Inflationssorgen Bank der Zentralbanken fordert raschen Zinsanstieg

Hohe Inflationsraten und drohende Konjunktureintrübungen machen der Bank der Zentralbanken Sorgen. Die BIZ-Chef Agustin Carstens fordert daher ein entschiedenes Vorgehen der Notenbanken weltweit.
Sorgenvoller Blick auf die Inflation: BIZ-Chef Agustin Carstens fordert schnelle Zinsschritte

Sorgenvoller Blick auf die Inflation: BIZ-Chef Agustin Carstens fordert schnelle Zinsschritte

Foto: Carlos Jasso / Reuters

Der Weltdachverband der Zentralbanken fordert angesichts der stark steigenden Inflation eine globale Welle von Zinserhöhungen. Die Zinssätze sollten rasch angehoben werden, forderte die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) am Sonntag. "Der Schlüssel für die Zentralbanken liegt darin, schnell und entschlossen zu handeln, bevor sich die Inflation verfestigt", erklärte BIZ-Generaldirektor Agustin Carstens im Jahresbericht der in der Schweiz ansässigen Organisation. Eindringlich weist die BIZ auf die Gefahr einer Stagflation in der Weltwirtschaft hin - also auf das Risiko einer Mischung aus Konjunkturflaute und anhaltend hoher Inflation.

Der Schwerpunkt liege darauf, in den "kommenden Quartalen" zu handeln, forderte der ehemalige Chef der mexikanischen Zentralbank. Die BIZ hält eine weiche Landung der Wirtschaft - bei der die Zinsen steigen, ohne eine Rezession auszulösen - immer noch für möglich. Sie räumt aber ein, dass die Situation schwierig sei. "Vieles wird davon abhängen, wie dauerhaft diese inflationären Schocks sind", sagte Carstens und fügte hinzu, dass auch die Reaktion der Finanzmärkte entscheidend sein werde. Wenn die Zinsstraffung "zu massiven Vermögenskorrekturen führt und das den Konsum, die Investitionen und die Beschäftigung ansteckt - dann ist das natürlich ein schwierigeres Szenario".

Steigende Energie- und Lebensmittelpreise treiben derzeit in vielen Ländern die Kosten für die Lebenshaltung nach oben. Die US-Notenbank Fed und die Bank of England haben in den vergangenen Monaten bereits mehrfach ihre Zinsen erhöht, teils so stark wie seit vielen Jahren nicht mehr. Das macht Kredite teurer, was die Nachfrage und damit den Preisauftrieb bremsen kann. Die Europäische Zentralbank (EZB) will im Juli nachziehen und erstmals seit elf Jahren ihren Leitzins anheben. Im September soll dann ein zweiter Schritt folgen.

Hohe Verschuldung bereitet Sorgen

Globale Aktien sind seit Januar um 20 Prozent gefallen, weil Investoren wegen der Zinswende Geld umschichten. Die aktuelle Korrektur sei "nicht unbedingt eine völlige Überraschung", sagten Carstens. Es sei beruhigend, dass es bisher "keine größeren Marktverwerfungen" gegeben habe. Denn der BIZ bereiten die hohe Verschuldung in vielen Ländern sowie überbewertete Preise für manche Vermögenswerte Sorgen. Für Notenbanken werde es dadurch schwerer, Leitzinsen anzuheben ohne Marktturbulenzen auszulösen, erklärte die BIZ. Solche Verwundbarkeiten könnten zudem konjunkturelle Eintrübungen noch verstärken.

Die BIZ räumte ein, ebenso wie viele Zentralbanken den Inflationsdruck unterschätzt zu haben. "Ja, man kann hier ein wenig über Fehler beim Timing bestimmter Maßnahmen und die Reaktionen der Zentralbanken streiten", sagte Carstens. "Aber im Großen und Ganzen denke ich, dass die Zentralbanken sehr schnell und entschlossen reagiert haben." Er habe den Eindruck, dass sich die Zentralbanken am Ende des Tages durchsetzen dürften - "und das wäre gut für ihre Glaubwürdigkeit".

Doch für die BIZ ist auch ein anderer, negativer Ausgang vorstellbar. Das schlimmste Szenario wäre ein hartnäckiger Inflationsdruck, der eine stärkere geldpolitische Straffung seitens der Notenbanken auslöse, schreiben die BIZ-Experten. Dies wiederum könnte eine deutlichere Konjunkturabschwächung zur Folge haben - einschließlich einer Rezession. Sollte dieses Negativszenario eintreten wäre die Folge laut BIZ eine "stagflationäre harte Landung" der Wirtschaft. Eine Wiederholung einer Stagflation wie in den 1970-er Jahren hält die BIZ aber für unwahrscheinlich. Der geldpolitische Rahmen sei inzwischen besser, zudem seien die Handlungsmöglichkeiten zur Sicherung eines stabilen Finanzsystems größer geworden. Auch hat aus Sicht der BIZ Energie inzwischen ein weniger starkes Gewicht für die Wirtschaft.

cr/Reuters
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