Reaktionen zur Bundestagswahl Das sagen Manager und Unternehmerinnen zum Wahlergebnis

Ampel oder Jamaika? Für die Koalitionsverhandlungen ist jetzt Tempo gefragt, damit Reformen nicht weiter verschleppt werden. Wir haben Manager und Unternehmer um ihre Einschätzungen zur Bundestagswahl gebeten.
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Frank Thelen, Unternehmer, Juror in TV-Sendung Höhle der Löwen:

"Ich freue mich sehr, dass sich die Wähler deutlich gegen Rot-Rot-Grün ausgesprochen haben. Nun stehen komplizierte Verhandlungen an. Ich wünsche den Beteiligten viel Erfolg."

Foto: Britta Pedersen / picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild/dpa-pool
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Simone Menne, Präsidentin der American Chamber of Commerce, Multi-Aufsichtsrätin (u.a. Henkel, Deutsche Post DHL), Grünen-Mitglied:

"Das Ergebnis zeigt zwei Dinge, die kaum zueinander zu bringen sind: Die Menschen möchten gleichzeitig einen Neuanfang und Stabilität. Aus transatlantischer Sicht kann ich mit beiden sich abzeichnenden Koalitionen, Ampel und Jamaica, gut leben. Zu meiner präferierten Koalition will ich mich nicht äußern, für wahrscheinlicher halte ich aber eine Ampel, weil die SPD unbedingt will und Rückenwind durch die beiden Landtagswahlen hat. Wichtig ist nur, dass wir jetzt nicht ewig Zeit vergeuden mit Koalitionsverhandlungen. Wenn das bis Ende des Jahres dauert und im Frühjahr wählt dann Frankreich, dann ist Europa blockiert. Wichtig ist mir vor allem, dass der Standort Deutschland schnell wieder attraktiver gemacht wird. Aus Sicht unserer Amcham-Mitgliedsunternehmen hat er sich nämlich bei den Themen Digitale Infrastruktur und Energiekosten zuletzt deutlich verschlechtert. Wir müssen jetzt schnell zur Umsetzung kommen."

Foto: Andreas Arnold / dpa / picture alliance
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Achim Berg, Präsident des Hightech-Verbands Bitkom:

"Wer auch immer die nächste Bundesregierung bildet: Sie hat den Auftrag, die Wirtschaft zu stärken und Deutschland in die digitale Zukunft zu führen. Die Zeichen müssen nun auf Transformation und Digitalisierung gestellt werden. Digitalpolitik ist keine Klientelpolitik, Digitalisierung geht alle an – und diesen Wandel voranzutreiben und zu gestalten, muss eine wesentliche Aufgabe der neuen Regierung sein. Die Digitalwirtschaft erwartet von der künftigen Bundesregierung kein digitales Klein-Klein, sondern den längst überfälligen, großen digitalpolitischen Wurf.

Nach der Bundestagswahl vor vier Jahren haben wir eine beispiellose Hängepartie erlebt, die sich nicht wiederholen darf. Die taktischen Spiele von damals haben wertvolle Zeit gekostet, doch die Digitalisierung duldet keinen Aufschub. Es braucht jetzt zügige Sondierungen und dann eine Koalition der Vernunft mit einem überzeugenden und also gleichermaßen ambitionierten wie realitätsnahen und vor allem digitalen Programm."

Foto: Jürgen Heinrich / imago images/Jürgen Heinrich
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Manuel Müller, Gründer und Geschäftsführer des Matratzen-Herstellers Emma:

"Olaf Scholz ist als bisheriger Vizekanzler und Bundesminister der Finanzen ein international erfahrener Politiker. Wichtig ist, dass eine Regierung nicht mehr von der CDU geführt wird und dass uns eine erneute Große Koalition erspart bleibt. Nur so wird ein echter gesellschaftlicher Wandel möglich. Eine Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP vereint vieles: Die SPD unter Olaf Scholz erhoffe ich mir als stabilen Eckpfeiler. Grüne Themen sind in unserer Welt unverzichtbar, wir müssen hin zu mehr Klimaschutz und langfristig zu Klimaneutralität. Die FDP wäre ein gutes Gegengewicht zu rot und grün. So kann man sehen, ob die FDP tatsächlich liefert und versprochene Themen wie Digitalisierung, die Förderung junger Unternehmen und die Entbürokratisierung wirklich vorantreibt oder ob das nur leere Worthülsen sind."

Foto: Moritz Reich
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Miriam Wohlfarth, Gründerin Ratepay, Gründerin Banxware:

"Ich bin erleichtert, dass Rot-Rot-Grün keine Option mehr ist – dieses Bündnis hätte mir große Sorgen gemacht. Mein Favorit wäre jetzt eine Koalition aus Union, FDP und Grünen, ich könnte aber auch mit einer "Ampel" leben. Ohne die Grünen geht es nicht, denn wir müssen jetzt schnell und entschlossen Maßnahmen gegen den Klimawandel ergreifen. Nachhaltiger leben, die Städte umbauen, eine grüne Verkehrspolitik. Nur bitte nicht ausschließlich auf Basis von Verboten! Die Hügel des Schwarzwaldes können nicht mit dem Lastenfahrrad bewältigt werden.

Als Gründerin zweier Digitalunternehmen lege ich der Politik ans Herz, die Rahmenbedingungen für Gründerinnen und Gründer zu verbessern. Die Startups von heute sind der Mittelstand von morgen. Im Global Entrepreneurship Monitor liegt Deutschland auf dem vorletzten Platz. Damit junge Unternehmen für die dringend notwendige Innovation sorgen können, brauchen sie bessere Rahmenbedingungen. Dieses Land muss wieder attraktiver für ausländische Talente werden.Außerdem ist es Zeit für eine Überarbeitung der Curricula und ein zeitgemäßes Bildungssystem."

Foto: Jakob Hoff / imago images
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Christian Bruch, CEO Siemens Energy:

"Was wir nun am wenigsten brauchen, ist parteipolitisches Kalkül. Ziel muss sein, schnellstmöglich eine handlungsfähige Regierung zu bilden, die die unterschiedlichen Kompetenzen vereint. Es liegen viele wichtige Aufgaben vor uns, die künftigen Regierungsparteien müssen zeigen, dass Klimaschutz und Energiewende nicht bloß Wahlkampfthemen waren.

Der Wahlkampf ist vorbei, die Parteien müssen nun bereits in den Koalitionsverhandlungen zeigen, dass sie es ernst meinen mit der Energiewende. Dazu gehört auch mehr Ehrlichkeit in der Debatte: Die Transformation wird schmerzhafte Einschränkungen mit sich bringen und, zumindest am Anfang, auch Arbeitsplätze kosten – trotzdem muss es uns gelingen, die Menschen auf dem Weg mitzunehmen, sonst wird die Zeche für die nachfolgenden Generationen noch teurer."

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Heinrich Weiss, Hauptgesellschafter des Stahlanlagenbauers SMS Group, ehemaliger Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie:

"Infolge der Vernachlässigung sämtlicher Reformen zur Wiederherstellung unserer früheren wirtschaftlichen Konkurrenzfähigkeit ist jetzt ein Neustart dringend erforderlich. Wer glaubt, die Versäumnisse der Ära Merkel und die großen Herausforderungen von morgen über mehr Steuern und Regulierung lösen zu können, der handelt kurzsichtig und gefährdet den Wohlstand aller. Insbesondere die Familienunternehmen und die vielen selbständig Tätigen in Deutschland stehen für Verantwortung, Innovation und Leistungsbereitschaft. Ich erwarte von einer künftigen Regierung, dass Leistung und Unternehmertum wieder gefördert werden, anstatt sie noch stärker zu belasten. Der Ruf nach immer mehr Staat und der schuldenfinanzierte Ausbau staatlicher Ersatzleistungen sind das Gegenteil des Leistungsprinzips, das unseren Wohlstand begründet hat."

Foto: Metodi Popow / imago images
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Antje von Dewitz, Chefin des Outdoor-Ausrüsters Vaude:

"Sieger ist die SPD. Verlierer die CDU – es wurde deutlich, dass die Menschen ihr bundesweit nicht mehr zutrauen, eine zukunftsfähige Politik zu gestalten. Daran ändert auch der jetzt ausgerufene Slogan einer "Zukunftskoalition" nichts. Es liegt nun in der Hand der Grünen und der FDP, mit wem sie koalieren wollen. Im Wahlkampf wurde über große Strecken Angst vor den Kosten und den Verboten im Kampf gegen den Klimawandel geschürt. Das hat, ausgerechnet bei diesem existenziellen Thema, zu merklichen Polarisierungen in der Bevölkerung geführt. In den Gesprächsrunden am Wahlabend stand der Klimawandel als die eigentliche Herausforderung nun wieder parteiübergreifend im Vordergrund. Wir brauchen eine schnelle Regierungsbildung, um diesen Fokus auch bei den Bürger*innen ankommen zu lassen und mit vereinten Kräften zu agieren. Daher hoffe ich darauf, dass die Parteien Verantwortung übernehmen und sich aufeinander zubewegen und damit eine Pattsituation vermeiden, die eventuell wieder zu einer Fortsetzung der Großen Koalition (die keiner möchte) führen würde."

Foto: Nicole Maskus-Trippel / Vaude
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David Meinertz, CEO und Gründer der Online-Arztpraxis ZAVA

"Die CDU hat das vernünftigste Programm für die digitale Gesundheitsversorgung der Zukunft. Die angekündigte ressortübergreifende Roadmap für die "Digitale Gesundheit 2030" sollte angeschoben und parallel das Tempo bei Projekten wie dem E-Rezept wieder angezogen werden. Eine längere Hängepartie können wir uns nicht leisten. Damit Deutschland mit Schwung aus der Pandemie und in eine zeitgemäße Gesundheitsversorgung gelangt, die den Patienten und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellt.

Klar ist auch: Ohne effektiven Klimaschutz geht es gesellschaftlich bei uns nicht weiter. Ansonsten wird auch die Digitalisierung irgendwann irrelevant. Daher wünsche ich mir eine Koalition von Schwarz-Grün, mit möglichst viel Grün, und notfalls auch ein bisschen gelb, wenn gar nicht anders möglich."

Foto: Zava
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Frank Carsten Herzog, Unternehmer, Gründer der 3D-Laserdruck-Pioniers Concept Laser:

"Farbenspiele sind für mich nicht entscheidend: Wichtig ist, dass die wichtigen Themen angegangen werden. Bitte kein "weiter so". Unser Land verwaltet sich zu Tode und erstickt Innovationen im Keim. Also egal wer, wichtig ist was. Wir brauchen ein neues "Geschäftsmodell Deutschland". Die Konzentration auf Fahrzeugtechnik muss ersetzt werden durch Erfindungen in der Umwelttechnik. Diese müssen wir massentauglich machen. Dafür müssen Innovationen in Deutschland wieder einfacher und einfacher finanziert werden. Die Verwaltung muss effizienter werden und wieder mehr zulassen. Und wir müssen den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken. Konkret: Das Ehrenamt wird nicht gewürdigt und gefördert, sondern unnötig behindert. Wenn wir unsere Gesellschaft voranbringen wollen, muss sich auch das ganz schnell ändern."

Foto: Sebastian Buff
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