Nach Gewalt-Nacht in Belarus Wahlleitung erklärt Lukaschenko offiziell zum Sieger

Weißrusslands Präsident Alexander Lukaschenko hat laut Wahlkommission die Präsidentenwahl gewonnen. Seit 1994 regiert er Belarus autoritär. In der Nacht eskalierte die Gewalt bei Demonstrationen gegen Wahlmanipulation.
Polizeiaufgebot in Minsk

Polizeiaufgebot in Minsk

Foto: SIARHEI LESKIEC/ AFP

Die Wahlkommission in Belarus (Weißrussland) hat Staatschef Alexander Lukaschenko (65) zum Sieger der Präsidentenwahl erklärt. Lukaschenko habe 80,23 Prozent der Stimmen bei dem Urnengang am Sonntag erzielt, teilte Wahlleiterin Lidija Jermoschina am Montag in Minsk als vorläufiges Ergebnis mit. Lukaschenkos Gegnerin, Swetlana Tichanowskaja (37), kam demnach nur auf 9,9 Prozent der Stimmen. Sie kündigte bereits an, eine Niederlage nicht anzuerkennen. Ihre Unterstützer hatten nachts zu Tausenden gegen Lukaschenko und Wahlfälschungen protestiert. Es gab viele Verletzte und Festnahmen.

Die Wahlbeteiligung in der zwischen dem EU-Mitglied Polen und Russland gelegenen Ex-Sowjetrepublik lag nach Angaben der Wahlleitung bei 84 Prozent der rund 6,8 Millionen Stimmberechtigten. Lukaschenko regiert das Land seit 1994 autoritär. Westliche Beobachter stuften die Abstimmung als weder frei noch fair ein.

Reuters

In der Nacht war es im ganzen Land zu massiven Protesten und Ausschreitungen wegen Wahlfälschungen gekommen. In mehreren Wahllokalen, in denen es keine Manipulationen gegeben haben soll, gewann Tichanowskaja nach Angaben ihres Stabs haushoch. Von Lukaschenko gab es zunächst keine Reaktion. Er hatte vor der Wahl am Sonntag angekündigt, seine Macht mit allen Mitteln zu verteidigen.

Tausende Menschen gingen nach der Wahl auf die Straße und stellten sich gegen die Sicherheitskräfte, die Wasserwerfer, Tränengas und Blendgranaten gegen die Demonstranten einsetzten. Auf Videos waren im Gesicht blutende Menschen zu sehen. Die Zahl der Verletzten und Festgenommenen war zunächst unklar. Bis zum Morgen beruhigte sich die Lage zunächst wieder. Die Opposition hat bereits neue Proteste angekündigt. Laut Bürgerrechtlern wurde bei den Protesten ein Mensch getötet.

Unions-Fraktionsvize Johann Wadephul (57) rief die Regierung von Weißrussland zum Gewaltverzicht gegen die eigene Bevölkerung und Transparenz über das Wahlergebnis der Präsidentschaftswahl auf. "Nach allen Informationen, die wir von Freunden, Beobachtern und Bloggern aus dem Land erhalten, hat die Oppositionskandidatin Tichanowskaja einen hohen Stimmanteil erreicht. Vieles spricht dafür, dass sie eine Mehrheit erreicht hat", sagte der CDU-Außenpolitiker am Montag in Berlin. Wadephul forderte, den massiven Einsatz von Sicherheitskräften sofort zu stoppen.

akn/dpa/Reuters
Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.