Das "V" ist möglich Bundesbank rechnet mit "sehr starkem" Wachstum im Sommer

Die Bundesbank rechnet im laufenden dritten Quartal mit einer starken Erholung der Konjunktur. Bis zum Vorkrisenniveau ist es aber noch ein weiter Weg - wie Daten aus der Maschinenbaubranche zeigen.
Es läuft wieder besser - aber noch nicht ganz rund: Der Maschinenbau leidet weiterhin unter den Folgen der Corona-Pandemie

Es läuft wieder besser - aber noch nicht ganz rund: Der Maschinenbau leidet weiterhin unter den Folgen der Corona-Pandemie

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Waltraud Grubitzsch / DPA

Die Konjunktur zieht der Bundesbank zufolge derzeit stark an und löst sich damit vom Corona-Schock der vergangenen Monate. "Nach dem starken Einbruch im ersten Halbjahr dürfte die deutsche Wirtschaft im Sommerquartal 2020 sehr kräftig wachsen", heißt es in dem am Montag veröffentlichten Monatsbericht. "Die deutliche und breit angelegte Erholung der gesamtwirtschaftlichen Leistung, die bereits nach dem Tiefpunkt im April einsetzte, wird sich aus heutiger Sicht fortsetzen." Der Weg zurück zur Normalität sei aber noch weit. "Ungeachtet der fortschreitenden Aufholbewegung wird das Vorkrisenniveau jedoch im Sommervierteljahr und darüber hinaus noch erheblich verfehlt."

Die deutsche Wirtschaft war im zweiten Quartal wegen der Corona-Krise im Rekordtempo von 10,1 Prozent eingebrochen. Die Fachwelt sagt für dieses Quartal wieder Wachstum voraus. Nach Einschätzung der Bundesbank dürften sich im Zuge der Erholung in der Industrie die Ausrüstungsinvestitionen beleben. Ein solider Beitrag zur Belebung insgesamt sei auch von den Ausgaben der Verbraucher zu erwarten. Ausschlaggebend dafür sei, dass die pandemiebedingten Einschränkungen erheblich gelockert worden seien. Zudem stabilisiere sich die Lage am Arbeitsmarkt etwas.

Maschinenbauer streichen 32.000 Jobs - trotz Kurzarbeitergeld

Dennoch strichen die Maschinenbauer im ersten Halbjahr rund 32.000 Jobs. Die Corona-Krise, die schwächelnde Konjunktur und der Strukturwandel bei wichtigen Kunden blieben nicht ohne Folgen, teilte der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) mit. Die Zahl der Beschäftigten in der überwiegend mittelständisch geprägten Branche habe aber Ende Juni bei rund 1,03 Millionen gelegen. "Angesichts der immensen Belastungen, denen unsere Industrie ausgesetzt ist, bleibt dies ein moderater Abbau", sagte VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers.

Ein Konjunktur-Risiko ist laut Bundesbank nach wie vor die Tatsache, dass die Virus-Pandemie in vielen Ländern bislang noch nicht eingedämmt wurde. "Dies beeinträchtigt die deutschen Exporte." Zudem dämpfe die hohe Unsicherheit im Hinblick auf den weiteren Verlauf des Infektionsgeschehens die Investitionsbereitschaft der Firmen im In- und Ausland. Dies wiederum dürfte "einer umfassenden Erholung der Nachfrage nach deutschen Industrieerzeugnissen im Wege stehen", erläuterten die Bundesbank-Experten. Bis eine effektive medizinische Lösung - etwa eine Impfung - verfügbar sei, bleibe auch "die Wirtschaftsaktivität in einigen heimischen Dienstleistungsbranchen eingeschränkt".

In der aktuellen Krise sei ein stark expansiver finanzpolitischer Kurs angemessen, erklärte die Bundesbank mit Blick auf die Rettungspakete der Bundesregierung. "Steigende Defizite und Schulden sind gerechtfertigt, um der Pandemie und ihren Folgen zu begegnen und dauerhaften wirtschaftlichen Schäden entgegenzuwirken." Deshalb erscheine es verfrüht, bereits im kommenden Jahr wieder die regulären EU-Haushaltsregeln oder die Schuldenbremse anzuwenden und das Einhalten ihrer Grenzen anzustreben. "Im Gegenteil können zusätzliche Stabilisierungsmaßnahmen sinnvoll sein, wenn sich im weiteren Verlauf keine durchgreifende Besserung der Wirtschaftslage abzeichnet." Die steigenden deutschen Staatsschulden seien aus derzeitiger Sicht verkraftbar. Risiken und künftige Herausforderungen müsse man aber im Blick behalten. 

la/Reuters
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