Bruttoinlandsprodukt Deutsche Wirtschaft mit Rekordwachstum vor dem Corona-Winter

Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im dritten Quartal mit Rekordtempo. Die Bundesregierung hebt ihre Prognose für das Gesamtjahr an - trotz der neuen Corona-Maßnahmen. Andere Länder in der Europäischen Union holten noch stärker auf.
Konsum in der Risikozone: Passanten in der Kölner Innenstadt

Konsum in der Risikozone: Passanten in der Kölner Innenstadt

Foto: Ralph Peters / imago images/Ralph Peters

Nach dem Einbruch wegen der Corona-Krise im Frühjahr - und vor den abermaligen Einschränkungen im laufenden Quartal - hat sich die deutsche Wirtschaft spürbar erholt und ist im Sommerquartal in Rekordtempo gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg zwischen Juli und September um 8,2 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte.

Im zweiten Quartal war die Wirtschaft wegen Eindämmungsmaßnahmen in der Virus-Pandemie noch mit 9,8 Prozent eingebrochen und damit so stark wie nie zuvor. Der wegen der steigenden Corona-Neuinfektionen für November angekündigte Teillockdown dürfte die Erholung der Wirtschaft allerdings im laufenden Quartal erneut bremsen. Einige Experten befürchten deshalb sogar wieder ein Schrumpfen der Wirtschaft zum Jahresende 2020.

Die Bundesregierung zeigte sich in ihrer Prognose für das Gesamtjahr dennoch optimistischer als zuvor. Für 2020 erwartet sie nun einen Einbruch um 5,5 Prozent. Es wäre damit eine der schwersten Rezessionen der Nachkriegszeit, etwa im gleichen Ausmaß wie 2009 in der globalen Finanzkrise. Zuletzt hatte die Bundesregierung für 2020 aber noch ein Minus von 5,8 Prozent vorausgesagt. Für die folgenden Jahre geht die Regierung weiterhin von 4,4 Prozent Wachstum 2021 und 2,5 Prozent Plus 2022 aus.

Über die Quellen des starken Wachstums im 3. Quartal wurde zunächst nichts bekannt. Zuletzt war die Konjunktur vor allem in der Industrie stark. Der Konsum hingegen musste im September noch einen herben Rückschlag verkraften. Der Einzelhandel nahm 2,6 Prozent weniger ein als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Preisbereinigt (real) lag das Minus bei 2,2 Prozent. Von Reuters befragte Ökonomen hatten hier mit einem Minus von 0,8 Prozent gerechnet. Die üblicherweise stabile Konsumnachfrage zeigte sich also auch in der vermeintlichen Boomzeit der stärksten Corona-Lockerungen eher fragil.

Europaweit Rekordwachstum - aber noch riesige Lücken zum Vorjahr

Relativ starke Wirtschaftsdaten für den Sommer meldeten auch die anderen großen europäischen Staaten.

Das französische BIP wuchs im dritten Quartal um 18,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, wie das Statistikamt Insee am Freitag in Paris mitteilte. Analysten hatten im Schnitt eine niedrigere Wachstumsrate von 15,0 Prozent erwartet.

Das spanische BIP stieg von Juli bis September um 16,7 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistikamt am Freitag mitteilte. Experten hatten lediglich mit einem Plus von 13,5 Prozent gerechnet.

Das Bruttoinlandsprodukt Italiens sei im dritten Quartal um 16,1 Prozent zum Vorquartal gewachsen, teilte das nationale Statistikamt Istat am Freitag in Rom nach einer ersten Erhebung mit. Volkswirte hatten im Schnitt nur mit einem Anstieg um 11,1 Prozent gerechnet.

In allen drei Fällen reichte die Erholung bei Weitem nicht aus, um die während des ersten Halbjahres erlittenen Rückschläge zu verkraften. Für das Gesamtjahr wird weiterhin mit einem zweistelligen Einbruch der Wirtschaftsleistung gerechnet, zum Teil wegen der beginnenden Lockdowns auch noch stärker als bisher: Spanien erwartet ein Minus von 11,2 Prozent. Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire sagte am Freitag dem Sender France Inter, die Regierung gehe für das Gesamtjahr nun von einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um 11 Prozent aus; zuvor hatte sie 10 Prozent prognostiziert.

ak/reuters/dpa-afx/afp
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.