Kaum Sprit Britische Engpässe treffen auch deutsche Wirtschaft

Weil in Großbritannien die Lkw-Fahrer knapp sind, werden Tankstellen nicht beliefert - London will bereits das Militär einsetzen, um das Problem zu lösen. Selbst die deutsche Wirtschaft bekommt die Auswirkungen der britischen Not zu spüren.
Bis zum letzten Tropfen: Ein Brite tankt sein Auto auf - jedenfalls versucht er es

Bis zum letzten Tropfen: Ein Brite tankt sein Auto auf - jedenfalls versucht er es

Foto: Frank Augstein / AP

Die Lkw-Krise in Großbritannien bereitet auch der deutschen Wirtschaft Sorgen. "Kurzfristig ist das ein Problem", sagte der Generaldirektor der Deutsch-Britischen Industrie- und Handelskammer, Ulrich Hoppe, am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. "Das eine oder andere Produkt kann nicht geliefert werden, gerade wenn es sich um leicht verderbliche Waren wie etwa frische Lebensmittel handelt." Früher oder später dürfte sich das aber wieder einpendeln, weil sich die Unternehmen an die Lage anpassen würden.

In London bildeten sich trotz der von Premierminister Boris Johnson angekündigten verbesserten Versorgungslage erneut lange Schlangen vor Tankstellen. Treibstoff kann nicht in ausreichendem Umfang dorthin transportiert werden, weil Zehntausende Lkw-Fahrer fehlen. Nun sollen auch Fahrer vom Militär an die Steuer der Tank-Lkw gesetzt werden.

"Der Handel leidet aber mittel- und langfristig vor allem aufgrund des Brexit", fügte Hoppe hinzu. "Dadurch wächst die britische Wirtschaft schwächer." Etwa ein Prozent ihres Wachstumspotenzials gehe ihr jährlich verloren. "Das dämpft auch die Nachfrage nach Waren aus Deutschland", so der Experte.

Großbritannien droht in diesem Jahr erstmals seit 1950 der Abschied aus den Top Ten der wichtigsten deutschen Handelspartner. Im ersten Halbjahr sank der Warenverkehr zwischen beiden Ländern um 2,3 Prozent auf 48,3 Milliarden Euro. Seit dem Brexit-Entscheid 2016 verliert das Großbritannien-Geschäft an Gewicht: Damals war das Vereinigte Königreich noch der fünftwichtigste Handelspartner hinter China, Frankreich, den USA und den Niederlanden.

"Gerade für kleinere Firmen lohnt es sich mitunter nicht mehr, den britischen Markt überhaupt noch zu bedienen", sagte Hoppe. "Das ist für sie nach dem Brexit zu bürokratisch und teuer geworden." Andere deutsche Unternehmen wiederum würden wegen des Brexit ihre Lieferketten simplifizieren. "Sie kommen nach Großbritannien und investieren hier, weil sie ihre Lieferketten verkürzen und bürokratische Hürden so umgehen wollen", so der Wirtschaftsvertreter.

cr/Reuters
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