Rückschlag Aufträge der deutschen Industrie brechen ein

Die sinkende Nachfrage nach Autos hat der deutschen Industrie im August den stärksten Auftragseinbruch seit fast anderthalb Jahren eingebrockt. Der Rückgang von fast 8 Prozent setzt der jüngsten Erholung ein Ende.
Autozulieferer Bosch: Das schwache Autogeschäft bremst die gesamte deutsche Industrie

Autozulieferer Bosch: Das schwache Autogeschäft bremst die gesamte deutsche Industrie

Foto: Bernd Weißbrod/ picture-alliance/ dpa

Die Aufträge für Industrieunternehmen in Deutschland sind im September stark zurückgegangen. Die Unternehmen sammelten 7,7 Prozent weniger Bestellungen ein als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Das war der größte Rückgang seit April 2020, als die Corona-Krise für eine Flaute im Neugeschäft sorgte. Ökonomen hatten lediglich mit einem leichten Rückgang von 2,1 Prozent gerechnet. Hauptgrund für das schwache Abschneiden: Das Neugeschäft der mit massiven Engpässen bei Vorprodukten wie Halbleitern kämpfenden Autobranche ging um 12,0 Prozent zurück.

"Das Ergebnis ist auf den ersten Blick ein Schock, schmerzt auf dem höheren Niveau aber weniger als in normalen Zeiten", sagte der Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe, Alexander Krüger. So folgt der Einbruch auf sehr kräftige Anstiege in den Vormonaten Juli (+4,9 Prozent) und Juni (+4,6 Prozent), die auch durch Großaufträge im sonstigen Fahrzeugbau - etwa Flugzeuge, Schiffe und Züge - zustande kamen. Die Betriebsferien der Autobauer, die teils in den August fielen, dürften ebenfalls zum Minus beigetragen haben.

Chipkrise schmerzt weiterhin

"Das satte Minus zeigt: der Materialmangel bremst auch die Auftragseingänge kräftig ein", nannte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel, einen weiteren Grund für das schwache Abschneiden. "Wenn ohnehin klar ist, dass nicht geliefert werden kann, bestellen viele Unternehmen erst gar nicht."

Rasche Besserung ist nicht in Sicht. Die Versorgung mit dringend benötigten Chips dürfte der Daimler-Tochter Mercedes-Benz zufolge auch in den kommenden Quartalen schwanken. Der Absatz der Fahrzeuge mit dem Stern brach im gerade beendeten dritten Quartal wegen der Halbleiter-Probleme um mehr als 30 Prozent ein. Gemessen am Februar 2020, dem Monat vor Beginn der Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie, liegen die Industrieaufträge allerdings noch immer um 8,5 Prozent höher.

Verglichen mit dem deutlich von der Pandemie beeinträchtigten Vorjahresmonat August 2020 zogen sie sogar um 11,7 Prozent an. "Insgesamt lagen die Bestellungen im Verarbeitenden Gewerbe immer noch auf hohem Niveau", betonte das Bundeswirtschaftsministerium deshalb. Allerdings dürfte die Industrie vorerst als Konjunkturmotor für Europas größte Volkswirtschaft ausfallen. Dafür spricht auch, dass der reale Umsatz im Verarbeitenden Gewerbe um August um 5,9 Prozent niedriger stand als im Vormonat.

Weniger Nachfrage aus dem Ausland

Für das maue Neugeschäft sorgte insbesondere die geringere Auslandsnachfrage. Sie fiel um 9,5 Prozent schwächer aus als im Vormonat. Dabei nahmen die Aufträge aus der Euro-Zone um 1,6 Prozent zu, während die aus dem restlichen Ausland um 15,2 Prozent schrumpften. Die Bestellungen aus dem Inland ließen um 5,2 Prozent nach. ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski kann der negativen Entwicklung aber auch eine positive Seite abgewinnen. "Sie bringt eine gewisse Erleichterung für die deutschen Hersteller, die zunehmend unter hohen Auftragsbeständen leiden", sagte er. "Angesichts der immer noch gut gefüllten Auftragsbücher und der niedrigen Lagerbestände dürfte die Zukunft der Industrieproduktion äußerst rosig sein."

Führende Institute haben gerade erst ihre Wachstumsprognosen für die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr deutlich gesenkt, weil die Industrie zwar auf prallen Auftragsbüchern sitzt, wegen fehlender Vorprodukte wie Mikrochips aber mit der Produktion nicht hinterherkommt. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) schraubte deshalb seine Wachstumsprognose von 3,9 auf 2,6 Prozent nach unten. Dafür wurden die Erwartungen für 2022 von 4,8 auf 5,1 Prozent hochgeschraubt.

la/reuters
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