EZB-Chefin bei Top100 Frauen Christine Lagarde plädiert für weibliche Führung

"Sisters in Leadership": Weibliche Führungsqualitäten seien in den aktuellen Krisen besonders gefragt, sagte EZB-Chefin Christine Lagarde anlässlich des Treffens der "Top100 Frauen" von manager magazin und BCG in Hamburg. Thyssenkrupp-CEO Martina Merz wurde als "Prima inter Pares 2021" ausgezeichnet.
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Netzwerktreffen in Hamburg: Das manager magazin und die Boston Consulting Group haben am Mittwochabend die 100 einflussreichsten Frauen der deutschen Wirtschaft geehrt. Als Prima inter Pares wurde Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz (3.v.l.) ausgezeichnet. Zu sehen ist sie hier im Kreise weiterer Top-Entscheiderinnen. Von links Ursula Gather (Krupp-Stiftung), Andrea Fuder (Volvo Group), Petra Justenhoven (PwC), Friederike Helfer (Cevian), Louise Öfverström (Rolls-Royce Power Systems)

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EZB-Chefin Christine Lagarde war Ehrengast des Treffens der Top100 Frauen, das manager magazin und die Boston Consulting Group jährlich organisieren. In ihrer Dinner-Rede plädierte Lagarde für weibliche Führung: Vor allem Frauen können Brücken bauen, den Menschen erreichen und ganzheitliche Lösungen finden, betonte Lagarde.

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Sisters in Leadership: Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz (l.) und EZB-Präsidentin Lagarde

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Die 100 einflussreichsten Frauen der deutschen Wirtschaft werden jährlich in sieben Kategorien ausgezeichnet: CEOs, Managerinnen, Unternehmerinnen, Aufsichtsrätinnen, Expatriates, Wegbereiterinnen und Watchlist

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Geballte Frauenpower (v.l.): Katrin Terwiel (Deutsche Telekom), Tina Müller (Douglas), Bettina Orlopp (Commerzbank), Simone Menne (Multi-Aufsichtsrätin), Donata Hopfen (DFL), Isabel Hochgesand (Beiersdorf), Christine Lagarde (EZB), Miriam Wohlfarth (banxware), Veronika Grimm (Wirtschaftsweise), Sigrid Nikutta (Deutsche Bahn), Anahita Thoms (Baker McKenzie), Nina Strassner (SAP)

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Matthias Tauber (BCG), Britta Fünfstück (Hartmann), Dorothea von Boxberg (Lufthansa Cargo), Christoph Schweizer (BCG, von links)

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Mehr Frauen an die Spitze: Bei der Veranstaltung ging es bei vielen Tischgesprächen darum, wie Frauen in Spitzenpositionen ihren Einfluss für mehr Vielfalt und Gleichberechtigung einsetzen können

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Freut sich über die Auszeichnung: Gewinnerin Martina Merz (2.v.l.) umgeben von BCG-Berater Matthias Tauber und den manager-magazin-Chefredakteuren Simone Salden und Sven Clausen

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Frauen seien besonders gefragt, wenn es darum geht, die aktuellen Krisen in der Welt zu bewältigen. Diesen Appell richtete EZB-Chefin Christine Lagarde (66) am Mittwochabend beim Top100 Frauen-Dinner in Hamburg an mehr als 100 Entscheiderinnen aus der deutschen Wirtschaft. Das Netzwerktreffen, das das manager magazin und die Boston Consulting Group jährlich ausrichten, ehrt die 100 einflussreichsten Frauen der deutschen Wirtschaft sowie herausragende weibliche Führungskräfte. Dieses Jahr ging der Preis der "Prima inter Pares" an Thyssen-Chefin Martina Merz (59).

Angesichts der immer komplexeren und unsicherer werdenden Welt seien Führungspersönlichkeiten gefragt, die Brücken bauen könnten, Wissens-Silos aufbrächen und ganzheitliche Lösungen für vielschichtige Probleme fänden, forderte die EZB-Chefin ihre "Sisters in Leadership" auf. Es gehe in diesen Krisen-Zeiten mehr denn je darum, Vertrauen zu schaffen, einander zuzuhören und "mit möglichst einfachen Worten" Zugang zu den Menschen zu finden, erklärte Lagarde in ihrer Rede . Eigenschaften, über die nicht nur, aber besonders häufig, gerade weiblichen Führungspersönlichkeiten verfügten.

Brücken bauen und Vertrauen schaffen

Lagarde verwies auf Untersuchungen, nach denen Frauen in der Wissenschaft stärker interdisziplinär arbeiten und damit bessere Ergebnisse erreichten. Es zeige sich auch, dass Unternehmen mit einem höheren Frauenanteil in der Führung stärkere CO2-Reduktionen vorweisen können. Studien zeigten, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihren weiblichen Führungskräften deutlich öfter zwei Schlüsselqualitäten bescheinigen: Souveränität und Einfühlungsvermögen.

Im Leben gebe es nichts zu fürchten, sondern nur zu verstehen, zitierte die EZB-Chefin die polnisch-französische Nuklearforscherin Marie Curie (1867-1934) mit Blick auf die aktuelle Krise. "Nun ist es an der Zeit, mehr zu verstehen, damit wir uns weniger fürchten müssen."

Das Handeln der EZB muss auch die breite Öffentlichkeit verstehen

Lagarde will auch ihre eigene Führungsrolle in diesem Sinne ausüben. Es sei ihr wichtig, den Menschen zu vermitteln, dass ihre Sorgen bei der EZB gehört und ernst genommen werden, so die Euro-Hüterin. Nicht nur Finanzspezialisten, sondern auch der breiten Öffentlichkeit wolle sie das Handeln der Notenbank erklären. Aktuell bedeute dies, "dass wir unbeirrt an unserer Verpflichtung festhalten, unser Inflationsziel von 2 Prozent auf mittlere Sicht zu erreichen".

Christine Lagarde ist eine der mächtigsten und erfahrensten Frauen in der internationalen Wirtschaftspolitik. Die gelernte Juristin begann ihre Karriere bei der US-Großkanzlei Baker McKenzie und stieg dort zur ersten weiblichen Vorsitzenden auf. Kurz vor ihrem 50. Geburtstag wechselte sie 2005 in eine konservative französische Regierung, in der sie das Handels- und später das Wirtschafts- und Finanzministerium führte. 2011 wurde sie Chefin des Internationalen Währungsfonds. Seit Ende 2019 steht sie an der Spitze der EZB. Im Entscheidungsgremium der Notenbank, dem 25-köpfigen EZB-Rat, sitzt außer Lagarde nur eine weitere Frau: Isabel Schnabel (50), die EZB-Direktorin aus Deutschland.

Prima inter Pares: Martina Merz (3.v.l.) im Kreise weiterer Top-Entscheiderinnen (v. links Ursula Gather, Andrea Fuder, Petra Justenhoven, Friederike Helfer, Louise Öfverström)

Prima inter Pares: Martina Merz (3.v.l.) im Kreise weiterer Top-Entscheiderinnen (v. links Ursula Gather, Andrea Fuder, Petra Justenhoven, Friederike Helfer, Louise Öfverström)

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Top100 Frauen: Martina Merz als "Prima inter Pares" geehrt

Bei der Veranstaltung Top100 Frauen ging es bei vielen Tischgesprächen darum, wie Frauen in Spitzenpositionen ihren Einfluss für mehr Vielfalt und Gleichberechtigung einsetzen können. Die Laudatio auf Preisträgerin Martina Merz  (59) von Thyssen Krupp hielt Multiaufsichtsrat Karl-Ludwig Kley (70), mit dem Merz länger im Lufthansa-Aufsichtsrat zusammengearbeitet hatte. In seiner Rede spielte Kley auf Merz' Durchsetzungskraft schon in jungen Jahren an. Darüber hinaus hob er ihre Geradlinigkeit und ihren persönlichen Anstand hervor, der sie als Führungskraft auszeichne.

Die ThyssenKrupp-Chefin kämpfe stets "für die Sache und nicht für das Ego", betonte Kley. Ein Thema, das Merz anschließend mit Blick auf die Lage in der Ukraine aufgriff. "Die Gesellschaft erwartet von Menschen in Führung, dass wir jetzt zusammenrücken und gemeinsam gegen diese Unmenschlichkeit ankämpfen", sagte sie. Dabei warb sie dafür, als Person in Führung bei aller nötigen Rationalität auch stets emphatisch zu sein.

ThyssenKrupp hat aktuell wie viele Unternehmen massiv mit den steigenden Energiepreisen zu kämpfen. Ihr Berufsleben spiele daher aktuell vor allem "on the dark side of the moon", so die Vorstandsvorsitzende. Sie sei aber keine, die bei Unwegbarkeiten schnell aufgebe, bekräftigte Merz mit Blick auf ihren 2023 auslaufenden Vertrag. Die Aufgabe von Führungskräften sei, auch in schwierigen Zeiten Hoffnung zu verbreiten und zu stärken, betonte sie. Zum Abschluss ihrer Rede zitierte sie die letzten Zeilen eines Gedichts, das die amerikanische Poetin Amanda Gorman bei der Amtseinführung von US-Präsident Joe Biden vorgetragen hatte:
"When day comes we step out of the shade […]
For there is always light, if only we're brave enough to see it.
If only we're brave enough to be it".

Die 100 einflussreichsten Frauen der deutschen Wirtschaft werden jährlich in sieben Kategorien ausgezeichnet: Managerinnen, Unternehmerinnen, Aufsichtsrätinnen, Expatriates, Partnerinnen, Influencerinnen und Watchlist.

Zur Jury zählten in diesem Jahr:

Belén Garijo, CEO Merck und Prima inter Pares 2020
Werner Brandt, Aufsichtsratsvorsitzender RWE und ProSiebenSat1
Saori Dubourg, Vorständin BASF und Prima inter Pares 2017
Carsten Kratz, Deutschlandchef Bridgepoint
Christine Lambrecht, Bundesfamilienministerin im Kabinett Merkel
Isabell Welpe, Management-Professorin an der TU München
Christoph Zeiss, Mitgründer der Personalberatung Heads!
Matthias Tauber, Europachef BCG
sowie Sven Clausen, Chefredakteur des manager magazin.

mihec, cs