. Im Vordergrund des diesjährigen Treffens stand das Thema Verluste und Schäden infolge des Klimawandels. Mehr als 130 ärmere Länder hatten einen neuen Fonds gefordert, der ihnen bei der Bewältigung der irreparablen Schäden durch Überschwemmungen, Dürren und andere klimabedingte Auswirkungen helfen soll.

Der jetzt verabschiedete Text der COP27 sieht vor, einen solchen Fonds einzurichten. Wie er finanziert werden soll, steht jedoch noch nicht fest. Die EU hatte am Donnerstag vorgeschlagen, dass auch wichtige Schwellen- und Industrieländer in den Finanztopf einzahlen sollen. Schwellenländer mit hohen Emissionen wie etwa China müssten dann ebenfalls einen Beitrag zum Fonds leisten, statt nur die reichsten Länder, die in der Vergangenheit am meisten zur Erderwärmung beigetragen haben.

frm/Reuters
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