Noch in diesem Jahr Minister machen Hoffnung auf schnelle Impfung

Die Erfolgsmeldungen aus der Pharmabranche zur Entwicklung eines Impfstoffs gegen Covid-19 häuften sich zuletzt. Jetzt kommen auch optimistische Töne aus Berlin.
Impfung schon im Dezember: Aussagen der Minister Spahn (vorne) und Scholz machen Hoffnung

Impfung schon im Dezember: Aussagen der Minister Spahn (vorne) und Scholz machen Hoffnung

Foto: Pool / Getty Images

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (40, CDU) rechnet noch in diesem Jahr mit ersten Impfungen gegen das Coronavirus. Es gebe "begründeten Anlass" zur Annahme, dass spätestens Anfang nächsten Jahres ein Impfstoff gegen das Coronavirus zur Verfügung stehen werde, sagte der Minister am Montag bei einem Besuch des Impfstoffherstellers IDT Biologika in Dessau. Vielleicht könne aber auch schon Ende dieses Jahres mit dem Impfen begonnen werden, fügte er hinzu. Es gehe nun darum, Strukturen für die Impfkampagne aufzubauen. "Wir wollen vorbereitet sein." Das geschehe in Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Ärzteschaft.

In Nordrhein-Westfalen können Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann (63, CDU) zufolge voraussichtlich Mitte Dezember Impfzentren für die Impfungen gegen das Corona-Virus bereitstehen. "Ich denke schon, dass wir das hinkriegen werden", sagte Laumann. Zuerst sollen pflegebedürftige und vorerkrankte Menschen geimpft werden. "Das Tempo bestimmt die Menge des verfügbaren Impfstoffs", fügte Laumann hinzu. Nordrhein-Westfalen plant die Einrichtung von mindestens 53 Impfzentren.

Spahn gab die geplante Abnahme von fünf Millionen Impfdosen von IDT Biologika bekannt. Um den parallelen Aufbau von Produktionskapazitäten zu unterstützen, zahle der Bund zudem bereits vorab 30 Millionen Euro aus dem Kaufpreis. Das Unternehmen und seine wissenschaftlichen Partner erhielten zudem 113 Millionen Euro Forschungsförderung durch den Bund. 2021 solle ein beschleunigtes Zulassungsverfahren beantragt werden, sagte Firmenchef Jürgen Betzing am Montag in Dessau. Eine zweite Phase der klinischen Prüfung sei für Ende des Jahres und eine dritte Phase für Mitte 2021 vorgesehen. Wenn diese Tests erfolgreich verliefen, könne es den Zulassungsantrag Ende kommenden Jahres geben.

IDT arbeitet an einem herkömmlichen Vektorimpfstoff, der auf einem vor mehreren Jahrzehnten entwickelten Impfstoff gegen Pocken basiert - im Gegensatz zu dem innovativen mRNA-Impfstoff der Mainzer Firma BioNTech und ihres US-Partners Pfizer. Ebenfalls am Montag verkündete der britische Pharmakonzern AstraZeneca positive Zwischenergebnisse für seinen von der Universität Oxford entwickelten Vektorimpfstoff - das größte derartige Projekt.

Spahn zeigte sich auch überzeugt, dass Deutschland von BioNTech und Pfizer bis zu 100 Millionen Impfdosen beziehen werde. 30 Millionen Impfdosen habe man sich über eine nationale Vereinbarung gesichert. Über die Anmeldung bei der EU-Kommission rechne er mit weiteren 56 Millionen Impfdosen. "Bis zu 100 Millionen Dosen werden wir wohl bekommen", sagt der CDU-Politiker.

BioNTech-Zulassung in Großbritannien zuerst?

Spahn hob hervor, dass mit BioNTech, Curevac und IDT insgesamt drei deutsche Unternehmen derzeit aussichtsreiche Impfstoffe entwickeln. "Ich bin überzeugt, wenn wir gemeinsam diesen harten schwierigen Corona-Winter hinter uns gebracht haben, wird auch die Bereitschaft steigen, sich impfen zu lassen", sagte Spahn.

Das BioNTech-Mittel könnte in Großbritannien zuerst zugelassen werden. Die britischen Aufsichtsbehörden seien kurz davor, mit einer offiziellen Bewertung des Mittels zu beginnen, berichtete der "Telegraph" am Sonntag unter Berufung auf Regierungskreise. Der Nationale Gesundheitsdienst NHS sei angewiesen worden, sich für eine Verabreichung ab dem 1. Dezember bereitzuhalten. Die US-Behörde FDA will am 10. Dezember darüber beraten, ob sie grünes Licht für den Impfstoff gibt. Seit Oktober läuft ein Zulassungsverfahren der europäischen Arzneimittelbehörde Ema.

Ohne Tiefkühlbedarf geht es schnell

Auch Finanzminister Olaf Scholz (62, SPD) machte Hoffnungen auf Impfungen noch in diesem Jahr. "Wir haben die Vorbereitungen dafür getroffen, dass es noch im Dezember losgehen könnte", sagte Scholz am Sonntagabend auf "Bild live". Er glaube, es gehe "mit der Impfung schneller los, als wir vor einiger Zeit gedacht haben", betonte der Vizekanzler.

Spahn zeigte sich optimistisch, dass es nicht bis Ende 2021 dauern werde, bis alle Bevölkerungsgruppen durchgeimpft sind. So benötige man für viele der voraussichtlichen Impfstoffe keine tiefe Kühlung. Sie könnten in normalen Arztpraxen gegeben werden. "Und dann geht es schnell: Vergessen wir nicht, dass jährlich in wenigen Wochen bis zu 20 Millionen Menschen gegen Grippe geimpft werden", sagte Spahn dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Spahn kündigte den Aufbau einer Onlineplattform über die erreichten Impfquoten an, differenziert nach Alter und Regionen. "Insbesondere dann, wenn wir bei den besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen eine hohe Impfquote erreicht haben, werden wir die Beschränkungen schrittweise lockern können."

Nach Angaben von Spahn hat sich Deutschland über die EU-Kommission oder bilaterale Verträge und Optionen inzwischen mehr als 300 Millionen Impfdosen für Deutschland gesichert. "Auch bei zwei Dosen pro Impfung hätten wir dann genug für die eigene Bevölkerung und könnten mit anderen Ländern teilen", sagte Spahn.

cr/ak/dpa-afx/afp/reuters
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