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CO2-Aktionismus oder echter Klimaschutz? Was von den Klimaversprechen der Industrie zu halten ist

Bosch, Daimler, Audi – die Konzerne überbieten sich mit Versprechen, bis wann sie CO2-frei sein wollen. Viele ihrer Instrumente sind moderner Ablasshandel. Aber anders geht es nicht.
aus manager magazin 7/2019
Dreckschleuder: Das RWE-Kraftwerk Neurath ist Deutschlands größter CO2-Emittent.

Dreckschleuder: Das RWE-Kraftwerk Neurath ist Deutschlands größter CO2-Emittent.

Foto: Oliver Berg/ dpa

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Den Auftritt Mitte Mai hat Volkmar Denner (62) richtig genossen. Nicht Teil eins der Bilanzpressekonferenz; die Umsatz- und Gewinnzahlen überließ er dem Stellvertreter. Sondern Teil zwei, in dem sich der promovierte Physiker so inszenierte, wie er sich am liebsten sieht: als treibende Kraft hinter einem Tüftlerimperium, das sich seit eh und je als technologische Avantgarde versteht.

Was Denner verkündete, klingt in der Tat spektakulär. Innerhalb der nächsten 18 Monate will er Bosch auf den Status "klimaneutral" hieven. In Hauruckmanier möchte er den CO2-Fußabdruck eines Giganten löschen, der 2018 so viel Strom verbrauchte wie sämtliche Haushalte Münchens und Berlins zusammen. Den Großproduzenten von Treibhausgasen, der mit weltweit 400 Standorten zuletzt rund 3,3 Millionen Tonnen Kohlendioxid ausstieß, will er schwäbisch gründlich säubern. "Die Berechnungen haben gezeigt, dass es geht, also machen wir es", rief er im Basta-Stil seine Ökorevolution aus.

Eine Milliarde Euro gibt Denner dafür bis Ende 2020 aus, eine weitere bis Ende 2030. Das Geld steckt er in effizientere Produktionsanlagen, in die Dämmung von Fabrikhallen und Bürotürmen. Er bestellt große Mengen Ökostrom und lässt Solarpanele aufstellen. Vor allem aber kauft er sich frei: Hunderte Millionen Euro fließen in Emissionsrechtezertifikate sowie in Aufforstungsprojekte in Panama, in Windräder auf den Philippinen und Schutzprogramme für afrikanische Wälder.

Man könnte sagen, dass Denner verstanden hat. Dass er die Konsequenz aus den Katastrophenszenarien zieht, die UN-Weltklimarat und Fridays-for-Future-Aktivisten auf die Straße treiben. Dass er angeht, worauf sich die Regierungen 2015 im Pariser Klimaabkommen einigten.

In seiner Lieblingsversion setzt sich der Bosch-Chef scharf von der großen Tu-nix-Koalition in Berlin ab, die den CO2-Ausstoß trotz ehrgeiziger Ankündigungen und hoher Investitionen seit 2005 gerade mal um 8 Prozent gesenkt hat, während die USA ihre Emissionen um 14 Prozent zurückgefahren haben, und Großbritannien gar um 33 Prozent (siehe Grafik "Fatale Bilanz").

Genauso lässt sich aber argumentieren, dass Denner sich gar nicht so sehr von der Politik unterscheidet. Umsatz und Gewinn von Bosch werden auch künftig überwiegend aus dem Geschäft mit der Antriebstechnik für Verbrennungsmotoren kommen. Und von Bosch stammt die Steuerungssoftware, die bei VW, Audi und Porsche zur systematischen Abschaltung der Schadstoffreduktion führte; rund 1,2 Milliarden Euro Rückstellungen stehen für mögliche Schadensersatzzahlungen in der Bilanz.

Eindeutig ist in jedem Fall: Konzerne und Politik werden von den Versäumnissen der letzten Jahre eingeholt. Immer wieder riefen sie ehrgeizige Ziele aus, die sie zwar kaum einmal erreichten, aber in schöner Regelmäßigkeit durch noch ehrgeizigere Marken ersetzten.

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